Foodporn wie zur Zeit des Propheten? Oder lieber Kalaschnikow-Fotos im Sonnenuntergang? Dass Islamisten das Netz erobern, um ihre Idee des Islam zu propagieren, ist nichts Neues. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) veröffentlicht Lern-Apps für Kinder oder Dschihad-Onlinemagazine, andere Islamisten überschwemmen Twitter und YouTube mit kriegerischen Propagandavideos.

Und auch Instagram gehört zu ihrem Spielfeld. Auch, wenn die Dschihadisten von einem Islam vergangener Jahrhunderte träumen – auf der Fotoplattform eignen sie sich die moderne Bildsprache an. Kämpfer aus dem Gebiet des IS posen da wie Hipster, Muslima geben Ernährungstipps zu Kamelfleisch und Datteln. Aufgemacht ist das Ganze wie ein einziger großer Spaß.

Natürlich ist nicht bei allen Instagram-Accounts klar, wer dahinter steckt – oft fällt die Trennung zwischen dschihadistischen Inhalten und normalen islamischen Bildern schwer. Folglich sollte man den inszenierten Fotos immer auch mit einer gesunden Skepsis begegnen.

Einige der hier vorgestellten Accounts eine deutliche Sprache: Sie tragen entweder islamistische Kampfnamen und zeigen Bildmaterial, dass den Nachrichtenkanälen des IS zugeordnet werden kann. Andere mögen zwar selbst keine direkten islamistischen Botschaften propagieren – ziehen aber in ihren Kommentarspalten islamistische Redner an.

Die Fotos folgen verschiedenen Inszenierungen mit ganz unterschiedlichen Zielen. Die drei erkennbaren Muster:

1. Der "Islamic Lifestyle"

Es gibt Memes und Sinnsprüche, die eine Art modernen Ur-Islam aufzeigen sollen. Muslime sollen stolz darauf sein, das 7. Jahrhundert – also die Lebzeiten des Propheten Mohammed – nachzuahmen.

(Das Instagram-Bild wurde mittlerweile gelöscht.)

Muslime, die dieses längst vergangene Leben nachempfinden, nennen sich "Salafijun", also Salafisten. Zwar sind die Mehrzahl der Muslime keine Salafisten, allerdings haben diese großen Einfluss auf die islamische Welt.

Unter den Salafisten gibt es laut dem Islamismusforscher Olivier Roy sowohl bloße konservative Strömungen wie auch dschihadistische, also gewaltbereite Strömungen. Viele junge, im Westen aufgewachsene Muslime würden sich laut Roy zudem dem Salafismus zuwenden, um sich "wiedergeboren" zu fühlen. (Qantara.de)

Auf Instagram wird der "Islamic Lifestyle" mit einer Neukonzeption bekannter Bilder und Themen umgesetzt. Anstatt "Thug Life" gilt "Rug Life":

Und Food Blogs werden mit Ernährungstipps des Propheten konterkariert:

(Das Instagram-Bild wurde mittlerweile gelöscht.)

2. Die Dschihad-Posen

Dschihadismus ist in Zeiten des IS längst kein bloßer Kampf gegen vermeintliche Gegner des Islam geworden – sondern auch eine heroische Inszenierung. Kämpfer posieren mit lockiger Mähne wie Surfer vor Sonnenuntergängen, verträumte Blicke lassen an die Erlösung im Paradies erinnern. Oft heben sie dabei einen Zeigefinger. Er symbolisiert das islamische Wort "Tawhid", Einheit – gemeint ist der Glaube an den einen Gott.

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Mit den "Tawhid"-Gesten und auch andere heldenhaften Posen stellen Terrorgruppen den Islamismus als Abenteuerspiel dar, um junge Kämpfer zu begeistern – die nach Ansicht von Olivier Roy oft vor ihrem Kriegseinsatz kaum ein Wort im Koran gelesen haben. Er nennt sie "Rebellen ohne Grund": Jugendliche, die gegen die Gemeinschaft oder ihre Eltern aufbegehren. ("Washington Post")

Die Taktik – Krieg wie einen Pfadfindertreff darzustellen – ist gefährlich. Für die Köpfe, die hinter Terrorgruppen stecken, geht es dennoch auf. Immer wieder zieht es junge Männer und Frauen in Kampfgebiete, um sich zu behaupten. Der Dschihad verspricht ihnen vermeintliche Zugehörigkeit.

Hier zeigen Kämpfer Siegelringe, wie sie der Prophet getragen haben soll. Den Schriftzug, ein Teil des islamischen Glaubensbekenntnis, verwendet so auch der IS auf seiner schwarzen Flagge:

(Das Instagram-Bild wurde mittlerweile gelöscht.)

Und hier wird Rakka gezeigt, die selbst definierte Hauptstadt des IS im Osten Syriens. Auf Instagram wirkt sie nicht wie eine geschundene Stadt in einem Bürgerkrieg, mit Tausenden vom IS unterdrückten Bürgern. Eher ist Rakka hier ein Tourismusziel:

(Das Instagram-Bild wurde mittlerweile gelöscht.)

Was ebenfalls oft propagiert wird: Liebe im Hoheitsgebiet des IS. Mit Pärchenselfies wollen die Dschihadisten zeigen, dass auf die Kämpfer "anständige" Muslima warten. Hier posiert ein mutmaßlicher IS-Anhänger mit seiner Partnerin und einem Basecap, auf dem das oben erwähnte Siegel des Propheten prangt:

(Das Instagram-Bild wurde mittlerweile gelöscht.)

Die Realität sieht oft anders aus: Christliche und jesidische Frauen wurden zu Tausenden verschleppt und im Hoheitsgebiet als Sexsklavinnen verkauft. Geflohene Mädchen berichten von Folter und Vergewaltigung. (SPIEGEL ONLINE)

3. Die klassische IS-Propaganda

Viele Instagram-Accounts dienen auch der Verbreitung klassischer IS-Propaganda. Die Terrormiliz streut im Netz Enthauptungsvideos und Kampfszenen, aber auch Videos und Fotos von Straßenfesten und Gebeten. Gerade die Gräueltaten teilen sich auf Instagram unter arabischen Hashtags. Wir zeigen diese Bilder hier nicht.

Allerdings kannst du dich hier näher über die Propagandamethoden des IS informieren:

Was soll die Inszenierung auf Instagram?

Obwohl der IS und andere Islamistengruppen ihre Propaganda auf Instagram teilen, hat die Fotoplattform laut der Extremismusforscherin Sarah Gilkes eine Sonderstellung. Gilkes hat für die Washington University Verhaltensmuster von Islamisten in Sozialen Netzwerken untersucht (hier geht es zur Studie).

Während Terrorgruppen Twitter und Facebook oft als bloße Nachrichtenkanäle nutzen, sei Instagram vor allem dazu da, die radikalen Ideen zu verschönern – und damit zu normalisieren. Nutzer würden sich so zunehmend in einer "ISIS bubble" aufhalten, also in der Inszenierungswelt des IS. Aus den umkämpften Gebieten gebe es Foodporn-Bilder oder Balkon-Schnappschüsse – Hauptsache, der Dschihad wirkt alltäglich.

Dabei ist genau diese vermeintliche Alltäglichkeit die große Gefahr: Der "Kampf gegen Ungläubige" ist ein Ziel, dass die Mehrheit der Muslime auf der Welt nicht teilen. Junge Kämpfer, die den Lockrufen des IS oder anderer Gruppen erliegen, kehren oft desillusioniert zurück – oder sterben im Krieg.


Today

Schüler und Lehrer in den USA sollen Waffen tragen dürfen
Ratet mal, wessen Idee das ist.

Geht es nach US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, so soll es unter seiner Führung in den USA bald keine "waffenfreien Zonen" mehr geben. Das sagte er auf der Jahresversammlung der Waffenlobbygruppe "National Riffle Association" (NRA). ("The Guardian")

In den USA dürfen Bürger Waffen zum Selbstschutz mit sich führen. An Schulen ist dies jedoch mit dem Gun Free School Act verboten (uslegal.com). Ginge es nach Trump, sollen diese Zonen abgeschafft werden: Jeder US-Bürger könne dann an jedem Ort sein Recht auf Waffenbesitz wahrnehmen. Mit Blick auf einen Gewinn seiner voraussichtliche Wahlkampf-Gegnerin Hillary Clinton sagte Trump: