Israelische Behörden gehen diese Tage drastisch gegen Flüchtlinge vor. Mehr als 38.000 Schutzsuchende aus Afrika sollen in ihre Heimatländer zurück – wer nicht freiwillig geht, soll in Gefängnisse gesperrt werden und soll dann zwangsweise abgeschoben werden.

Nun wollen Flüchtlinge auf ihre Lage aufmerksam machen – mit Hungerstreiks und weiß bemalten Gesichtern.

(Bild: dpa/Ilia Yefimovich)
  • Gefangene im Internierungslager Holot haben vor einer Woche einen Hungerstreik begonnen. Holot liegt in der Wüste, rund 750 Migranten verweigern dort nun Essen und Trinken. (Haaretz/Deutschlandfunk)
  • Andere Migranten demonstrierten vor der Botschaft von Ruanda. Sie malten ihre Gesichter weiß – um auszudrücken zu machen, wie wenig schwarze Leben wert seien.

Was steckt hinter den Abschiebeplänen?

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu will zwischen 38.000 und 40.000 illegal nach Israel eingereiste Menschen zur Ausreise drängen. Es handelt sich vor allem um Eritreer und Sudanesen

Da sie in ihre von Kriegen gezeichnete Heimatländer nicht zurück können, will sie Israel in ein anderes afrikanisches Land fliegen. Nach Medienberichten ist Ruanda dieser Abschiebepartner, die Regierung soll pro Flüchtling 5000 Dollar erhalten. Deshalb demonstrieren nun Flüchtlinge vor der ruandischen Botschaft. (Jerusalem Post/Deutschlandfunk)

(Bild: dpa/Ilia Yefimovich)

Wenn die Flüchtlinge Israel freiwillig verlassen, erhalten sie ein Flugticket und umgerechnet 2900 Euro. Andernfalls sollen sie so lange in Haft bleiben, bis sie sich zur Ausreise bereit erklären. Anfang Februar wurden die Ausreisebescheide verteilt. (bento) Derzeit sollen Frauen und Kinder noch von den Plänen ausgenommen sein. 

Um die Massenausweisung umzusetzen, sucht Israel eigens neue Mitarbeiter für ihre Migrationsbehörde. Den Angestellten wird ein Bonus von bis zu 7000 Euro versprochen:

Israels Regierung hat ein großes Interesse, nicht zu viele Flüchtlinge ins Land zu lassen. Das kleine Land ist von mehreren arabischen Diktaturen umringt – und möchte sich seinen Status als mehrheitlich jüdisches Land bewahren. Premier Netanjahu spricht von einem "Mangel an demografischer und geografischer Stärke". (Los Angeles Times)

Das heißt: Er fürchtet, dass die jüdische Bevölkerung im Land durch zu viele Flüchtlinge in die Minderheit gerät.

Viele Afrikaner kommen nach einer gefährlichen Reise über die ägyptische Sinai-Halbinsel nach Israel.

Die Uno geht von etwa 27.500 Eritreern und 7800 Sudanesen in Israel aus. Seit 2009 wurden nur 10 von ihnen als Flüchtlinge anerkannt – obwohl viele aus Bürgerkriegsregionen geflohen sind. Die israelische Regierung bezeichnet sie selbst in offiziellen Dokumenten als "Eindringlinge" (Times of Israel).

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Pläne als gewissenlose "Deportation".

Dror Sadot von der "Hotline for Refugees and Migrants" warnt, die Abschiebungen nach Ruanda seien für die Flüchtlinge gefährlich – ihnen drohe dort Haft und Folter. Mit der Massendeportation habe die israelische Regierung eine "rote Linie" überschritten. (Jerusalem Post)

Mit der weltweiten Flüchtlingskrise hat auch Israel die moralische Pflicht, Aufenthalte zu genehmigen. Juden wissen am besten, was es heißt, Flüchtling zu sein.
Dror Sadot

Die NGO "Aid Organization for Refugees and Asylum Seekers" nannte die Pläne eine "beispiellose Deportationsmaßnahme". In ihr spiegele sich Rassismus und die "völlige Missachtung von menschlichem Leben". 

Reisen sie nicht freiwillig aus, könnten die ersten Flüchtlinge Anfang April zwangsabgeschoben werden. (Times of Israel)

Die Deportation fällt dann zeitlich mit dem Pessachfest zusammen. Es gehört zu den wichtigsten Feiertagen im Judentum – und erinnert an die Flucht der Juden aus Ägypten.


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