Bild: Instagram/Montage bento
#kalashnikov#yolo#nofilter

Der Politik wichtigste Waffe ist die Sprache. Und durch Social Media kann sie so direkt und wuchtig gehört werden wie nie zuvor: Was ein Politiker von sich ans Volk vermitteln will, postet er im Netz. Dabei ist es erst mal egal, ob es sich um den gewählten Kommunalpolitiker einer Demokratie handelt oder um den ins Amt geborenen Präsidenten einer Diktatur.

Noch besser, noch direkter als Sprache ist Bildsprache – und Instagram ist hier als Inszenierungskanal ideal. Der Politiker braucht keine Medien mehr, um sich darzustellen, er ist das Medium. Für Diktatoren eine herrliche Spielwiese: Sie zeigen ihre Waffen, sitzen zu Pferde oder knuddeln mit Kriegsveteranen. Alles für die Volksnähe.

Allerdings birgt das auch Gefahren: Einer Goebbels-Schnauze konnte das Volk nicht widersprechen, gegen Propaganda im Netz gibt's immerhin rasch einen Hashtag. Nicht jedem Diktator steht daher dieses Spiel mit Social Media: Weißrusslands Alexander Lukaschenko, der letzte Diktator Europas, lebt lieber offline. Und im Arabischen Frühling 2011 versuchte der ägyptische Herrscher Husni Mubarak das Netz gleich ganz zu sperren, um das Organisieren von Straßenprotesten zu verhindern ("New York Times").

Trotzdem gibt es die Autokraten, Diktatoren und Kriegsverbrecher, die vor Facebook und Instagram nicht zurückschrecken. Frei nach der Maxime: Was ich nicht zensieren kann, kann ich immerhin inszenieren. Die Bilder, die auf ihren Profilen auftauchen, zeugen dabei von ganz unterschiedlichen Strategien. Eine kleine Typologie.

Der Kardashian: Ramzan Kadyrow (39)
  • Unterdrückt: die Teilrepublik Tschetschenien seit 2007
  • Ins Amt gekommen: durch die große Güte seines Vorbildes Wladimir Putin
  • Bekannt für: seine paramilitärische Schlägertruppe Kadyrowzy und seine Partys
  • Sein Account: @kadyrov_95
  • Sein Stil: Waffen, Katzen, Muskeln und Wladimir Putin; dieser Mann ist ein lebendes Meme
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Was soll das? Kadyrow gilt als Marionette Russlands, das kleine Tschetschenien ist Teilrepublik Russlands. Früher galten die Russen als Besatzer, nach mehreren Kriegen hängen nun überall Plakate von Putin. Kadyrow trägt Putin-Shirts auf seinen Instagrambildern und ahmt den russischen Präsidenten auch sonst gerne nach: sei es beim Reiten, beim Kampfsport oder bei Oben-ohne-Posen.

Genau das ist die Agenda: Linientreue zu Russland zeigen. Das wird auch politisch umgesetzt: Oppositionelle verschwinden, Menschen werden gefoltert, die von der Kadyrow-Familie gegründete Einheit Kadyrowzy zieht mordend durch die Städte (arte TV).

Damit das alles nicht so schlimm wirkt, gibt's viel Lifestyle – kein Autokrat bespielt Instagram so souverän. Als Kadyrow einen Aufruf startete, nach seiner verschwundenen Katze zu suchen, jubelten alle. Und als sich der US-Comedian John Oliver darüber amüsierte, postete Kadyrow einfach auch ein Bild von ihm: Schaut, auch die Amis interessieren sich jetzt für meine Katze!


Der Cleane: Ajatollah Ali Khamenei (76)
  • Unterdrückt: den Iran seit 1989
  • Ins Amt gekommen: duch göttliche Fügung beziehungsweise Nachfolge von Ajatollah Ruhollah Khomeini
  • Bekannt für: Hinrichtungen, Unterdrückungen und ein Möchtegern-Papamobil
  • Sein Account: @khamenei_ir
  • Sein Stil: 50 Prozent Selfies, 30 Prozent Gebete, 20 Prozent Hände, die was hochhalten
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Was soll das? Kaum ein Account ist so widersprüchlich wie der von Ali Khamenei. Der Ajatollah (ein Gelehrtentitel, bedeutet übersetzt "Zeichen Gottes") führt den Iran mit harter Hand aus dem Hintergrund und gibt dem Volk seine Vorstellungen islamischen Rechts vor. Das ist vor allem streng durchdacht: Frauen müssen sich verhüllen, Partys finden nach Meinung der Regierung nicht statt. Auch soziale Netzwerke – das Internet, welch Sünde! – sind verboten.

Irans Jugend trägt das Tuch dennoch locker, trifft sich vor allem heimlich und pflegt trotzdem seine Instagram- und Twitter-Accounts. Wenn nun der Ajatollah selbst User wird, dann steckt darin eine sanfte Verbeugung vor dem Fortschritt: Die Führungsriege ignoriert ihre eigenen Verbote und ist selbst im Netz unterwegs (Irans Präsident Hassan Rouhani zum Beispiel bespielt seinen Twitter-Account mit Leidenschaft).

Das soll aber weniger zeigen, wie aufgeklärt die iranische Politik mittlerweile ist, sondern eher vorleben, wie tugendhaft das Netz doch bitteschön zu befüllen sei. Militärparaden und Gebetsposen sind demnach laut Khamenei okay – unverschleierte Modelfotos hingegen nicht.


Der Poser: Kim Jong Un (33)
  • Unterdrückt: Nordkorea seit 2011
  • Ins Amt gekommen: In Erbdiktatur seines Vaters Kim Jong Il seines Vaters Kim Il Sung
  • Bekannt für: Atomwaffentests, Misswirtschaft und den Hang, auf Dinge zu gucken
  • Sein Account: @official.kimjongun (Leider nicht offiziell bestätigt, aber mit echtem Material der nordkoreanischen Staatsagentur.)
  • Sein Stil: Ein bisschen Bond-Bösewicht meets Justin Bieber, eine Prise Berliner Mitte-Hipster und ab und zu Denis Rodman
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Was soll das? Die nordkoreanische Familie Kim war im Westen noch nie beliebt. Der Staat ist von der Weltgemeinschaft ziemlich isoliert, zeigt mit Atomwaffentests aber immer mal wieder sein Bedrohungspotenzial (bento). Mit dem Waffenkult und den Drohgebärden – vor allem gegen den Nachbarn Südkorea – will die Regierung von der gesellschaftlichen Schieflage im Land ablenken.

Die medizinische Versorgung im Land ist unzureichend, an Lebensmitteln mangelt es ständig. Immer wieder verschwinden Menschen, die dem Regime nicht passen. Eine freie Meinungsäußerung ist nicht möglich (Amnesty International). Die von der Staatsagentur KCNA verbreiteten Bilder sollen all das ungesehen machen: Kim Jong Un wird als Kümmerer und Menschenfreund gezeigt; hat Freunde im Westen (die er wie den Basketball-Profi Denis Rodman aber bezahlt) und alles im Blick. Das darbende Land scheint durch die Bilder bunt.


Der Streber: Abdel Fattah al-Sisi (61)
  • Unterdrückt: Ägypten seit 2013
  • Ins Amt gekommen: nach Militärputsch und anschließender Wahl, zu der keiner gehen wollte
  • Bekannt für: das größte Massaker seit Tiananmen und Foltergefängnisse
  • Sein Account: @alsisiofficial
  • Sein Stil: Hände schütteln, Minderheiten tätscheln und viel, viel (viel, viel, viel) Militär
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Was soll das? Ägypten ist ein sehr gläubiges Land und hatte nach dem Arabischen Frühling 2011 daher einen sehr gläubigen Präsidenten gewählt – den Muslimbruder Mohammed Mursi. Bis dato war Ägypten immer eine Militärdiktatur gewesen, wenige reiche Offiziere hatten das Land im Griff. Die Muslimbrüder unter Mursi dürften ähnlich autokratisch verfahren haben.

Dazu hatten sie aber keine Zeit: Al-Sisi, ein aufstrebender General, stürzte Mursi und übernahm die Regierung. Hunderte Muslimbrüder wurden in einem Massaker getötet, Tausende zu Todesstrafen verurteilt. Heute steht die ägyptische Wirtschaft kurz vor dem Bankrott und der "Islamische Staat" hat einen Ableger im Land gegründet. Al-Sisi muss, wenn ihn das Volk weiter Vertrauen schenken soll, jeden Tag aufs Neue den starken Mann geben, der das alles in irgendeiner fernen Zukunft geradebiegt. Der Account zeigt genau das.


Der PR-Profi: Bashar al-Assad
  • Unterdrückt: Syrien seit 2000
  • Ins Amt gekommen: als Nachfolge seines Vaters Hafiz; der ältere Bruder Basil starb bei einem Autounfall
  • Bekannt für: Spionage in Stasi-Tradition, Folter und den syrischen Bürgerkrieg
  • Sein Account: @syrianpresidency
  • Sein Stil: Eleganter Dressman, besorgter Bürger, dazu Bilder von Ehefrau Asma, die laut Vogue "magischste aller First Ladys"
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Was soll das? Assad hat Pressefotos, die ihn beim Wählen zeigen, beim Besuch von Forschungseinrichtungen und er teilt Bilder, die erfolgreiche syrische Sportler oder Wissenschaftler zeigen. Dazu gibt es Selfie-Momente und Nebenbei-Aufnahmen, nicht anders als PR-Fotos von Angela Merkel oder Barack Obama. Genau das ist das Ziel: Assad sieht sich als demokratisch gewählten Präsidenten, der sein Land gegen Rebellen verteidigt.

Vom Krieg und der Zerstörung, die fast ganz Syrien erfasst hat, gibt es auf Instagram daher nichts zu sehen. Die letzten intakten Viertel der Hauptstadt Damaskus müssen die vermeintliche Ordnung im Land symbolisieren. Die Wahrheit ist eine andere. Mehr als 400.000 Menschen kamen in den vergangenen fünf Jahren nach Recherchen von Menschenrechtsorganisationen ums Leben ("The Guardian"). Viele sind Opfer von Assads Armee, darunter knapp 13.000 Menschen, die in syrischen Foltergefängnissen gestorben sein sollen (Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte).


Gerechtigkeit

Wir ziehen jetzt unser Ding durch – das sollte Euch Angst machen
Eure Gier kotzt uns an. Ihr habt keine Argumente mehr.

Wir sind die Generation danach. Die Ypsiloner, die Krisenkinder. Wir finden in Euren Unternehmen keine Jobs mehr, obwohl wir hundertmal besser ausgebildet sind, als Ihr es in unserem Alter wart. Aber das macht nichts, deshalb bauen wir unsere eigenen. Bald dürft Ihr Praktika bei uns machen.

Warum das so kommen wird, erkläre ich Euch gerne.

Obwohl wir dank Studium und der exorbitanten Mieten in den Großstädten einen zentnerschweren Rucksack mit uns herumschleppen und schon 10k Schulden haben, bevor wir den ersten Umsatz machen, werdet Ihr keine Chance haben. Es liegt nicht an Euch. Es ist nichts Persönliches. Aber Euer System ist faulig, verludert, verdorben. Damit wird bald Schluss sein.