Die Behörden gehen gegen Instagrammer vor

In Iran sind mehrere Models wegen angeblich "unislamischer" Fotos verhaftet worden. Konkret soll es um acht Verhaftungen gehen, berichtet die iranische Plattform Khabar Online. Die Models sollen auf Instagram Fotos ohne Kopftuch gepostet haben – das aber ist in Iran vorgeschrieben.

Hinter der Verhaftung steckt das Gericht für Cyberkriminalität. Zwei Jahre lang habe es verdeckt im Netz ermittelt, um "unislamische" Models zu identifizieren, sagte der Vorsitzende des Gerichts, Dschawad Babaje, laut der iranischen Nachrichtenagentur Irib. Bei den Ermittlungen wurden 170 Verdächtige ausgemacht: Fotografen, Visagisten, Models und Manager von Modehäusern. Die Operation trug demnach den Codenamen Spinne II.

Um welche Bilder geht es? Beispiele in der Fotostrecke:
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Was genau wirft das Gericht den Models vor?

Der Gerichtsvorsitzende Babaje sagte, die Festgenommenen hätten sich der "Verbreitung unmoralischer Inhalte und einer antiislamischen Kultur" schuldig gemacht. In Iran ist es Frauen seit der islamischen Revolution 1979 verboten, sich ohne Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Viele Iranerinnen reizen dieses Verbot im Alltag ständig aus: Anstatt einer Verschleierung binden sie sich einen Schal um den Hinterkopf, als sei er bloßes modisches Accessoire. Genau diese Haltung ging nun wohl dem Gericht zu weit.

Wieso wurde ausgerechnet im Netz Jagd gemacht?

Der Iran verhält sich im Umgang mit seinen eigenen Gesetzen ziemlich schizophren: Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Twitter sind offiziell verboten. Gleichzeitig scharen selbst Staatschef Hassan Rouhani und der oberste geistliche Führer Ajatollah Khamenei Hunderttausende Follower auf den Plattformen um sich. Mehrere Instagram-Accounts versuchen, die Schönheit des Iran zu zeigen.

Da die Netzwerke gleichzeitig beliebt wie verboten sind, fiel es der Cyberpolizei offenbar leicht, die Accounts prominenter Models auszuspionieren. Laut "The Telegraph" geht es unter anderem um die Frauen Melikaa Zamani und Elnaz Golrokh und auch das Männermodel Hamid Fadaei. Der Instagram-Account von Zamani scheint zwischenzeitlich von der mit dem iranischen Staat kooperierenden Hackergruppe Ashiyane lahmgelegt. Andere Accounts sind mittlerweile auf privat geschaltet oder wurden ihrer Inhalte bereinigt.

Golrokh und Fadaei sind vorerst sicher – sie leben derzeit nicht in Iran.

Was passiert jetzt?

Ob und welche Strafe verhängt wird, wird sich zeigen. Im iranischen Staatsfernsehen hatte sich ein Model, Elham Arab, bereits reuig gezeigt. Vor laufenden Kameras sagte sie, ihre Modelkarriere sei ein "Fehler" gewesen ("The Telegraph").

Ihre Kolleginnen und Kollegen könnten es ihr vermutlich gleich tun und so um eine Gerichtsverhandlung herumkommen. Die Verhaftung, sie wäre dann vor allem ein iranischer Medienzirkus gewesen. Zumindest die angeblich reuige Elham Arab ist dort weiter aktiv. Auch ohne Kopftuch.


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