Bild: Getty Images/Alexander Hassenstein
Zwei Fragen, zwei Antworten

Tritt er zurück – oder kann sich Horst Seehofer doch noch mit Angela Merkel einigen? Darum geht es am Montagabend beim Treffen der CDU- und CSU-Spitzen. Am Sonntagabend hatte Seehofer bereits seinen Rücktritt angeboten, die CSU versuchte ihn anschließend davon abzubringen.

Vor dem Treffen im Kanzleramt hat der Innenminister nun der "Süddeutschen Zeitung" ein kurzes Interview gegeben.

Der zentrale Satz:

Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die nur wegen mir Kanzlerin ist.
Horst Seehofer.

Offenbar will Seehofer damit auf die (bei der letzten Wahl noch) im Vergleich zur CDU deutlich besseren Wahlergebnisse der CSU in Bayern hinweisen. Er befinde sich in einer Situation, die für ihn "unvorstellbar" sei, sagte er: "Die Person, der ich in den Sattel verholfen habe, wirft mich raus."

Hat er Recht?

Nein, seine Interpretation ist ziemlich eigenwillig. Schließlich war er es selbst, der seinen Rücktritt angeboten hatte. Die Kanzlerin könnte ihn nur annehmen.

Die Formulierung grenzt an Größenwahn; der Innenminister setzt der Kanzlerin die Pistole auf die Brust, entweder sie akzeptiert seine Pläne oder er tritt zurück. 

Und jetzt stellt Seehofer die Sache so dar, als ob die Kanzlerin nur seinetwegen im Amt wäre – und ihn aus dem Amt drängt, nur weil sie nicht alle 63 Maßnahmen seines sogenannten Masterplans (mehr dazu hier bei bento) akzeptiert. Damit verwechselt er sich und die Wählerinnen und Wähler, um deren Stimmen es letztendlich geht:

Was hat Seehofer noch gesagt?

Die Frage ist, warum Seehofer kurz vor dem entscheidenden Treffen so dahinredet. Allzu kompromissbereit wirkte Seehofer im "SZ"-Gespräch generell nicht: "Ich müsste mich verbiegen, das kann ich nicht." Offen stellte er die Frage, ob er "ein Amt weiterführen" könne, "wenn die Grundlinie nicht stimmt, die man vertritt?"

Seehofers Wort wirken, als wollte er seinen eigenen Rauswurf provozieren. Ob das wirklich stimmt, ist nicht klar. Fest steht: Er reagiert zunehmend emotional, hat ganz offensichtlich das Bedürfnis, seine Linie öffentlich zu erklären.

Eine Theorie: Selbst in der CSU spürt er nicht ausreichend Rückhalt, den hätte er aber gerne, um aus einer starken Position heraus mit Merkel verhandeln zu können. Am Sonntag hatten sich einige CSUler wie zum Beispiel CSU-Parteivize Manfred Weber, außerdem noch Chef der Konservativen im Europaparlament, gegen Seehofers Linie ausgesprochen.

Sicher ist darüber hinaus: Seehofers dünnhäutige Reaktion dürfte nicht zu einer angenehmeren Gesprächsatmosphäre beim Treffen im Kanzleramt beigetragen haben.


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