Bild: Unsplash/Montage: bento

Kaffee – für viele das große Lebenselixir, der einzig wahre Start in den Tag, der Wegbegleiter im Pappbecher oder die Nachmittagsgönnung mit schön viel Sirup.

Kurz: Kaffee macht oft sehr glücklich – aber leider auch manchmal ein schlechtes Gewissen.

  • Denn der Anbau verbraucht wahnsinnig viel Wasser, was die Ressourcen noch knapper macht als sie es in vielen Weltregionen ohnehin schon sind (Süddeutsche);
  • die ach so praktischen To-Go-Becher sorgen für eine sinnlose Müllflut (Deutsche Umwelthilfe);
  • und – mit am wichtigsten – sehr viele Menschen arbeiten im Kaffeeanbau zu extrem schlechten Bedingungen (Human Trafficking Center).

Gegen Letzteres hilft nur eines: Fairtrade – also Kaffee aus fairem Handel – zu kaufen. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Beteiligten angemessen bezahlt und nicht ausgebeutet werden. Viele Menschen überzeugt das offenbar: Immer mehr Konsumenten entscheiden sich bei Kaffee für den fair gehandelten (Zeit Online). Doch das gilt nicht unbedingt für große Unternehmen. 

Die Berlinerin Melanie Weigel will das nicht hinnehmen. Nach ihrer Petition für fairen Kaffee in den Zügen der Deutschen Bahn stieg das Unternehmen tatsächlich im vergangenen Jahr auf Fairtrade um. Nun knöpft sich die 30-Jährige das nächste Unternehmen vor: Ikea.

Ist der Kaffee bei Ikea wirklich so ausschlaggebend? 

Ja, denn dort geht es um große Mengen. Der Möbelgigant ist inzwischen eine der größten Gastronomieketten in Deutschland. Und das nicht nur, weil sich viele Leute nach dem Billy-Shoppen noch ein Hotdog gönnen: Ein Drittel aller Ikea-Kunden kommt ausschließlich zum Essen in die Filialen! (SPIEGEL ONLINE)

Der Gratis-Kaffee von Ikea wird dabei auch gern genommen. Nur leider kommt er nicht aus fairem Handel. 

Die Pressestelle von Ikea Deutschland gab auf bento-Anfrage zwar an, seit 2008 Kaffee mit UTZ-Siegel zu verwenden (Ikea). Während dieses Zertifikat mit Nachhaltigkeit wirbt, hat es keine besonders hohe Aussagekraft über die Produktionsbedingungen vor Ort, wie die Stiftung Warentest vor zwei Jahren feststellte. Dort heißt es: UTZ sei zwar eines der  weltweit am weitesten verbreiteten Nachhaltigkeitssiegel, doch die Kriterien für die Vergabe seien nicht sehr anspruchsvoll und es gebe keine Regelung zu Mindestpreisen für die Produzenten der Ware. (Utopia)

Das reicht Melanie Weigel nicht. Sie fordert echten Fairtrade-Kaffee , bei dem man weiß, wo er herkommt und unter welchen Bedinungen die Menschen dafür arbeiten. Wir haben mit ihr über ihre Petition bei change.org gesprochen. 

(Bild: dpa)

Du hast bereits bei der Deutschen Bahn die Forderung nach Fairtrade-Kaffee durchgesetzt. Warum ist Kaffee so ein Thema für dich?

"Ich trinke selber sehr gern Kaffee, aber eben nur fair gehandelten. Daher merke ich im Alltag immer wieder, welche Firmen diesen anbieten und welche nicht. Tchibo und Starbucks haben immerhin mindestens einen fairen – Ikea, McDonald's und auch viele Airlines haben keinen einzigen. 

Kaffee ist in Bezug auf das Handelsvolumen einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Dadurch hätten Veränderungen auf dem Kaffee-Markt auch eine große Wirkung. Andere Produkte liegen mir auch am Herzen, aber bei Kaffee kann man global gesehen am meisten bewirken."

Wieso bist du jetzt ausgerechnet auf Ikea gekommen?

"Als ich umgezogen bin und bei Ikea regelmäßig in der 'Fundgrube' stöberte – dort gibt es Sachen, die nicht verkauft wurden, die kleine Mängel haben oder ein bisschen schräg oder ähnliches sind – ist mir immer wieder aufgefallen, dass ich dort leider keinen Kaffee trinken kann. Das hat mich geärgert."

Hattest du dazu schon Kontakt mit dem Unternehmen?

"Ich habe den Kundenservice von Ikea angeschrieben und nach Fairtrade-Kaffee gefragt. Ich bekam die Antwort, dass meine Anregung weitergeleitet wird, es diese "Sorte" vermutlich demnächst aber nicht geben wird. Ich wunderte mich, denn Fairtrade ist keine Sorte. Offenbar gibt es im Kundenservice noch erhebliche Wissenslücken."

Wie waren die Reaktionen auf deine erfolgreiche Bahn-Petition?

"Dass die Bahn-Petition tatsächlich Erfolg hatte, war für mich einfach nur überwältigend. 

Beim diesjährigen Fairtrade-Award wurde die Deutsche Bahn dafür ausgezeichnet, dass sie seit dem 1. April 2017 fairen Kaffee anbietet – die Unternehmensentscheidung kam wenige Monate, nachdem mehr als 70.000 Menschen meine Petition unterzeichnet hatten. Als ich den Produktmanager der Deutschen Bahn, Thorsten Kramer, bei der Veranstaltung auf meine Petition ansprach, reagierte er sehr neutral und sagte, jeder habe seine Erfolge zu verzeichnen. Die Bahn hat nie zugegeben, dass öffentlicher Druck ihre Entscheidung für fair gehandelten Kaffee beeinflusst hat.

Aber das macht nichts. Hauptsache, es hat geklappt. "

(Bild: Imago)

Erhoffst du dir bei Ikea denselben Erfolg?

"Bei Ikea bin ich nun auch sehr zuversichtlich: Wenn es einmal geklappt hat, kann es auch noch mal klappen."

Wen knöpfst du dir als nächstes vor?

"Ich habe schon eine Idee, doch welche Firma es wird, das bleibt zunächst mein Geheimnis."


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