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Das Wichtigste zuerst: Er hat seinen Humor nicht verloren.

Jan Böhmermann ist sauer. Richtig sauer auf Angela Merkel. Das erklärt er zumindest der "Zeit" in seinem ersten – schriftlichen – Interview nach der Affäre um sein Erdogan-Schmähgedicht.

Wir haben die wichtigsten Stellen herausgesucht und erklären, was er uns damit sagen will.

Das Wichtigste zuerst: Böhmermann hat seinen Humor nicht verloren!

Auf die Frage, warum Böhmermann die Fragen nur schriftlich beantwortet, schreibt er: "Aus Bequemlichkeit. Und weil ich gerne der Erste in Deutschland sein möchte, der in einem Zeit-Interview Emojis unterbringt."

Böhmermann geht Merkel und die Politik scharf an.

Weiter: "Ich setze inzwischen mehr auf die Justiz als auf die Politik. Mein Team und ich wollen den Humorstandort Deutschland nach vorne ficken. Es ist dabei nicht meine Aufgabe, Kunst herzustellen, die Angela Merkel oder wer auch immer als angenehm empfindet oder die ihr politisch in den Kram passt. Es ist, im Gegenteil, meine Aufgabe, Fragen zu stellen, Debatten anzustoßen, und auf Probleme aufmerksam zu machen.

Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um Freiheit und Menschenrechte geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Weiwei aus mir gemacht."

Böhmermann verrät nicht viel über seinen mentalen Zustand.

"Ich bin ein wenig unausgeschlafen, ich vermisse meine Sendung und habe für meine Verhältnisse viel zu lange nichts mehr bei Twitter und Facebook gepostet."

Für ihn als Privatperson und sein Umfeld seien die vergangenen Wochen "turbulent" gewesen.

Böhmermann wollte die Grenzen austesten.

Frage: "Mit anderen Worten: Haben Sie Ihr Gedicht extra so stereotyp und, ja, fast ein wenig schlampig gehalten, um klarzumachen, dass es Ihnen nicht um die Beleidigung Erdoğans, sondern um eine juristische Grenzauslotung ging?"

Böhmermann: "Vollkommen korrekt."

Böhmermann steht wie immer über den Dingen, sagt er zumindest. Und er zeigt sich solidarisch mit Kollegen aus der Türkei.

Ob er sich auch mal leid getan hätte, fragt die "Zeit". Seine Antwort: "Nein, ich neige nicht zu Selbstmitleid. Augen auf bei der Berufswahl! Außerdem gibt es im Moment in anderen Ländern, gerade auch in der Türkei, viele Kollegen, die mit deutlich härteren Konsequenzen ihrer künstlerischen oder journalistischen Arbeit zu kämpfen haben."

Böhmermann glaubt, dass die Justiz die richtige Entscheidung treffen wird.

"Der deutsche Rechtsstaat wird sich meiner kühl und gerecht annehmen, da bin ich voller Zuversicht."

Böhmermann hat das Gedicht nicht selbst verfasst.

"Quelle: Internet", witzelt Böhmermann.

Böhmermann hat eine satirische Botschaft an die Türken und Deutschtürken.

"Bu kanıt oldu! Almanlar aptal patates ve hiçbir mizah duygusu var! ("Das ist der Beweis! Die Deutschen sind dumme Kartoffeln und haben überhaupt kein Gefühl für Satire!" Übersetzung der Redaktion)"

Was sagt uns das Interview?
  • Jan Böhmermann schreibt noch einmal, was sich ein großer Teil der Deutschen denkt: Bundeskanzlerin Merkel hat sich nicht genügend für die Meinungsfreiheit und den Künstler eingesetzt.
  • Böhmermann steht weiter zu seinem Gedicht, auf die Kritik zahlreicher Deutscher mit türkischen Wurzeln geht er nicht ernsthaft ein. Im Interview bei bento bezeichneten junge Deutschtürken das Gedicht, in dem Erdogan mit einem Ziegenficker verglichen wird, als "leicht rassistisch" und "geschmacklos".
  • Wie fühlt sich Böhmermann wirklich? Schwer zu sagen. Der Satiriker Böhmermann antwortet natürlich satrisch. Der Mensch Böhmermann schweigt in dem Interview.

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