Immer wieder der "Islamische Staat" (IS). Während im Irak und in Syrien die Terrormiliz zurückgedrängt wird, führt der IS seine Propagandaschlacht anscheinend umso härter.

Jetzt hat die Miliz eine App veröffentlicht, mit der Kinder das Alphabet lernen können. Die App heißt "Haruf" – Arabisch für "Alphabet" – und sieht zunächst kunterbunt und kindgerecht aus. Der Inhalt ist jedoch klassisches IS-Material; gewalttätig und kriegsverherrlichend.

So sieht die IS-App aus:
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Mehrere arabische Medienseiten haben in den vergangenen Tagen über die App berichtet. Auch das Sicherheitsblog "Long War Journal" bestätigt die Echtheit:

Mittelalterlich im Denken, modern im Handeln

Es ist nicht das erste Mal, dass der IS moderne Kommunikationsmittel für seine Zwecke nutzt. Mit der App "Amaq" betreiben die Dschihadisten eine eigene Nachrichtenagentur, die Anschläge per Pushmeldung auf's Handy schickt (SPIEGEL ONLINE). Wie "Haruf" ist auch "Amaq" nur für Android zu haben und nicht über offizielle Download-Center zu finden. Stattdessen müssen IS-Fans im Netz nach Links fahnden.

Neben Apps nutzen die IS-Kämpfer immer wieder neue Twitter- und Facebook-Kanäle für ihre Propaganda. Im Netz vertreiben sie zudem das unregelmäßig erscheinende PDF-Magazin "Dabiq".

Hier entschlüsseln wir für dich die Propaganda, die hinter "Dabiq" steckt:

So lustig die neue Kinder-App aussieht, sie hat einen ernsten Hintergrund: Der IS bildet in seinen Reihen Kindersoldaten aus. Seit den Eroberungen in Syrien und dem Irak von Anfang 2014 wurden Hunderte Minderjährige von den Dschihadisten in Kampfausbildungen gezwungen. Eine Studie des Combating Terrorism Center liefert erschreckende Zahlen:

  • Mindestens 89 Kinder und Jugendliche starben im Kampf für den IS allein zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Januar 2016.
  • Knapp 40 Prozent der Kinder starben als Selbstmordattentäter.
  • Die Mehrheit war zwischen 12 und 16 Jahren, gut sechs Prozent noch jünger.

In seiner Anfangszeit konnte der IS vor allem junge Männer aus Tunesien und den Golfstaaten sowie aus Europa für sich begeistern. Mittlerweile wollen viele einstige Kämpfer wieder fliehen, das IS-Kommando greift also in seinen eroberten Gebieten vermehrt auf irakische und syrische Kinder zurück. Ein Deserteur beschrieb der "Neuen Zürcher Zeitung", seine Einheit habe zu 60 Prozent aus Kämpfern unter 18 Jahren bestanden.

Videos, die der IS im Netz veröffentlicht, zeugen von der Brutalität, mit denen die Kinder indoktriniert werden. So zeigt ein Video einen Jungen, der mit seinem mutmaßlich tschetschenischen Vater in das IS-Gebiet gereist ist. Er soll einen "Spion" hinrichten und tötet ihn per Kopfschuss aus unmittelbarer Nähe. Ein anderes Video ist wie ein Computerspiel inszeniert: Kinder, kaum zwölf Jahre alt, rennen darin durch alte Ruinen und suchen in Nischen versteckte und gefesselte Feinde des IS. Wird einer gefunden, darf das Kind die Tötungsart bestimmen.

Die Terrormiliz täuscht in ihren Hoheitsgebieten so ein "Kalifat", einen islamischen Staat, für kommende Generationen vor. Tatsächlich hinterlässt sie eine Region verlorener Seelen.


Gerechtigkeit

Obama ist jetzt offiziell US-Kriegspräsident No. 1
2663 Tage "at war".

Das Weiße Haus hat zum Jubiläum keine Pressemitteilung veröffentlicht – und auch US-Präsident Barack Obama twitterte lieber mal nichts. Es gab auch wenig zu feiern: Seit dem 6. Mai ist Barack Obama offiziell der US-Präsident mit den meisten Kriegstagen, das berichtet die "New York Times".

Die USA führten unter der Regierung Obamas seit dessen Amtsantritt am 20. Januar 2009 bis zum 6. Mai insgesamt 2663 Tage Krieg in verschiedenen Ländern. Zuvor hielt Obamas Vorgänger George W. Bush mit 2662 Tagen den traurigen Rekord – vom Beginn des Afghanistankrieges am 7. Oktober 2001 bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009.