Bild: dpa/Carmen Jaspersen

Ende November 2016 blicken Carli Lloyd, Becky Sauerbrunn, Christen Press und Morgan Brian mit ernsten Gesichtern in die Kamera. Sie sind die Heldinnen der amerikanischen Frauen-Fußballnationalmannschaft. Mit einem vierstimmigen "Yes" antworten sie auf die Frage, ob ein Streik möglich wäre, wenn sie nicht den gleichen Lohn bekommen. Das ganze Team ist bereit, ein Spiel oder mehrere zu verweigern.

Das ist Geschichtsschreibung, was wir hier machen, wofür wir kämpfen. Das ist nicht nur für dieses Team und für die Generationen, die danach kommen werden, dieser Kampf ist auch global.
Carli Lloyd, Kapitänin

Die Frauennationalmannschaft der USA ist die Nummer eins der Fifa-Weltrangliste. Sie haben viermal olympisches Gold und drei WM-Titel gewonnen. Damit sind sie wesentlich erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen, die gerade mal Platz 29 belegen.

Und trotzdem: Die Männer verdienen deutlich mehr.

Die Frauen versuchen, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren: Sie fordern von ihrem Arbeitgeber, dem amerikanischen Fußballverband US Soccer, für die gleiche Arbeit das gleiche Gehalt.

Wie ist die aktuelle Lage?

Anfang April geht die neue Saison in den USA los – bis dahin muss eine Entscheidung her. Der Vertrag der Spielerinnen lief am 31. Dezember 2016 aus und bislang gibt es keinen neuen. Das Team versucht, beim Fußballverband US Soccer Verträge mit Lohngleichheit zu bekommen. Die Gespräche laufen, im Extremfall wollen die Damen streiken.

Hope Solo, Carli Lloyd, Megan Rapinoe, Alex Morgan und Becky Sauerbrunn haben am 31. März 2016 stellvertretend für die Mannschaft eine Beschwerde bei der Equal Employement Oppurtunity Commission eingereicht. Das ist eine US-Bundesbehörde, die Diskriminierung im Beruf verhindern soll. Sie kann Anklage zugunsten der US-Frauen erheben, Entschädigungssummen verlangen, oder auch nichts tun. Bisher ist keine Entscheidung gefallen. Wann ein Urteil gefällt wird, ist nicht bekannt.

Ein erster Protest: Der Vertrag verpflichtet im Normalfall die Frauen in der amerikanischen ersten Liga zu spielen. Da dieser derzeit nicht existiert, haben drei der bekanntesten Spielerinnen – Carli Lloyd, Alex Morgan und Heather O'Reilly – im Januar einen sechsmonatigen Vertrag bei Vereinen in Europa unterschrieben: Morgan bei Olympique Lyon, O'Reilly bei den Arsenal Ladies und Lloyd bei Manchester City. Auf Vereinsebene fließt im europäischen Frauenfußball nämlich mehr Geld.

Von wie viel Geld reden wir hier?

Ein Beispiel: Torhüterin Hope Solo hat im Frauen-WM-Jahr 2015 366.000 Dollar verdient. Das Gehalt bekommt sie vom Verband. Ihr Torhüterkollege Tim Howard bekam im WM-Jahr 2014 aber 398.000 Dollar. Howard hat nur acht Spiele bestritten, Solo hingegen 23. Er erhielt also pro Spiel mehr als das dreifache Gehalt von ihr.

Warum ist das so?

Den Männern wird unabhängig vom Ergebnis pro Freundschaftsspiel 5000 Dollar vom Verband gezahlt. Bei einem Sieg, bekommen sie einen Bonus von 8.166 Dollar. Die Frauen erhalten einen festen Jahreslohn. Für einen Großteil der Spielerinnen sind das 72.000 Dollar – also 3.600 Dollar pro Spiel. Zudem gibt es einen Siegbonus von 1.350 Dollar. Die Frauen verdienen bei einem gewonnen Spiel also weniger als die Männer bei einer Niederlage.

Unterschiede gibt es auch bei Reisen: Die Männer fliegen erste Klasse, die Frauen Economy.

Einziger Vorteil für die Frauen: US Soccer bezahlt den Mutterschaftsurlaub und die Krankenversicherung. Die Männer werden vom Verband nicht bezahlt, wenn sie verletzt sind.


Was sagt der Arbeitgeber?

Der Fußballverband US Soccer behauptet, der Unterschied in der Bezahlung sei auf gar keinen Fall vom Geschlecht abhängig. Mit den TV-Einnahmen der Männer würden sie mehr Gewinn machen, denn diese Spiele erreichen ein viermal so großes Publikum.

Stimmt das?

Der Verband kann das nicht wirklich aufschlüsseln: Er verkauft die Rechte der Frauen- und Männerspiele gebündelt an Sponsoren und TV-Sender. Aber: Den Zuschauerrekord bei einem im Fernsehen übertragenen Spiel halten die Frauen: 30 Millionen sahen das WM-Finale 2015.

Sunil Gulati, Präsident von US Soccer erklärte: "Ich habe keine Zweifel daran, dass wir zu einem gerechten Ergebnis mit den Spielern kommen. Da sind bis jetzt so viele Unterschiede in den Verträgen. All das wird Teil der Verhandlungen sein." Die Verhandlungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. (Sports Illustrated)

Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen: Die Frauen verdienen weniger, obwohl US Soccer durch den erneuten WM-Titel 2015 mit ihnen knapp 4,6 Millionen Dollar mehr Gewinn machte als mit den Männern. (New York Times)

Die Frauen haben einen nachweisbaren Grund, um das gleiche Gehalt zu fordern.

Was sagen die Männer?

Kommentare vom Männerteam sind rar. Die Frauen machten deutlich, dass der Kampf nicht unter dem Motto "Frauen gegen Männer" sondern "Frauen gegen den Verband" steht. "Sie haben einen Kampf zu kämpfen und sie sollten das tun", äußerte Tim Howard vor einem Jahr. (New York Times)

Teamkollege Alejandro Bedoya sagte im vergangenen Oktober: "Ich finde das 'Gleiche Bezahlung für gleiches Spiel-Argument fehlerhaft, weil das Sportgeschäft atypisch ist. Das Marketing, die Mediensponsoren, die Werbung – das überwiegt bei den Männern und solange sich das nicht ändert, sollte sich auch die Bezahlung nicht ändern." (New York Times)

Unsere Mission: Einen Deal zu bekommen, der unseren Marktwert fair wiedergibt.
Spielerin Megan Rapinoe
Wie stehen die Chancen?

Das Team hat im vergangenen Dezember seinen Anwalt gekündigt, der die Frauen bereits über längere Distanz in ihrem Kampf unterstütze. Seither finden wieder mehr Gespräche zwischen US Soccer und dem Team statt, jedoch war nicht mehr explizit von "Lohngleichheit" sondern nur von einem "fairen Gehalt" die Rede.

"Wir haben immer noch die gleiche Mission und die gleichen Ziele wie am Anfang", betonte Spielerin Megan Rapinoe. "Einen Deal zu bekommen, der die Arbeit, die wir auf und neben dem Platz machen und unseren Marktwert fair wiedergibt.“


Quellen:
  • The Match of their Lives (CBS News)
  • U.S. Women’s Team Restructures Union in Effort to Revive C.B.A. Talks (New York Times)
  • Pay Disparity in U.S. Soccer? It’s Complicated (New York Times)
  • How Much Less Are Female Soccer Players Paid? (New York Times)
  • Alex Morgan: ‘If Fifa start respecting the women’s game more, others will follow’ (Guardian)
  • The complete and updated USWNT CBA negotiation timeline (starsandstripesfc.com)

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