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Wer wenig Geld hat, ist oft ausgeschlossen und kann an vielen Elementen des gemeinschaftlichen Lebens nicht teilnehmen. Eine traurige Wahrheit, die von etlichen Studien dokumentiert ist.

Doch ein indischer Bundesstaat möchte das nicht hinnehmen. Immer wieder überlegen sich die dortigen Politiker Wege, um den gesellschaftlichen Spalt zwischen Arm und Reich zu schließen.

Ihre neueste Idee ist allerdings umstritten.

Der Staat Tamil Nadu ist einer der reichsten des Landes. Das bedeutet auch, dass man sich dort eine gewisse Sozialpolitik leisten kann. Doch die Maßnahmen dort sind oft ungewöhnlich. So wurden bereits Laptops, Fahrräder und Ziegen an Bedürftige verteilt. Auch Hochzeitslocations und der dazugehörige Brautschmuck wurde vom Bundesstaat bezahlt, damit die Ärmeren genauso am Leben teilnehmen können, wie die Wohlhabenderen. (Guardian)

Nun hat Gesundheitsminister C. Vijaya Baskar angekündigt, armen Menschen auch Brust-OPs zu bezahlen. Eine staatliche Klinik bietet sowohl Vergrößerungen als auch Verkleinerungen an. Dabei soll es egal sein, aus welchen Gründen der Patient die OP wünscht – seien es Rückenschmerzen durch große Brüste oder geringes Selbstwertgefühl bei sehr kleinen. Außerdem richte sich das Angebot sowohl an Männer als auch an Frauen. 

Der Minister begründete das Angebot so: "Arme Menschen haben auch ein Recht darauf, schön auszusehen."

Also lieber OPs bezahlen, als gesellschaftlich daran zu arbeiten, dass sich jeder Mensch sich schön fühlen kann – so wie er ist ? 

Nicht ganz. Der Gesundheitsminister beobachtet offenbar einen Trend: In Indien entscheiden sich immer mehr Menschen für Schönheits-OPs. 2016 wurden in Indien etwa 880.000 kosmetische Eingriffe durchgeführt, im Gegensatz zu rund 390.000 sechs Jahre zuvor. (International Society of Aesthetic Plastic Surgery 2016 und 2010)

Der gesellschaftliche Druck, einem Ideal zu entsprechen, steigt. Wer sich die Eingriffe nicht leisten kann, begibt sich oft in die Hände von unprofessionellen Anbietern und riskiert damit seine Gesundheit. "Wenn wir nicht diese Eingriffe umsonst anbieten, könnten sich die Menschen für gefährliche Alternativen entscheiden oder hohe Kredite aufnehmen", sagte Baskar.

Neben den Brust-OPs sollen ab sofort auch umsonst Hand-Transplantationen durchgeführt und Hasenscharten operiert werden.

Doch das Wohlfahrtsprogramm wird auch kritisiert. Dr. Elango, ein ehemaliger Gesundheitsdirektor des Bundestaates, beschrieb die Gratis-OPs als populistisch: "Wir konzentrieren uns auf Schönheit, anstatt auf lebensrettende Operationen." (Times of India)


Fühlen

"Abnehmen ist der größte Schwachsinn"
Plus-Size-Model Lu über Vorurteile gegenüber dicken Menschen

Lu ist 28 Jahre alt und bloggt auf Lu zieht an über alles, was sie in ihrem Leben bewegt. Das ist auch ab und an ihr Gewicht – denn Lu entspricht mit ihren Maßen nicht dem, was weithin als Norm angesehen wird. 

Also haben wir mit ihr über die Vorurteile gesprochen, die dickeren Menschen oft begegnen: Dass sie nur faul seien, zum Beispiel. Oder dass sie nur langweiligen Sex hätten. Ihre Antworten siehst du im Video.