Bild: dpa/Rolf Vennenbernd
#freeboehmi

Für die einen war das Erdogan-Schmähgedicht übel, für andere guter derber Humor. Aber einig sind sich alle: Die Meinungsfreiheit darf nicht angegriffen werden.

Ob sich Jan Böhmermann mit seinem Gedicht über den türkischen Staatspräsidenten strafbar gemacht hat, steht noch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat Ermittlungen wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts eingeleitet (bento), inzwischen hat die Türkei ebenfalls einen Strafprozess gefordert (bento).

Klar ist aber: Der Moderator hat mit seinem Beitrag im "Neo Magazin Royale" eine öffentliche Debatte ausgelöst, wie es schon lange kein Satiriker mehr geschafft hat.

So setzen sich die Menschen für Böhmermann ein:
Mit diesen Petitionen...
  • Bereits 52.000 Unterstützer hatte am Montagmittag die Petition "Freiheit für Böhmermann – #freeboehmi". Die Initiatorin Christine Doering beruft sich auf die Pressefreiheit und verlangt, dass Böhmermann strafrechtlich nicht verfolgt wird. In der Petition schreibt sie: "Die verletzten Gefühle eines Herrn Erdogan dürfen keinen Einfluss auf die Pressefreiheit in Deutschland haben. Er hat bereits versucht, Einfluss auf die Pressefreiheit bei Extra 3 zu nehmen, bei Böhmermann könnte es ihm nun gelingen." Die Liste der Unterstützer soll an die Bundesregierung verschickt werden.
  • Es gibt noch mehr Aufrufe im Netz, allerdings mit wesentlich weniger Anhängern. Eine zweite Petition fordert zum Beispiel die Abschaffung des §103 StGB, also des Paragraphen, der die Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter regelt und im Falle Böhmermann als strafrechtliche Grundlage verwendet wird. Es müsse Satire möglich sein, die sich über ausländische Staatsoberhäupter lustig macht, ohne ein Verfahren nach §103 StGB fürchten zu müssen.
  • "Erdogan wird nicht belangt dafür, was er veranlasst, was Menschen angetan wird, wie Pressefreiheit verletzt wird. Jan Böhmenmann macht Scherze, schlimme Scherze, aber es tut niemandem weh – und dafür soll er jetzt vor Gericht? Das ist ein Ungleichgewicht, und das stört mich", sagt Andre L. zu bento. Der 28-Jährige hat ebenfalls eine Petition mit dem Titel: "Gerechtigkeit – für Böhmermann wie für Erdogan" gestartet.
(Bild: epa/Legnan Koula)
Mit #freeboehmi auf Twitter...

Unter dem Hashtag wird nicht nur die Petition verbreitet, sondern auch Solidarität mit Böhmermann bekundet – oft humorvoll.

Komikerkollegen stehen zu Böhmermann:

Kabarettist Dieter Hallervorden veröffentlichte am Sonntagabend das Lied "Erdogan, zeig mich an". Darin singt er "Ich sing einfach, was du bist. Ein Terrorist, der auf freien Geist scheißt." Hallervorden kommentierte seinen Song mit den Worten: "Jetzt erst recht."

Jetzt erst recht! Mein neuer satirischer Song "Erdogan, zeig mich an!"Das Musikvideo folgt in Kürze!#SATIRE #Erdogan #ErdoganzeigmichanJan BöhmermannExtra 3

Posted by Dieter Hallervorden on Sunday, 10 April 2016

Klaas Heufer-Umlauf machte eine Anspielung auf Böhmermanns Nachricht an Kanzleramtschef Peter Altmaier: "Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem das Erkunden der Grenze der Satire erlaubt, gewünscht und Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Debatte sein kann."

Auch Merkel rudert zurück:

Sie lässt über ihren Sprecher Steffen Seibert verkünden: "Die Grundwerte des Grundgesetzes sind unverhandelbar". Das gelte unabhängig davon, ob Merkel etwas für geschmacklos halte und davon, dass die EU mit der Türkei in der Flüchtlingskrise zusammenarbeite. (Die Welt)

Zuerst hatte sich Merkel in einem Telefonat mit dem türkischen Premierminister Ahmet Davutoglu kritisch über Böhmermanns Gedicht geäußert.

1/12
Und die bento-Leser...

...finden das Schmähgedicht zum Großteil "superwitzig". 58 Prozent stimmten der Aussage in unserer Umfrage zu.


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