Außen am Bus: ein Banner, das für sichere Abtreibung wirbt.
Im Bus: etwa 40 Aktivistinnen.
Vor dem Bus: Menschen, die brutale Bilder von toten Föten in die Luft halten.

Solche Szenen erleben die Mitglieder der Frauenrechtsgruppe ROSA in diesen Tagen häufig. Sie sind mit einer Mission unterwegs: Nirgendwo in Europa sind die Abtreibungsgesetze so scharf wie in Irland – das wollen sie ändern.

Drei Tage lang fahren sie mit einem Bus durchs Land, der über eine sichere Methode der Abtreibung aufklären soll. Unter dem Hashtag #Bus4Repeal posten sie Updates ihrer Reise.

"Repeal" (auf deutsch: widerrufen) bezieht sich auf den Zusatzartikel 8 der irischen Verfassung. Dieser verbietet Abtreibungen – es sei denn, das Leben der Schwangeren ist bedroht. Wenn Frauen trotzdem abtreiben, droht ihnen im schlimmsten Fall eine Haftstrafe von 14 Jahren (!) – zumindest laut Gesetz.

Bisher wurde noch nie eine Frau aufgrund dieses Gesetzes wegen einer illegalen Abtreibung angeklagt. "Selbst die Politik steht nicht hinter dem Gesetz, die Justiz drückt ein Auge zu", sagt ROSA-Aktivistin Rita Harrold zu bento. Sie ist der Meinung: "Die Politik steht unter großem öffentlichen Druck, etwas zu ändern."

Sogar die Uno hat das strikte Abtreibungsverbot schon kritisiert. Dort hieß es noch im vergangenen Jahr, das Gesetz sei inhuman (Zeit Online). Die Aktivistinnen wollen "the 8th", den Zusatzartikel 8, jetzt endlich loswerden.

So haben sich irische Frauen bereits gegen das Abtreibungsverbot zur Wehr gesetzt:
Aber immerhin etwas Positives...
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Um Abtreibungen durchführen zu lassen, reisen irische Frauen oft ins benachbarte Großbritannien (bento). Doch das ist teuer. Nicht jede Frau in dieser Situation kann sich das leisten. Daher suchen viele einen anderen Weg – die Abtreibungspille. Irland ist das einzige Land Europas, das die Pille verbietet.

"Etwa drei irische Frauen bestellen täglich Abtreibungspillen online", sagt Rita Harrold. Das ist natürlich illegal, wird aber nicht wirklich geahndet. Allerdings: Auf diese Art haben die Frauen keine Beratung und medizinische Betreuung. Und viele Frauen wissen nicht mal, dass es diese Möglichkeit gibt.

Was ist die Abtreibungspille?

Die Abtreibungspille Mifepriston enthält ein künstliches Hormon, das den Schwangerschaftshormonen entgegenwirkt. Der Embryo wird so von der Gebärmutter gelöst und stirbt. Im zweiten Schritt nimmt die Frau ein Medikament, welches den Körper dazu bringt, den Embryo auszuscheiden.

Das Mittel gilt als sehr sicher für Frauen (in 95 bis 98 Prozent der Fälle sei der Schwangerschaftsabbruch erfolgreich). Es ist seit 1999 in Deutschland zugelassen. (Techniker Krankenkasse)

In Deutschland ist die Pille nur direkt über Ärzte und Krankenhäuser erhältlich – nach Untersuchungen und Beratungsgesprächen.

Die Abtreibungspille ist nicht die Pille danach, die es in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke gibt und nach einer Verhütungspanne eine Schwangerschaft verhindern kann.

Daher will die Bus-Tour nun über die Abtreibungspille aufklären. ROSA kooperiert dabei mit der Organisation "Women on Web", einer Internet-Plattform, wo Frauen Hilfe bekommen und mit Ärzten über ihre Situation sprechen können.

Die Kampagne der Abtreibungs-Befürworter kommt nicht bei allen gut an. Im mehrheitlich römisch-katholischen Irland gibt es für das Abtreibungsverbot noch immer viel Zuspruch. "Eine Gruppe Abtreibungsgegner – hauptsächlich alte Männer mit Grusel-Plakaten – folgen uns seit Beginn unserer Kampagne", erzählt Rita.

Doch es gab auch viele positive Reaktionen. Wie hier in Limerick:

Im vergangenen Jahr hat die irische Regierung das schwierige Thema Abtreibung an eine Bürgerversammlung abgetreten. Diese soll das Abtreibungsgesetz überarbeiten und einen neuen Vorschlag an das Parlament übergeben. Doch die Debatten innerhalb der Bürgerversammlung deuten offenbar darauf hin, dass eine abgeschwächte Version des aktuellen Gesetzes entworfen wird – statt es komplett abzuschaffen, wie es ROSA fordert. (Irish Times)

Deshalb wollen irische Frauen am 8. März, dem internationalen Weltfrauentag, lautstark für ihre Selbstbestimmung eintreten.

Wenn der Bus am 8. März wieder in Dublin ankommt, wird sich die Gruppe den Protesten rund um den "March4Repeal", einer Großdemonstration gegen das Abtreibungsverbot, anschließen.

Hier erfährst du, was in Deutschland am Frauentag los ist:


Haha

Was Buchhändler machen, wenn ihnen langweilig ist

Man soll ein Buch nie nach seinem Cover beurteilen. Aber es ist auf jeden Fall okay, das Buchcover richtig in Szene zu setzen. Mitarbeiter der französischen Buchhandlung Mollat tun das ziemlich gekonnt.

Mollat ist Frankreichs älteste Buchhandlung, gegründet 1886 in Bordeaux. Auf Instagram kombinieren die Mitarbeiter Buchcover mit sich oder Besuchern – heraus kommen alberne, lustige, rätselhafte Bilder.