Am Hermannplatz im Berliner Stadtteil Neukölln ist es rappelvoll, die Straßen sind gesperrt, es gibt kein Durchkommen mehr. Rund 7000 Frauen und Männer protestieren hier bei der Demo des "Frauenkampftags" am Internationalen Frauentag für Gleichberechtigung, gegen Sexismus und gegen Rassismus.

Was treibt die Frauen hier an?

Wir haben Demonstrantinnen gefragt: Wann habt ihr euch aufgrund eures Geschlechts diskriminiert gefühlt? Was macht euch wütend und was macht euch stark?
Schirin, 32, Fotografin

Was mich nervt: Heute erst: Ich bin an Autos vorbeigegangen, die an einer roten Ampel hielten. Da dreht ein Typ die Scheibe runter, steckt den Kopf raus und brüllt irgendeine Anmache rüber. Ätzend.

Was mich stark macht: Zwei unangenehme Typen haben mich an der U-Bahn-Haltestelle ständig angeguckt, dann gecheckt, wo ich mich in der Bahn hinsetze und sich mir extra direkt gegenübergesetzt. Da habe ich kurz überlegt und gesagt: "Geht ihr bitte wieder raus?" Und die sind tatsächlich wieder aus der Bahn ausgestiegen! Das war Empowerment.

Pia, 20 Jahre alt, Veranstaltungstechnikerin
(Bild: Annika Leister)

Was mich nervt: Veranstaltungstechnik ist ein sexistischer Beruf, da laufen nur Cis-Typen rum. Diskriminiert wird man da ständig. Die nettere Version: Wenn alle Kram für dich tragen wollen, weil sie glauben, dass du zu schwach dafür bist. Die negative Version: Wenn du bei einem Praktikum im Theater ab Tag 1 nur "Mäuschen" genannt wirst.

Was mich stark macht: Wenn mein Geschlecht eine Rolle spielt, dann immer nur in negativer Form. Positiv ist, wenn es einfach keine Rolle spielt. Aber ich will das gar nicht "positiv" nennen – das sollte die Normalität sein.

In der Slideshow kannst du dir die Plakate der Demonstranten anschauen:
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Paula, 20, Tänzerin
(Bild: Annika Leister)

Was mich nervt: Ich habe einen guten Freund, mit dem ich immer wieder aneinander gerate. Wir haben ein Stück zusammen konzipiert und aufgeführt – und jede Szene, in der wir uns im Tanz nahe kamen, wollte er sofort mit klassischen Beziehungstiteln benennen wie "Ehe". Dabei könnte es alles andere auf der Welt sein. Von ihm bekomme ich auch immer wieder Komplimente, die sich bloß auf meine Weiblichkeit beziehen, wie: Du bist so süß, sexy, was auch immer. Er versteht nicht, warum mich das stört.

Was mich stark macht: In meinem Beruf habe ich das Gefühl, gleichgestellt zu sein. Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden im Tanz nicht gemacht.

Léonore, 22, Anthropologie-Studentin:
(Bild: Annika Leister)

Was mich nervt: Ich habe in einem Fahrradladen gearbeitet. Extra, um dort etwas über die Mechanik zu lernen. Aber ich durfte nicht. Bei zwei Versuchen ist der Kollege nach Sekunden eingeschritten und hat übernommen. Ich konnte es nicht mal ernsthaft probieren. Stattdessen sollte ich vorne hinter der Kasse stehen, weil ich "schön aussehe".

Was mich stark macht: Ich rede häufig mit Freundinnen über Feminismus und persönliche Erlebnisse. Oft stellen wir dann fest: "Ah, du hast das auch erlebt!" Es ist gut zu spüren, dass man nicht alleine ist – und etwas tun kann. Ich war bei einem Slut Walk in Genf, mit vielen Frauen und tollen Veranstaltungen. Das war ein sehr gutes Gefühl.

Michelle, 19, im Freiwilligen Sozialen Jahr
(Bild: Annika Leister)

Was mich nervt: Ich habe einen männlichen Vorgesetzten, der mir nichts zutraut. Wenn er da ist, darf ich mich nicht mit den Kindern auseinandersetzen – sondern bekomme Aufgaben wie putzen, saubermachen. Ein richtiges Klischee. Meine männlichen Kollegen machen dann noch Witze darüber.

Was mich stark macht: Ich habe hier auf der Demo gerade gute neue Leute kennengelernt. Und meine Familie unterstützt mich immer, in allem. Meine Mutter hat mich schon früh mit auf Demos genommen.

Karo, 30, Illustratorin und Comiczeichnerin
(Bild: Annika Leister)

Was mich nervt: Es war Silvester, drei oder vier Uhr. Viele Leute wollten grade nach Hause, die Bahn war völlig überfüllt. Da haben Grabscher die Situation hemmungslos ausgenutzt und Frauen betatscht. In der Bahn passiert sowas häufiger: Neulich hat mich einer ohne Pause von oben bis unten gemustert, sehr intensiv, sehr unangenehm. Ich hatte keinen Plan, was ich tun sollte.

Was mich stark macht: Ich gehöre zu einem Künstlerkollektiv, in dem nur Frauen sind. Wir heißen "Die goldene Künstlerfaust". Der Austausch dort gibt mir sehr viel Kraft.

Délia, 22, Tänzerin

Was mich nervt: Ich war in der Schule immer gut in Mathe. Aber sobald es schwieriger wurde, hat unser Lehrer automatisch nur mit den Jungs in der Klasse gesprochen. In der Familie macht sich der Unterschied bei meinem Onkel bemerkbar: Mit meinem älteren Bruder redet er ernsthaft über dessen Interessen – bei mir gibt es immer nur oberflächlichsten Smalltalk.

Was mich stark macht: Meine Mutter. Und ich bestärke sie. Früher hat sie sich sehr für Frauenrechte eingesetzt. Aber das ist irgendwann ein bisschen verloren gegangen. Jetzt, wo ich mich mit meinen Rechten beschäftige, interessiert sie sich auch wieder viel mehr für ihre.

Barbara, 32, Angestellte in der Tourismusbranche, aus Argentinien
(Bild: Annika Leister)

Was mich nervt: In meiner Heimat Argentinien ist Sexismus alltäglich. Dein Wert hängt von deinem Aussehen ab. Du wirst da rein geboren und hast viele, viele Jahre keine Ahnung, dass daran etwas nicht stimmt. Ich habe das erst vor Kurzem realisiert.

Besonders stört mich die Diskriminierung im Sport. Ich spiele Touch-Rugby, in einem gemischten Team. Ich bin eine der besten – aber trotzdem werde ich nicht auf die wichtigere Position im Mittelfeld gesetzt. Die bekommen automatisch immer nur die Männer. Ich muss explizit danach fragen. Es ist wie eine gläserne Decke im Sport.

Was mich stark macht: Ich habe viele männliche Freunde, die meine feministischen Reden immer unterstützen. Ein "Du kannst das nicht, weil du eine Frau bist" kommt da niemals vor.


Gerechtigkeit

Die USA haben heimlich Hunderte neue Soldaten nach Syrien geschickt

Einst wollten sich die USA aus dem Bürgerkrieg in Syrien heraushalten – jetzt haben sie ihre Spezialeinheiten im Land weiter aufgestockt. Einige Hundert Marines wurden in den vergangenen Monaten nach Syrien verlagert. Mit schwerer Artillerie sollen sie die Eroberung der Stadt Rakka unterstützen, dem Hauptquartier der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Die Spezialeinheiten wurden bereits unter Ex-Präsident Barack Obama im Oktober vergangenen Jahres losgeschickt. Ihre Entsendung wurde jetzt von Armeegenerälen gegenüber military.com bestätigt. Insgesamt befinden sich nun knapp 1000 US-Soldaten in Syrien.