Für muslimische Frauen in Indien dauert das Ende ihrer Ehe manchmal nicht länger als eine WhatsApp-Nachricht. Beim Kochen, Einkaufen oder im Schlaf kann es passieren. Plötzlich sind sie geschieden – und können nichts dagegen tun.

Die weitreichende Nachricht besteht aus drei Wiederholungen eines Wortes: Talaq – arabisch für Scheidung. Indiens Recht erlaubt es Hindus, Christen und Muslimen bei Familienangelegenheiten religiöse Gesetze anzuwenden. Daraus abgeleitet wenden Moslems immer wieder auch die Praktik des Triple Talaq an: 

Männer müssen nur dreimal das Wort "Scheidung" in Anwesenheit eines Zeugen aussprechen, um sich rechtlich bindend von ihrer Ehefrau zu trennen. Manche taten das zuletzt auch übers Telefon, Skype, SMS oder eben bei WhatsApp. 

Betroffene und Frauenrechtsorganisationen kämpfen seit Jahrzehnten dagegen an. (Al Jazeera)

Jetzt endlich hat der oberste Gerichtshof entschieden: Die Instant-Scheidung ist verfassungswidrig.

Im vergangenen Jahr gab es erneut intensive Diskussion über das umstrittene Scheidungsverfahren, als die 35-jährige Shayara Bano, Mutter von zwei Kindern, bei dem Gericht Beschwerde einlegte. Ihr Mann hatte sich in einem Brief von ihr scheiden lassen, während sie für eine medizinische Behandlung ihre Eltern besuchte. Von einem Tag auf den anderen konnte sie ihn nicht mehr erreichen, auch der Kontakt zu ihren Kindern wurde ihr verwehrt.

Bano forderte, sowohl Triple Talaq als auch Halala und Polygamie zu verbieten – weil es Männern erlaube, ihre Ehefrauen wie Dinge zu behandeln. 

  • Halala bedeutet, dass eine Frau erst einen anderen Mann heiraten und mit ihm schlafen muss, bevor sie zu ihrem ersten Mann zurückkehren kann.
  • Muslime in Indien dürfen außerdem bis zu vier Ehefrauen haben.
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Überraschend ist, dass die Praktik überhaupt noch erlaubt ist. Sie wird weder in der Sharia – dem islamischen Gesetz – noch im Koran erwähnt und ist in 22 islamischen Ländern verboten – darunter auch in den muslimischen Nachbarländern Pakistan und Bangladesh.

Warum also kommt die Entscheidung des Gerichts gerade jetzt?

"Es war das erste Mal, dass eine muslimische Frau Beschwerde einlegte, weil sie der Auffassung war, ihre Grundrechte würden durch die Scheidung verletzt", erklärt der Anwalt Balaji Srinivasan. Befürworter argumentierten bisher, dass sich das Gericht nicht in religiöses Recht einmischen solle. (BBC)

Die Spannung zwischen Hindus und Moslems hat ohnehin zugenommen, seit die die hindunationalistische Partei BJP die Regierung stellt. Ein Eingriff in islamisches Recht könnte als weiterer Angriff seitens der Hindunationalisten gelten.

Für Frauen bedeutete das jedoch häufig, dass die religiösen Rechte ihrer Männer über ihren eigenen Grundrechten standen. Durch das Urteil ändert sich diese Auffassung nun grundlegend. Für viele ist das ein historischer Moment: "Wir, die muslimischen Frauen, haben Anspruch auf Gerechtigkeit von den Gerichten sowie dem Parlament", sagt Zakia Soman, Mitgründerin des Indian Muslim Women's Movement. (Zeit Online)

Ihre Organisation hatte bereits vor zehn Jahren eine Studie durchgeführt, nach der gut 78 Prozent der befragten und geschiedenen Frauen, Opfer von Triple Talaq geworden waren. Als Folge verarmen diese Frauen häufig, ihre Familien verstoßen sie, sie dürfen nicht zu ihren Kindern.

Wie geht es weiter?

Das Gericht fordert nun von der Regierung ein neues Gesetz. Dazu müssen Teile des islamischen Privatrechts geändert werden. 


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