Das trauen sich nur wenige.

Iran ist eine islamische Republik. Allerdings haben einige wenige religiöse Prediger das Land seit Jahren in der Hand. An der Spitze steht Ajatollah Ali Khamenei. Der 78-Jährige führt den Iran mit harter Hand und hat genügend Macht, um in Politik, Wirtschaft und im Militär durchzugreifen.

Viele junge Iraner sagen: Khamenei und seine religiösen Hardliner sprechen längst nicht mehr für uns. Die Mehrheit der Iraner ist unter 30 Jahre alt (Iran Census, PDF). Ihre Lebenswirklichkeit hat mit den strengen Ansichten des islamischen Wächterrats nur noch wenig zu tun.

Nun hielt eine Studentin vor Ali Khamenei eine mutige Rede – und kritisierte den "Obersten Führer" mit deutlichen Worten.

Sahar Mehrabi nahm an einem Treffen zwischen Khamenei und mehreren Studenten aus verschiedenen Landesteilen teil. Diese Treffen werden regelmäßig während des islamischen Fastenmonats Ramadan gehalten, meistens geht es um Tugendhaftigkeit und Religiosität. 

Politik in Iran

Der Iran nennt sich selbst Islamische Republik – und ist eine Mischform aus Gottesstaat und Demokratie. Ein Präsident wird zwar gewählt, er ist aber vom sogenannten Wächterrat abhängig. In diesem Gremium sitzen Juristen und geistliche Führer.

Noch über dem Präsidenten steht der geistige Führer, aktuell Ayatollah Ali Khamenei. Er bestimmt die Hälfte des Wächterrates, ernennt den Präsidenten und befehligt die Streitkräfte. Bei ihm liegt also die größte Macht.

Ihm untersteht auch die Pasdaran genannte Revolutionsgarde. Die Miliz schikaniert jeden, der sich nicht an die strengen Regeln hält.

Doch Sahar wollte mit Khamenei lieber über Probleme reden, um die sich die iranische Regierung kümmern sollte.

Ihre Wutrede kam so gut an, dass viele iranische Zeitungen wie die liberale "Mardomsalari" sie am Dienstag druckten. Auch iranische Online-Medien wie "Ensaf News" veröffentlichten die Rede. Doch im Laufe des Dienstags waren einige Seiten nicht mehr aufrufbar, bento konnte einige vorab einsehen. Offenbar wurden Beiträge gelöscht oder zensiert, um die Rede nicht zu verbreiten.

(Bild: Screenshot bento)

Was hatte Sahar Mehrabi zu sagen?

Im Iran gebe es "eine Vielzahl an Krisen", sagte sie. Vor allem die "systematische Ungleichheit", die Probleme mit den Slums und die Umweltprobleme müssten dringend gelöst werden. 

Weiterhin fänden viele junge Iraner keine Jobs, beklagte Sahar, Minderheiten würden zudem benachteiligt. Und mit Blick auf den harschen Polizeistaat sagte sie: Irans Beamte und Richter "fabrizieren Sicherheitsfälle auf eine wahnhafte Art", um Aktivisten mundtot zu machen.

Direkt an Khamenei gerichtet, fragte sie:

Ihre Exzellenz, welche Antwort haben Sie auf all die Fragen, Kritik und Proteste?

Die Antwort lieferte sie dann gleich selbst: Iran brauche mehr Demokratie.

Und wie reagierte Khamenei?

Er gab ihr recht, ein bisschen zumindest. Beim Treffen am Montag sagte er, dass Iran tatsächlich einigen Problemen gegenüberstehe. "Diese Probleme zu beseitigen, ist nicht leicht", sagte Khamenei laut iranischen Medien. Um sie zu bewältigen, müssten sich mehr junge Iranerinnen und Iraner in der Politik engagieren. (ISNA)

Auf Twitter schrieb er, er verstehe ihre Gefühle – sehe es aber nicht so eng. 

Khamenei sagte aber überraschend auch: 

Damit eine Gesellschaft wachsen kann, muss Meinungsfreiheit herrschen.

Die Antwort überrascht – denn die religiösen Hardliner um Khamenei wollen genau das eigentlich nicht. 

Während Reformer den Iran öffnen wollen und darauf hoffen, dass das Atomabkommen mit dem Westen weiter besteht, setzen die Kleriker auf einen starken Staat nach islamischen Regeln. Und dazu gehört ihrer Meinung nach auch, Kleidungsvorschriften für Frauen festzulegen und Proteste zu ersticken.

Erst Ende vergangenen Jahres hatten viele junge Iraner gegen das Regime demonstriert. Die Wut hatte sie auf die Straße getrieben, Sicherheitskräfte schlugen die Aufstände nieder. (Mehr zu den Protesten bei bento)


Style

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