Bild: dpa/Emrah Gurel
Das 4. Verbot in 4 Jahren.

Es ist schon wieder passiert. Die türkische Polizei wollte mit einem Großaufgebot eine Demonstration von Schwulen, Lesben und Transsexuellen in Istanbul verhindern. Sie setzte am Sonntag Tränengas und Plastikgeschosse ein, um eine Gay Pride Parade auf der beliebten Einkaufsstraße Istiklal im Zentrum von Istanbul aufzulösen.

Die Organisatoren teilten mit, es habe Festnahmen gegeben, nannten jedoch zunächst keine Zahl. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge wurden elf Menschen festgenommen. (Amnesty International)

Es ist das vierte Jahr in Folge, dass türkische Behörden gegen das LGBT-Event vorgehen – obwohl Homosexualität in der Türkei gar nicht verboten ist.

Seit 2015 verbieten Behörden beispielsweise regelmäßig die "Pride Week" in Istanbul – angeblich wegen "Sicherheitsbedenken" zum Schutz von Touristen. Auch ein LGBT-Filmfest der deutschen Botschaft wurde vergangenes Jahr verboten – wegen angeblicher Terrorgefahr. (bento)

Auch beim neuen Verbot ging es angeblich wieder um Sicherheitsbedenken. Aktivisten warfen dem Istanbuler Gouverneur allerdings vor, es gehe in Wirklichkeit um Diskriminierung.

In den Seitenstraßen der Istiklal versammelten sie sich dennoch zahlreich. Die Demonstranten skandierten: "Schulter an Schulter gegen den Faschismus!" und "Wir gehorchen nicht, wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht!" 

Die Aktivisten wehrten sich in einem Schreiben dagegen, dass man sie "in Grenzen halten und in Ghettos zwingen" wolle, hieß es weiter. Und:

Wir erinnern die ganze Gesellschaft daran, dass ohne uns der Kampf gegen das Ein-Mann-Regime nicht erfolgreich sein wird.

Die Ansage gilt dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan. Er war vor einer Woche mit einer knappen Mehrheit wiedergewählt worden – und hat nun deutlich mehr Macht. Kritiker bezeichnen die Türkei nun als "Ein-Mann-Regime".

Die Rechte von Homosexuellen wurden von der türkischen Regierung lange Jahre ignoriert und nicht ernst genommen. Aber auch nicht aktiv beschnitten. Das änderte sich unter Erdogan – seit LGBT-Aktivisten als Kämpfer für Gleichberechtigung gelten, werden sie bewusst zum Angriffsziel. (bento)


Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Trump richtet Hotline gegen kriminelle Ausländer ein - doch die Anrufe sind anders als erwartet
4 Fakten aus den offiziellen Protokollen.

Voice. Unter diesem Namen hatte US-Präsident Donald Trump im Frühjahr 2017 eine neue Behörde einrichten lassen, die sich gezielt um die Opfer krimineller Einwanderer kümmern soll. Bürger können seitdem in einem Callcenter anrufen und sich über Migranten informieren.

Die Idee: Wer von einem illegalen Einwanderer angegriffen wurde, soll über die Hotline erfahren, ob dieser schon gefasst und deportiert wurde. Trump sagte damals, das Problem sei von den Medien und "besonderen Interessengruppen" bislang verschwiegen worden. (bento)

Nun sind die ersten Ergebnisse da – und sie sind sehr peinlich.