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Drei Antworten zu den Ermittlungen

Jamal Khashoggi war ein saudischer Journalist und scharfer Kritiker des saudischen Königshauses. Anfang Oktober wurde er im saudischen Konsulat in der Türkei umgebracht – Saudi-Arabien wollte erst nichts davon wissen, musste aber später den Tod Khashoggis zugeben. (bento)

Unklar blieb bislang, wer den Auftrag zum Mord gab.

Nun sagt der US-Geheimdienst CIA: Der saudische Kronprinz hat die Tötung höchstpersönlich angeordnet.

Kronprinz Mohammed bin Salman, genannt MbS, ist zwar nicht das Staatsoberhaupt, hat aber faktisch alle Macht in Saudi-Arabien inne. 

  • Er hat in den vergangenen Jahren viele Reformen angestoßen, viele loben ihn dafür. Unter anderem bekommen Frauen nach jahrzehntelanger Unterdrückung mehr Rechte.
  • Andere warnen: MbS ist ein gefährlicher Autokrat. Kritiker verschwinden immer wieder im Gefängnis, im Jemen führt er einen blutigen Krieg gegen die Bevölkerung.

1 Wie soll MbS nun mit Khashoggis Tod in Verbindung stehen?

Der US-Geheimdienst CIA kommt zu der Einschätzung, dass er die Tötung beauftragt hat. Die CIA sei zu dieser Schlussfolgerung gekommen, nachdem sie mehrere Quellen ausgewertet habe, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

  • Der Schlüssel: ein angebliches Telefonat zwischen Khashoggi und dem saudischen Botschafter in den USA, Khalid bin Salman.
  • Khalid ist der Bruder von MbS. Auf dessen Befehl habe er Khashoggi in das Konsulat beordert – und dem Regimekritiker zugesagt, dass er sicher sei.

2 Wie reagiert Saudi-Arabien auf die Anschuldigungen?

Riad gibt den Mord zu – beschuldigte aber hochrangige Regierungsmitarbeiter. Diese hätten nicht auf Befehl von oben gehandelt. 

Diese offizielle Version wurde international als wenig glaubwürdig angezweifelt.

Auf die neuen CIA-Anschuldigungen gibt es noch keine Stellungnahme vom Königshaus. Botschafter Khalid bin Salman dementiert aber schon mal via Twitter:

Khalid bin Salman schreibt, er habe nicht mit Khashoggi am Telefon gesprochen – und er habe ihm auch nicht empfohlen, in die Türkei zu reisen. "Das ist eine schwere Anschuldigung, die nicht anonymen Quellen überlassen werden sollte."

3 Wer hat nun recht?

So ganz klar ist es nicht. 

  • Die "New York Times" schrieb, die CIA beschuldige zwar Prinz Mohammed – aber diese Anschuldigungen gründeten allein auf Telefonaten der Mörder mit hochrangigen Mitarbeitern des Kronprinzen. 
  • Unter anderem gibt es einen Mitschnitt, in dem einer der Killer einem Mitarbeiter von MbS gesagt haben soll:
„Sag deinem Boss, dass der Auftrag erledigt ist.“
  • Das Problem: Aus den Mitschnitten geht zwar hervor, dass Mohammed bin Salman Khashoggi zurück nach Saudi-Arabien habe locken wollen. Ob er den Regierungskritiker wirklich töten lassen wollte, bleibt aber weiter unklar.

Gerechtigkeit

Sind Rechte wirklich dümmer als Linke?
Das wird man ja wohl noch fragen dürfen.

Wahrscheinlich kennt jeder Mensch mit tiefen politischen Überzeugungen dieses Gefühl: Das können "die anderen" unmöglich ernst meinen! Verstehen die nicht, was sie da sagen? Sind sie vielleicht einfach zu dumm, um es zu checken? 

Das linksgerichtete Lager gibt sich gern intellektuell, das konservative hält sich dagegen für "realistisch" und "bodenständig". 

Das sind die Vorurteile gegenüber Rechten und Linken. 

Sind das nur arrogante Thesen – oder ist da wirklich etwas dran?