Und die jungen Leute haben es offenbar verstanden.
​Gehört der Islam zu Deutschland?

Über diese Frage diskutiert das Land. Wieder einmal. Obwohl sich die Debatte anfühlt, als würde gleich jemand sein Tamagotchi aus dem Rucksack holen und behaupten, dass sich dieses Internet ja eh nicht durchsetzen wird.

Denn die Diskussion ist alt, längst geführt.

Schon der damalige Bundespräsident Christian Wulff löste unter Konservativen Entsetzen aus, als er 2010 sagte, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland. 2011 und 2012 behaupteten Volker Kauder und Hans-Peter Friedrich das Gegenteil. Und so ging es: immer weiter. Jetzt greift Seehofer das Thema erneut auf. Mit Interviews in Zeitungen und mit Äußerungen im Bundestag. "Der Islam gehört nicht zu Deutschland", sagt er. 

Und obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung am Mittwoch den Islam als Teil Deutschlands bezeichnete, macht Seehofer einfach immer weiter. Dem SPIEGEL sagte er am Freitag: "Ich werde meine Politik nicht um ein Jota ändern."

Dabei gibt es wirklich keinen Grund, diese Schein-Debatte immer weiter zu befeuern.

Weiterbringen wird sie uns nicht. Egal, ob man die Frage nun historisch, kulturell oder sonst wie betrachtet. Die Debatte führt dazu, dass sich ganz normale Menschen unwillkürlich fragen, ob dieser Mensch wohl zu Deutschland gehört, wenn sie einer muslimisch aussehenden Person begegnen.

Und sie führt dazu, dass selbst deutsche Muslime sich ausgeschlossen fühlen. Obwohl sie es nicht mal nötig haben, sich zu integrieren, denn viele von ihnen sind hier geboren und aufgewachsen, sie sind: ganz normale Deutsche.

Die Diskussion spaltet deshalb unsere Gesellschaft.

Der einzige Grund für Seehofers Äußerungen sind die anstehenden Landtagswahlen in Bayern und ein bisschen Eigenwerbung für sein neues Amt als Heimatminister. Das ist berechenbar, niederträchtig. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass wir nicht in fünf, zehn oder zwanzig Jahren wieder darüber diskutieren müssen. Der Wunsch mag naiv sein.

Doch zumindest gibt es einen Hoffnungsschimmer: die jungen Deutschen.

In einer aktuellen Forsa-Umfrage sagten drei Viertel der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren: Ja, der Islam gehört zu Deutschland.

Andere Bevölkerungsgruppen sind wesentlich skeptischer. Insgesamt glaubt der Umfrage zufolge rund die Hälfte der Deutschen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. (ntv)

Die klare Haltung der jungen Deutschen ergibt Sinn. Schließlich ist unter ihnen die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund besonders hoch. 2015 hatte gut ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren ausländische Wurzeln (bpb). Je älter die Bevölkerung, desto weniger ausländische Einflüsse finden sich.

Muslime unter den Freunden? Das ist für die deutsche Jugend also längst normal.

Auch deswegen ist die elendige Debatte für sie wohl kein ernsthaftes Thema mehr. Es wird höchste Zeit, dass das auch die Generation von Seehofer und Dobrindt versteht.


Gerechtigkeit

Mit diesen absurden "Beweisen" leugnen zwei AfD-Redner den Klimawandel
Man müsse nur nach Bayern schauen.

Seit zwei Tagen führt der Bundestag eine Generaldebatte. Zum Start der neuen Regierung stellen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister ihre politischen Ziele vor, die Opposition darf darauf antworten.

Die AfD ist die stärkste Oppositionskraft im Bundestag – und antwortet daher immer zuerst auf die Beiträge der Regierung. Am Freitag stellte die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze ihr Programm zum Klimaschutz vor.

Die AfD nahm es zum Anlass, den Klimawandel einfach mal grundsätzlich zu leugnen – mit absurden Belegen.