Dieses Mal hat Apple den Bogen endgültig überspannt: 1149 Euro für ein Smartphone. Damit ist das iPhone X ein Symbol dafür, dass wir bei unserem Konsum das richtige Maß verloren haben. 

Es ist schwer zu rechtfertigen, dass ein Teil der Weltbevölkerung bereit ist, mehr Geld für ein animiertes Kack-Emoji auszugeben, als andere im Monat zur Verfügung haben. 

Gleichzeitig führt die Gier nach solchen Produkte zu einem immer stärkeren Raubbau an Mensch und Natur: Kinder schürfen in Minen nach Rohstoffen und Arbeiter schrauben in 16-Stunden-Schichten Produkte zusammen, die sie sich niemals werden leisten können. 

Ich bin für eine radikale Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 50 Prozent für Luxusgüter. Sie könnte dieser Entwicklung entgegen wirken und neue Chancen eröffnen.

Auch wenn viele Wähler so etwas sicher ablehnen würden, ist eine Änderung unseres Konsumverhaltens unvermeidbar – denn die wachsende Ungleichheit ist nicht unser einziges Problem: Laut dem Global Footprint Network verbrauchen wir jedes Jahr die Rohstoffe von 1,7 Erden. (SWR)

Dass diese Rechnung nicht aufgeht, dafür müssen wir nicht einmal unseren Smartphone-Taschenrechner bemühen. Bald ist einfach nichts mehr von der Erde übrig.

Wie sollte so eine Steuer funktionieren? 

Österreich besteuerte in den 90ern teure Autos und Wohnungen zusätzlich. Man könnte also bestimmte Arten von Produkten und Preisklassen als "Luxus" definieren. In Dänemark werden Dinge wie Autos, Zigaretten und Alkohol mit bis zu 100 Prozent besteuert. (FES)

Eine radikal höhere Mehrwertsteuer greift da, wo es den meisten Menschen wehtut: im Geldbeutel. Eine höhere Besteuerung bestimmter Produkte erschwert es uns, immer mehr Geld für immer mehr Waren auszugeben. Gleichzeitig können die Mehreinnahmen in das Gemeinwohl investiert werden, sodass langfristig mehr Menschen die Chance haben am Wohlstand teilzuhaben. (Wiwo)

Man könnte das Geld zum Beispiel, so wie das Vorbild Dänemark, in Schulen investieren: Klassenräume ohne Overhead-Projektor, wie es sie in ärmeren Gegenden Deutschlands tatsächlich gibt, würden der Vergangenheit angehören. Auch Kinder aus sogenannten sozialen Brennpunkten bekämen neue Chancen, wenn man mehr Geld für ihre Förderung zur Verfügung hätte. (FR)

Eine Luxussteuer in Deutschland könnte auch für andere europäische Staaten zum Vorbild werden. Sinkt die Nachfrage nach Luxusprodukten dadurch in ganz Europa, verringert sich dadurch der Bedarf an Rohstoffen und Ausbeutungsbetrieben - schließlich werden Produkte wie das iPhone oft in Schwellen- und Entwicklungsländern produziert, in denen die Arbeitsbedingungen nicht selten sehr schlecht sind. 

Stattdessen könnten die Einnahmen aus der Luxussteuer auch zur Finanzierung von Bildungsprojekten in eben diesen Ländern genutzt werden und auch hier mehr Chancen auf ein besseres Leben ermöglichen.

All das wäre kein schlechter Tausch für ein Prestigeobjekt aus Glas und Metall.

Auch wenn einige den Luxussteuersatz als Eingriff in ihre Shopping-Freiheit sehen, empfinde ich ihn als notwendig. 

Gleichzeitig sollten lebensnotwendige Waren wie Lebensmittel und Medikamente ganz von der Mehrwertsteuer ausgenommen werden. Menschen mit niedrigem Einkommen würden so entlastet. 

Wenn wir unser Konsumverhalten nicht radikal ändern, um unseren Planeten zu schonen, wird es in einigen Jahrzehnten keine iPhones mehr geben – und das aus ganz anderen Gründen als mangelnder Nachfrage. 


Today

Ein FDP-Typ will Wählern Geld zahlen – wenn sie für ihn stimmen

Jörg Schnurre ist FDP-Mitglied in Sachsen-Anhalt und möchte am 24. September gerne in den Bundestag einziehen. Damit das klappt, hatte er eine ganz besondere Idee, um Wähler von sich zu überzeugen: Er verspricht ihnen einfach Geld!

Auf einem Flyer, der am Donnerstag bei Reddit auftauchte, bietet Schnurre Geld gegen Kreuzchen: "Wenn ich in den Bundestag gewählt werde, dann bekommst Du mit dieser Karte 2 Euro von mir geschenkt. Einfach so." Für weitere Aktionen – einen Bürobesuch, ein Insta-Post – gibt es je einen weiteren Euro. 

Schnurre hat die Wahl wie ein Handygame gestaltet: Neues Level, neue Moneten.