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Die Idee der sogenannten "Identitären Bewegung" ist vor allem: ein PR-Stunt

Stell dir vor, du bist als Jugendlicher vor dem Krieg geflüchtet, aus Syrien zum Beispiel. Wenn es gut läuft, schaffst du es an einen sicheren Ort, zum Beispiel nach Deutschland. Und wenn es richtig gut läuft, bekommst du einen Vormund, der es gut mit dir meint, also einen Erwachsenen, der dir hilft, dich in Deutschland zurechtzufinden. Jemanden, der dich rechtlich vertritt bis du 18 Jahre alt bist. Er verwaltet dein Geld, kümmert sich um eine Unterkunft für dich.

Und jetzt stell dir vor, dieser Mensch wäre ein Rechtsextremer. Ein Mensch, der dich am liebsten nach Syrien zurückschicken würde. Das ist das Horrorszenario, das die sogenannte Identitäre Bewegung heraufbeschwören möchte. Das ist eine kleine Gruppe Rechtsextremer, die sich als Mischung aus Burschenschaft und Hipstern inszeniert, und bislang hauptsächlich mit PR-Aktionen Aufsehen erregt hat.

Auf Facebook ruft der Hamburger Ableger der Gruppe ihre Anhänger dazu auf, Vormundschaften für minderjährige Flüchtlinge zu übernehmen. Die Migranten sollen von einer Rückkehr überzeugt werden, weil sie in Deutschland angeblich keine Zukunft hätten.

Was steckt wirklich hinter dem Aufruf?

Es ist wohl hauptsächlich eine PR-Aktion, wieder einmal. Darauf setzen die Rechtsextremen, denn sie sind wenige und wollen trotzdem viel Aufmerksamkeit. Unter anderem waren sie in der Vergangenheit aufs Brandenburger Tor geklettert und hatten ein Transparent entrollt. Der "Identitären Bewegung" gehören in ganz Deutschland nur rund 300 Menschen an, das schätzt der Verfassungsschutz, der die Rechtsextremen beobachtet. Er hält ihre Ideologie für verfassungsfeindlich. (SPIEGEL ONLINE)

Die Gruppe vertritt einen sogenannten Ethnopluralismus. Sie meinen damit eine rassische Trennung der verschiedenen Völker. Im Klartext: Einwanderer sollen entweder gleich in ihren Ländern bleiben oder wieder zurückgehen. Früher rief die NPD "Ausländer raus", bei den Identitären heißt das etwas vornehmer "Remigration", das Ergebnis ist dasselbe. 

Die "Identitären" unterhalten enge Verbindungen zur AfD. Ihre Anhänger tun so, als ob ihnen das Wohl der Flüchtlinge am Herzen liege. Sie wollen es nicht der "Sozialindustrie" überlassen, steht auf Facebook. Dabei ist die Aktion der "Identitären" natürlich zynisch. Sie haben ganz offensichtlich kein Interesse daran, Flüchtlingen zu helfen. In ihrem Weltbild ist jeder einzelne eine Bedrohung für die eigene Identität.


Hier liest du mehr zur Inszenierung der Rechten:

So gut wie alle wichtigen Nachrichtenseiten berichteten Montagabend über den Aufruf der Identitären. Angeblich planen die "Identitäten" bereits Schulungen zu dem Thema. Ob das wirklich stimmt, ist aber unklar.

Werden sie Erfolg haben, wenn sie es doch versuchen?

Nein, sehr wahrscheinlich nicht. Der Kinderschutzbund kümmert sich im Hamburg um einen Großteil der ehrenamtlichen Vormundschaften – und führt auch Schulungen durch. Er weiß von der Aktion, hat inzwischen Ehrenamtliche, Gerichte und andere Organisationen informiert. Sozialpädagogin Sevil Dietzel ist für die Vormünder zuständig und sagt: "Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir einen solchen Versuch bemerken würden."

Menschen, die sich bei Dietzel als Vormund bewerben, müssen ein ausführliches Interview bestehen. Ihre Motivation wird hinterfragt, ebenso Erfahrungen mit Fremden – und mit eigenem Fremdsein. Und wer durch diesen Prozess kommt, muss anschließend vor Richtern oder Rechtspflegern und Jugendämtern vorsprechen. Zudem wird auch der Flüchtling selbst gefragt, ob er von diesem Menschen vertreten werden möchte.

Dazu kommt: Handelt ein Vormund gegen die Interessen seines Mündels, ist er seinen Job schnell wieder los. "Das ist ihm nämlich gesetzlich verboten", sagt Dietzel. Die Jugendlichen würden sich schlicht an die Betreuer der Jugendhilfeeinrichtungen wenden, wenn es ein Problem mit ihrem Vormund geben würde.

Und wie reagieren die Anhänger der Identitären?

Zumindest ein Teil der Fans sind nicht wirklich begeistert. Die Aussicht, geflüchtete Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen, ruft bei vielen offenbar Brechreiz hervor. In den Kommentaren unter dem Post sieht es dann so aus:


Style

In Berlin warten Menschen die ganze Nacht auf die BVG-Abo-Sneaker

Meterlange Schlangen, Menschen auf Campingstühlen und in Zelten, mit heißem Tee und Kaffee. So sieht es aus, wenn Hunderte Menschen auf einen Schuh mit blauen, roten und schwarzen Flecken warten.

Ja, ok, wer diesen Schuh bekommt, trägt nicht nur das Muster der altbackenen Berliner U-Bahn-Sitze am Fuß – sondern kann auch noch ein Jahr lang umsonst mit allen Bahnen, Bussen und Fähren fahren. Vorausgesetzt man zieht den Schuh auch wirklich an (bento). 

Die Rede ist von diesem Modell der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Zusammenarbeit mit adidas: