Bild: Majid Saeedi/Getty Images

Was ist passiert?

Die strengen Kleidervorschriften für Frauen im Iran werden gelockert. Die Polizei kündigte an, künftig in der Hauptstadt Teheran keine Frauen mehr festzunehmen, die gegen den islamischen Dresscode verstoßen.

Stattdessen müssten sie an sogenannten Aufklärungsklassen teilnehmen. Das berichtet die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim. Außerhalb der Hauptstadt würden allerdings weiterhin die alten Regeln gelten, wurde der örtliche Polizeichef zitiert. (Washington Post)

Warum ist das wichtig?

Seit knapp 40 Jahren müssen Mädchen ab neun Jahren im Iran in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und einen langen, weiten Mantel tragen. So sollen Haare und Körperkonturen verborgen werden. (Handelsblatt)

Viele Frauen hielten sich jedoch nicht daran. Immer wieder verstießen in letzter Zeit vor allem junge Frauen bewusst gegen die Vorschrift. Statt einer Verschleierung banden sie sich beispielsweise einen Schal über den Hinterkopf, als sei er bloß ein modisches Accessoire – obwohl die Sittenpolizei auf der Straße zunehmend Kontrollen durchführte.

Wurden sie erwischt, brachte die Polizei die Frauen meist in einen Polizeiauto und rief die Eltern an, damit diese Ersatzklamotten vorbeibringen. Anschließend mussten die Frauen ein Formular unterschreiben, in dem sie versicherten, nicht erneut gegen die Vorschriften zu verstoßen. Schlimmstenfalls drohte ihnen sogar eine Gefängnisstrafe.

Vorgeschrieben ist die Kleiderordnung vom sogenannten "Wächterrat", einer Gruppe von Geistlichen und Juristen, die Teil der Regierung sind. Der Koran, die Grundlage des islamischen Glaubens, beinhaltet hingegen kein direktes Kopftuchgebot. 

Der Iran

  • 1979 stürzten die Iraner in einer Revolution den autokratisch regierenden Schah – seitdem ist das Land eine islamische Republik. Bestimmt wird Politik und Wirtschaft des Landes vom Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei.
  • Mit den USA gab es viele Jahre keine diplomatischen Beziehungen. Mit dem Atomabkommen gelingt jedoch seit Anfang 2016 wieder eine Annäherung – dies gilt als großer Erfolg des Präsidenten Hassan Rouhani.
  • Dennoch: Frauenrechte bleiben im Land weiter eingeschränkt, Geheimdienste und Polizisten kontrollieren die Gesellschaft. 2016 gab es 567 Hinrichtungen, im Vorjahr knapp 1000 (Al-Jazeera).

Wie geht es weiter?

Ob die neue gelockerte Regelung wirklich angewendet wird, ist nicht ganz klar. Zwar haben die Iraner im Mai wieder Hassan Rouhani zum Präsidenten gewählt, der sich für eine Modernisierung des Landes einsetzt. Allerdings werden vor allem die Sicherheitskräfte immer noch von konservativen Hardlinern dominiert. Sie sind gegen die Lockerung der Kleidervorschriften.

Auch Männer kämpfen für die Rechte der Frauen in Iran:


Gerechtigkeit

Viele Schweizer wollen ihre Rundfunkgebühren abschaffen – und spalten damit das Land

17,50 Euro. Jeden Monat. Der Rundfunkbeitrag gehört zu den wohl umstrittensten Gebühren in Deutschland. Immer wieder gibt es die Forderung, die Gebühr abzuschaffen. Die Frage, ob der Rundfunkbeitrag überhaupt noch rechtens ist, beschäftigt aktuell sogar den Bundesgerichtshof. Mit einer Entscheidung dürfte in naher Zukunft aber nicht zu rechnen sein. (n-tv)

Anders dagegen sieht es in der Schweiz aus. 

Denn dort will eine Gruppe Jungpolitiker genau das: Den Beitrag für den Schweizer Rundfunk (SRG) abschaffen. Möglichst schnell. Und deshalb haben sie eine Initiative lanciert, sie heißt "No Billag".