Echt jetzt, Ajatollah?

Im Iran wenden sich immer mehr junge Menschen vom alten Regime ab. Sie wollen ihr Leben nicht von religiösen Hardlinern bestimmen lassen, erst vor wenigen Monaten kam es zu blutigen Protesten im Land. (bento)

Nun versucht das iranische Regime mit bunten Emojis die Wogen zu glätten. Doch diese zeigen nur noch mehr die zynische Haltung der Hardliner.

Es geht um den Nachrichtendienst "Soroush". Die Messenger-App wird derzeit im Iran verbreitet, vor allem, weil andere Dienste wie Telegram abgelehnt werden (Fararu). Über Telegram hatten sich junge Iraner organisiert, sie tauschten Fotos und Videos vom Widerstand gegen die Polizei aus. (bento)

Das vom Regime empfohlene "Soroush" soll nun eine Gegenwirklichkeit schaffen – inklusive fragwürdiger Emojis.

Auf der Homepage wirbt das Unternehmen mit Blümchen und freundlicher Optik.

Doch im Messenger selbst geht es weniger freundlich zu. Die Nutzer können kleine verhüllte Frauen auswählen. Diese halten radikale politische Botschaften hoch – unter anderem "Nieder mit Israel" oder "Nieder mit den USA". Ein anderes Emoji-Mädchen hält ein Bild von Ajatollah Ali Khamenei hoch.

So sehen die Emojis aus:

"Soroush" heißt übersetzt "Stimme des Gewissens". Es zeigt, wie die religiösen Hardliner die Kontrolle über ihr Land behalten wollen – und der Jugend vorschreiben wollen, wie sie zu kommunizieren haben.

Das funktioniert aber nicht mehr. Die Mehrheit der Iraner ist unter 30 Jahren (Iran Census, PDF). Ihre Lebenswirklichkeit hat mit den strengen Ansichten des islamischen Wächterrats nur noch wenig gemein.

Politik in Iran

Der Iran nennt sich selbst Islamische Republik – und ist eine Mischform aus Gottesstaat und Demokratie. Ein Präsident wird zwar gewählt, er ist aber vom sogenannten Wächterrat abhängig. In diesem Gremium sitzen Juristen und geistliche Führer.

Noch über dem Präsidenten steht der geistige Führer, aktuell Ayatollah Ali Khamenei. Er bestimmt die Hälfte des Wächterrates, ernennt den Präsidenten und befehligt die Streitkräfte. Bei ihm liegt also die größte Macht.

Ihm untersteht auch die Pasdaran genannte Revolutionsgarde. Die Miliz schikaniert jeden, der sich nicht an die strengen Regeln hält.

Ein komplett staatlich kontrolliertes Netz gibt es allerdings nicht: Die Regierung von Präsident Hassan Ruhani ist gegen das Verbot von westlichen Messengern. Jeder solle selbst entscheiden, welche App er nutzen will, heißt es.

Die Religiösen machen dennoch Werbung für die neue "Soroush"-App. Laut dem Staatssender IRIB habe Khameinei seinen Telegram-Account gelöscht – und ganz viele Nutzer würden ihm nun zum neuen Portal folgen. Unabhängig von der Frage, wieso der Hardliner überhaupt auf dem angeblich verbotenen Telegram unterwegs war: Wie erfolgreich "Soroush" tatsächlich ist, lässt sich nicht sagen.

Iraner selbst sehen die App auf jeden Fall als Zeitdokument für das veraltete Regime:

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Österreichs Polizei geht jetzt radikal gegen die Identitären vor
Also betteln die Rechtsextremen um deutsche Hilfe.

Die Polizei in Österreich ermittelt gegen die rechtsextremen Identitären. Bereits am Donnerstag begannen erste Hausdurchsuchungen in sechs Wohnungen und in vier Geschäfts- und Vereinslokalen – unter anderem in Graz, Wien und Linz. Das hat die Staatsanwaltschaft nun bestätigt. (Der Standard)

Der Grund? Es bestehe der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung und der "Verhetzung".

Das sagte der zuständige Staatsanwalt Christian Kroschl. Der Straftatbestand der "Verhetzung" entspricht in etwa der in Deutschland strafbaren Volksverhetzung. Es steht unter Strafe, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie oder ihres Glaubens anzugehen.