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5 Fakten zur kleinen Revolution

Frauen dürfen in Iran nicht überall eigene Entscheidungen treffen. Seit ganzen 37 Jahren ist ihnen verboten, Fußball-Spiele im Stadion anzuschauen – damit sie vor der angeblich maskulinen Atmosphäre auf den Tribünen, also grölenden Männern, geschützt werden können, heißt es zu Begründung.

Das Stadion-Verbot haben sich Geistliche ausgedacht, die in Iran die Geschicke von Politik und Gesellschaft leiten. Iranerinnen selbst wurden nicht gefragt. Nun aber könnte das absurde Verbot ein Ende finden.

Irans Präsident Hassan Ruhani hat das Sportministerium angewiesen, Frauen in "angemessenem Maße" Zugang zu Stadien zu gewähren.

Was heißt das konkret? 5 Fakten zur Lage:

  1. Das Stadion-Verbot galt seit 1981, damals saßen Frauen und Männer letztmals im Azadi-Stadions nebeneinander.
  2. Zwei Jahre zuvor war Iran nach einer Revolution in eine islamische Republik verwandelt worden, ein religiöser Wächterrat begann damit, Frauenrechte immer weiter einzuschränken.
  3. Doch seit einigen Jahren bröckeln die Maßnahmen, mehr und mehr junge Iranerinnen und Iraner begehren auf.
  4. Im Juni durften erstmals Frauen ausnahmsweise zum Public Viewing zu einem WM-Spiel ins Stadion (bento).
  5. Nun hat Präsident Ruhani dem Sportminister Massud Soltanifar geschrieben – und die Aufhebung des Verbots veranlasst. Das meldete die iranische Nachrichtenagentur Insa. (Meldung, auf Persisch)

Wie geht es weiter?

Ruhani argumentiert im Brief für eine Lockerung des Verbots. Das Sportministerium wird nun wohl exklusive Tribünen für Frauen und Familien planen. Damit kommt die Regierung dem religiösen Wächterrat entgegen. 

Die alten Kleriker sind die heimlichen Machthaber im Land, besitzen gegenüber dem Präsidenten viel Macht. Aber auch sie merken, dass sie nicht mehr für die Mehrheit der Bevölkerung sprechen. Die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen hat mit den strengen Ansichten des erzkonservativen Kleriker nur noch wenig gemein. (Iran Census, PDF)

Entsprechend sagte bereits ein Sprecher des Wächterrats, dass ein "absolutes Verbot" nicht länger rational sei. Die Religiösen folgen also höchstwahrscheinlich den Vorschlägen der Regierung des Reformers Ruhani.

Mit Material von dpa


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