Bild: dpa/Fars News Agency

Terroristen stürmen das iranische Parlament, zeitgleich schießen Bewaffnete beim berühmten Mausoleum von Ajatollah Khomeini um sich. An beiden Orten explodieren Sprengsätze, mehrere Menschen sterben. Die Taten vom Mittwoch sind der schlimmste Anschlag im Iran seit Jahren – die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamiert sie für sich.

Warum plötzlich dieser Angriff? Was ist über die Tat bekannt? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Was genau ist passiert?

In der iranischen Hauptstadt Teheran haben parallel sich zwei Anschläge ereignet:

  • Im Parlament schossen Männer um sich und sollen vorübergehend Geiseln genommen haben. Außerdem soll sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben. 
  • Am Mausoleum von Revolutionsführer Ajatollah Khomeini südlich der Stadt attackierten Bewaffnete ebenfalls Menschen. Auch hier sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft.

Insgesamt sollen acht Menschen ums Leben gekommen sein, weitere vier Attentäter sollen von Sicherheitskräften getötet worden sein (SPIEGEL ONLINEBBC).

Die Angriffsziele sind von großer Bedeutung: Das Parlament ist das politische Herz des Landes und das Khomeini-Mausoleum das religiöse. Täglich pilgern Gläubige dorthin, um dem Gründer der Islamischen Republik zu gedenken und zu beten.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Der IS hat sich zu beiden Taten bekannt – und zum Beweis ein Handyvideo auf seinen Kanälen hochgeladen, dass die Angreifer im Parlament zeigen soll.

Ob die Terrormiliz wirklich hinter der Tat steht, ist unklar. Der IS bekennt sich oft zu Anschlägen, die Terroristen ausführen – auch wenn er an der Planung gar nicht beteiligt war. 

Dass die Miliz dahintersteckt, ist dennoch wahrscheinlich: Der IS ist eine sunnitische Terrorgruppe, Schiiten betrachtet er als Feinde. Der Iran ist schiitisch geprägt und kämpft mit eigenen Soldaten im Irak und Syrien gegen den IS. Bereits in der Vergangenheit hatte der IS daher mit Anschlägen auch im Iran gedroht.

Über den Unterschied von Sunniten und Schiiten

Ursprünglich war die Spaltung nur politisch: Sunniten waren die Weggefährten des Propheten Muhammad, Schiiten waren die Anhänger seines Enkels Ali. Über die Frage, wer nach Muhammads Tod die muslimische Gemeinschaft anführen darf, entbrannte ein blutiger Krieg.

Heute sind Schiiten und Sunniten auch religiös gespalten: Beide Seiten sind Muslime, leben den Islam aber leicht unterschiedlich. Das sorgt für neue Spannungen – jede Seite behauptet, den einzig richtigen Islam zu leben.

Der Iran gilt als Schutzmacht der Schiiten, Saudi-Arabien beansprucht die Hoheit der Sunniten. Sie schüren Konflikte in Ländern, wo beide Konfessionen leben – zum Beispiel im Irak, in Syrien und im Jemen.

Was steckt noch dahinter?

Der Angriff kommt mitten in eine große Krise am Golf. Seit Jahren sind Saudi-Arabien und der Iran zerstritten und ringen um die Macht in der Region. Erst am Dienstag sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir: "Iran muss für seine Einmischung und für seine Unterstützung von Terrorismus in der Region bestraft werden." (Al-Arabija)


Entsprechend vermutet der Iran nun auch saudische Drahtzieher hinter den Anschlägen. Auf den IS allein wollen sie die Taten nicht zurückführen. 

  • Saudi-Arabien wird selbst von religiösen Hardlinern geführt.
  • Im Land wird der Wahhabismus gelebt, eine besonders konservative Auslegung des Islam.
  • Viele Experten sehen im Wahhabismus eine der Wurzeln für den Islamismus.
  • Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten wird vorgeworfen, Gruppen wie den IS zu unterstützen.

Seit dem Wochenende wird das kleine Katar bereits in dem Konflikt zerrieben. Saudi-Arabien will es diplomatisch isolieren, weil es sich der saudischen Lesart widersetzt, den Iran zu isolieren. Bisher gelingt das ganz gut:

Die Anschlagsserie sorgt nun für noch mehr Spannungen in der ohnehin schon schwierigen Lage. 

Was die Lage auch verkompliziert: US-Präsident Donald Trump hat sich klar an die Seite Saudi-Arabiens gestellt. Das heizt den Konflikt mit Iran weiter an – und lässt den Hardlinern in Saudi-Arabien freie Hand.

Grün

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