Weil es jeden treffen kann.
Dieser Beitrag enthält Bilder von sexuellen Übergriffen.

Seit dem Prozess um den sogenannten "Stanford-Vergewaltiger" Brock Turner wird in internationalen Medien wieder viel über die sogenannte "Rape-Culture" gesprochen. Im Kern bezeichnet dieser Begriff eine Atmosphäre und ein Gedankengut, das Opfern von sexuellen Übergriffen eine Mitschuld gibt. "Du hättest nicht so viel trinken sollen" oder "Dein Rock war ja auch viel zu kurz" sind Aussagen, die sich Opfer tatsächlich anhören müssen.

In dieser Diskussion hört man aber auch viele Klischees darüber, wann, wo oder wem eine Vergewaltigung passieren können. Immer ist die Rede von betrunkenen Frauen, von Clubs und Collegestudenten. Aber ist das zutreffend? Kann nicht jeder Opfer eines Übergriffs werden? Oder selbst übergriffig? Mann und Frau, alt und jung, Freunde und Kollegen?

Die Fotografin Yana Mazurkevich vom Ithaca College in New York hat eine Fotoserie erstellt, die mit den bestehenden Klischees aufräumt.

Die Fotoserie von Yana Mazurkevich wurde für das Projekt "Current Solutions" erstellt, das sich gegen sexuelle Gewalt einsetzt. Die Bilder wurden anhand der Erzählungen von Opfern nachgestellt.

bento sprach mit ihr über Ihre Arbeit, Motivation und den Fall Brock Turner:

Deine Fotoserie zeigt sexuelle Übergriffe in alltäglichen Szenarien. Warum wolltest du dieses Thema bildlich darstellen?

Yana: Weil es jeden Tag passiert. Ich war so unglaublich wütend und frustriert – ungläubig sogar – weil ich wusste, dass mehr als eine mir nahestehende Person schon Opfer von sexueller Gewalt wurde. Um das zu kanalisieren, habe ich Fotografie benutzt. Und um das Thema lebendig zu machen, nicht nur theoretisch. Ich war noch sehr aufgewühlt nach meiner ersten Bilderserie zum Thema Rape Culture (Anm. hier kann man diese sehen) und wollte daher noch weitere Perspektiven zeigen. Denn Übergriffe passieren JEDEM. Unabhängig von deiner Hautfarbe oder deiner sexuellen Orientierung.

Der Brock-Turner-Fall wurde in US-Medien sowie international stark diskutiert. Denkst du, dass sich seit seinem Urteil etwas geändert hat?

Geändert hat sich nichts, nein. Aber wir sind auf dem Weg dahin. Endlich reden mehr Menschen über sexuelle Übergriffe. Wir akzeptieren, dass es sie gibt und führen eine Debatte darüber.

Wie reagieren die Menschen auf deine drastischen Bilder? Bekommst du mehr Unterstützung oder Ablehnung?

Die Reaktionen sind sehr positiv, mit einigen Ausnahmen natürlich. Es gibt da draußen viele Unterstützer, die sich ernsthaft für die Sache einsetzen. Und dann gibt es halt noch die relativ ungebildeten, die einfach nicht verstehen, dass sexuelle Gewalt kein Witz ist und jedem passieren kann.

Was ist deiner Meinung nach das größte Problem? Und wie können wir das ändern?

Es ist einfach die Art, wie die Menschen denken. Wir implementieren Sachverhalte als "normal" in unseren Kopf. Wenn wir glauben, dass etwas "normal" ist, dann ist es das auch. Was wir nicht realisieren, ist, dass es heutzutage keine "Norm" mehr gibt. Unsere Welt verändert sich und wir alle entwickeln uns weiter.

Deshalb müssen wir unsere Denkweise ändern: Gegenseitiger Respekt ist jetzt die Basis. Behandle andere, wie du selbst behandelt werden möchtest. Dring nicht in den Körper eines anderen Menschen ein. Vergewaltige nicht. So einfach ist das.

Der Stanford-Vergewaltiger

Der Fall Brock Turners, eines amerikanischen Studenten an der Elite-Universität Stanford, wurde international diskutiert. Selbst US-Vizepräsident Joe Biden wandte sich in einem Brief an das Opfer. Groß war das Unrechtsempfinden in der Öffentlichkeit, als er nach der Vergewaltigung einer Studentin nur zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Am Freitag, 3. September, wurde er bereits nach nur drei Monaten wieder freigelassen. Seitdem stehen bewaffnete Demonstranten vor seinem Elternhaus.

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Livestream: Warum alle verrückt nach dieser Kreuzung in den USA sind

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