Bild: @mxsxxd/Instagram
Eine Aktivistin ist frei, sechs wurden festgenommen.

Der Schnee liegt in den Bäumen von Teheran und sammelt sich am Straßenrand. Eine junge Frau klettert auf einen Sicherungskasten, ihr braunes, langes Haar fällt über ihre Schultern. Das Tuch, das normalerweise ihren Kopf bedecken würde, hat sie an einem Stock befestigt, es ist weiß. Jetzt weht es im Wind, wie eine Fahne.

Die Botschaft ist still, aber unmissverständlich: Ich werde selbst bestimmen, ob ich ein Kopftuch tragen will oder nicht. 

Fünf weitere Frauen tun es ihr an diesem Tag gleich, mindestens. Bilder von ihnen verbreiten sich über Twitter. 

Nach Angaben von Augenzeugen wurden die sechs Frauen mittlerweile festgenommen. (FAZ)

Sie sind nicht die ersten: Bereits im Dezember wurde eine Aktivistin inhaftiert, weil sie an eben jener Stelle in Teheran ein weißes Kopftuch als Fahne des Protests schwenkte. Ein Video davon kursierte kurz darauf im Netz, das Bild wurde zum Symbol der anhaltenden Proteste gegen das religiöse Regime. (bento)

Im Iran müssen Frauen und Mädchen ab einem Alter von neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Das ist seit fast 40 Jahren Gesetz – genauso lang aber sind die meisten Frauen dagegen. Vor der Iranischen Revolution 1979 war es Frauen hingegen verboten, Kopftücher zu tragen. 

Das Video der ersten Kopftuchaktivistin entstand offenbar am "White Wednesday" in Teheran. Der "White Wednesday" war bisher vor allem eine Internet-Aktion, gestartet im Mai 2017 von Masih Alinejad und ihrer Gruppe "My Stealthy Freedom". Kopftuch-Gegnerinnen sammeln Fotos von Frauen in weiß oder mit weißem Kopftuch als Zeichen des Protests.


Symbol of Iranian women's resistance, Free her

LE FRANÇAIS SUIT... فيلم جديد را ببينيم و اين دختر را تنها نگذاريم. كاش در تمام تجمع ها و راهپيمايي زنان را حاميان قوي داشتند تا مثل اين زن تنها و يكه مجبور نشوند نمادِ اجبار را دور بياندازند. On Wednesday Iran's police chief said if a woman's headscarf falls off “accidentally” the women will not be arrested but sent to educational classes. In Today’s Iran no one takes off their headscarves accidentally. As you can see in this video a young woman standing on a plinth in the middle of a busy street without her headscarf and waving a white shawl has become the latest symbol of Iranian women’s struggle against compulsory hijab. Her brave act of defiance, as part of the #WhiteWednesdays campaign is a challenge to the authorities. The police of Iran arrested her on the same day when they promoted their so called moderation. Her fate remains unknown. This is the challenge for the authorities— the Iranian women are pushing for greater rights, far beyond token gestures by police chiefs. As for the brave protester, thousands of Iranian of women are demanding her release. The police are in a bind. #FreeHer #چهارشنبه_های_سفید #whitewednesdays Mercredi dernier le chef de la police iranienne a déclaré que si le voile d'une femme tombait "accidentellement" elle n'en serait plus mise en état d'arrestation mais devrait assister à des cours d'éducation [religieuse]. Dans l'Iran d'aujourd'hui, personne ne retire accidentellement son voile. Comme on peut le voir dans cette vidéo, la jeune femme juchée sur un piédestal au milieu d'une rue très fréquentée, debout non voilée et agitant un voile blanc est devenue le plus récent symbole du combat des iraniennes contre le voile obligatoire. Son action revendicatrice courageuse, dans le cadre de la campagne des Mercredis Blancs est un défi aux autorités. La police iranienne l'a arrêtée exactement le jour où elle a présenté son soi-disant assouplissement. Son sort reste inconnu. Voici le défi pour les autorités — les iraniennes poussent pour plus de droits, bien au-delà des gesticulations des chefs de la police. Quant à cette courageuse manifestante, des milliers d'iraniennes demandent sa libération. La police est dans une impasse. #FreeHer

Posted by ‎My Stealthy Freedom آزادی یواشکی زنان در ایران‎ on Friday, December 29, 2017

Laut der Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh handelt es sich bei der ersten Demonstrierenden um die 31-jährige Vida Movahed. Sie ist Mutter eines 20 Monate alten Kindes. Sotudehs Mann verkündete am Montag über Twitter, die Aktivistin sei mittlerweile freigekommen. (SPIEGEL ONLINE)

Die Bilder des Kopftuchprotest mischen sich in wiederkehrende Demonstrationen, bei denen Menschen in mehreren Städten des Landes vor allem Ende Dezember und Anfang Januar täglich auf die Straßen gingen. Zuerst ging es um steigende Lebensmittelpreise, später um alles, wofür die geistliche Führung im Land steht. 

Wir haben mit Reyhane gesprochen, die von Anfang an dabei war:

Momentan sind die Proteste etwas zum Erliegen gekommen. Am 11. Februar aber feiert das Regime 40 Jahre Iranische Revolution. Spätestens dann, sagt Reyhane, eine junge Restaurantbesitzerin aus Rascht, werden die Menschen wieder protestieren.


Gerechtigkeit

Erklärt: Warum sind die Kurden das größte staatenlose Volk der Erde?

Weltweit gibt es rund 30 Millionen Kurden. Seit dem Ende des ersten Weltkriegs und dem Zerfall des Osmanischen Reiches kämpfen sie für ihre Unabhängigkeit. Ein unabhängiger Staat Kurdistan existiert trotzdem nicht. 

Warum? 

Im 20. Jahrhundert haben die Türken mehr als eine Million Kurden in den Irak, den Iran und nach Syrien umgesiedelt. Ihre Sprache und Kultur wurden verbannt

Seit dem Syrienkrieg sind die Kurden und ihre Forderungen medial wieder in den Fokus gerückt – von den USA unterstützt als Helfer gegen den IS, von der Türkei gefürchtet als Terroristen im eigenen Land. 

Wie die Kurden in diese Lage kamen und wie ihre Chancen auf einen eigenen Staat stehen, seht ihr im Video.