Es geht um Seehofer und Geflüchtete.

Im Netz ist Horst Seehofer ein Freund der Geflüchteten. In einem offiziell aussehenden Video verspricht zumindest jemand im Namen des Innenministeriums, dass Deutschland dieses Jahr freiwillig alle Menschen aufnimmt, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet werden. 

Gegen dieses Video geht das Bundesinnenministerium mit einer einstweiligen Verfügung vor.

"Seebrücke" heißt die Aktion aus dem vergangenen Jahr, die einfach als Satire erkennbar war: Denn tatsächlich drückt sich die Bundesregierung davor, diesen Menschen zu helfen. Aktivisten hatten die "Seebrücke" erfunden, eine Website und ein Video erstellt, die möglichst echt aussehen sollten.

Die Webseite "seebruecke-des-bundes.de" ist mittlerweile abgeschaltet. Das Innenministerium hatte das Video bei YouTube gemeldet. YouTube nahm das Video daraufhin vom Netz. Das geht aus einem Schreiben von Rechtsanwälten vom 30. Juli 2018 hervor, die im Auftrag der Bundesregierung gegen YouTube vorgehen. Unter der ursprünglichen Adresse ist es nicht mehr zu finden. 

Wohl aber Kopien, die von anderen Nutzern veröffentlicht wurden.

Gegen mindestens eine solche Kopie ging das Innenministerium rechtlich vor, mit einer einstweiligen Verfügung.

YouTube sollte das Video löschen, weil Nutzerinnen und Nutzer es für echt halten könnten. Es geht um das Logo des Ministeriums, das im Video zu sehen ist. Die Satire, die eigentlich von der Kunst- und Meinungsfreiheit besonders geschützt ist, wird so vom Innenministerium attackiert.

Eine Kopie des Videos hat YouTube nach der einstweiligen Verfügung bereits im vergangenen Jahr offline genommen. In mindestens einem weiteren Fall soll YouTube das Satire-Video nun löschen – ob es auch hier das Innenministerium ist, das gegen YouTube vorgeht, wissen wir noch nicht.

YouTube könnte sich gegen eine einstweilige Verfügung wehren und es auf einen Prozess ankommen lassen. Oder sich den Ärger sparen – und löschen.

Mit den gerade von der Bundesregierung und der Europäischen Union geplanten Upload-Filtern könnte ein so gelöschtes Video künftig nicht einfach erneut auf YouTube hochgeladen werden.

Die Stimme im "Seebrücken"-Video ist "Tatort"-Schauspieler Jan-Josef Liefers, der die Aktion unterstützt. Als die Webseite und das Video im Juni des vergangenen Jahres veröffentlicht wurden, haben wir berichtet:

Das Video ist unter der ursprünglichen URL nicht mehr abrufbar. Nun sollen weitere Kopien des Videos verschwinden. 

Dem Künstlerkollektiv "Peng!", das hinter der "Seebrücke"-Satire steckt, hatte die Regierung schon im vergangenen Sommer Ärger angedroht. Das Innenministerium hatte rechtliche Schritte angekündigt und das Video als "irreführende Darstellung" bezeichnet.

Nun erfuhren die Aktivistinnen und Aktivisten:

Das Innenministerium und ein Mitglied des "Peng!"-Kollektivs haben uns gegenüber den juristischen Vorgang bestätigt. Wer das Video hochgeladen hat, das nun verschwinden soll, wissen die Aktivistinnen und Aktivisten angeblich nicht.

„Dass das Innenministerium nun verzweifelt Satirevideos im Netz löschen will, ist lächerlich.“
Conni vom Peng!-Kollektiv

Wir haben uns entschieden, das "Seebrücke"-Video hier auf unserer Seite ebenfalls zu veröffentlichen. 

Anmerkung der Redaktion: Wir haben bisher von YouTube-Eigentümerin Google keine Antworten auf unsere Fragen erhalten. Wir haben im Beitrag konkretisiert, dass YouTube ein Video freiwillig und eine Kopie nach einer einstweiligen Verfügung gelöscht hat – und dass es einen erneuten Fall gibt, in dem YouTube eine Kopie löschen soll.


Streaming

Trevor Noahs Oscar-Rede enthält den perfekten Witz über die Ignoranz vieler Weißer
Oder aller, die Afrika immer noch für ein Land halten.

Die Oscars sind nicht mehr komplett weiß. Das ist wohl eine der Lehren der mittlerweile 91. Verleihung der Academy Awards. 

In der Nacht auf Montag wurden die Filmpreise in Los Angeles vergeben – und zwei Jahre nach "MeToo" und vielen Debatten über Gleichberechtigung und Vielfalt wurde deutlich: Hollywood bemüht sich wirklich, mehr Frauen und mehr Nichtweiße zu repräsentieren. Sowohl auf der Leinwand, wie auch auf der Oscar-Bühne.

Das heißt allerdings nicht, dass es nicht immer noch viel Ignoranz im Business gibt – oder schlichtweg Unkenntnis – wie nun ein Witz von Trevor Noah zu "Black Panther" zeigt.

Im Laufe der Oscar-Verleihung werden traditionell Stück für Stück die zehn Nominierten der Kategorie "Bester Film" vorgestellt. Eine Laudatorin oder ein Laudator kündigt den Film kurz an, dann wird ein Minitrailer gezeigt. Welcher Film dann gewinnt, wird erst ganz am Ende der Oscar-Nacht enthüllt.

Die Comic-Verfilmung "Black Panther" war mit als bester Film nominiert, Latenight-Talker Trevor Noah durfte die Laudatio halten. In der brachte er einen ziemlich offensichtlichen Witz unter – und einen versteckten. Letzterer offenbart, wie wenig viele von uns sich immer noch mit Afrika beschäftigen.

"Black Panther" spielt im fiktiven afrikanischen Staat Wakanda. Das Land ist sehr reich und fortschrittlich, kein Dritte-Welt-Land – sondern Industrienationen wie den USA und Deutschland weit überlegen. Es wird angeführt von T'Challa (Chadwick Boseman), der in die Superheldenidentität des "Black Panther" schlüpft.

Der Film veränderte für einige den Blick auf einen ganzen Kontinent. Für gewöhnlich werden in den Medien industrialisierter Länder afrikanische Staaten als Krisengebiete, von Bürgerkriegen zerstörte Orte oder als komplett verarmt dargestellt. 

Mit dem Comic-Hit "Black Panther" hatten Schwarze auf aller Welt plötzlich einen Film aus dem Herzen Afrikas, auf den sie stolz sein konnten.

Viele identifizieren sich nun mit dem fiktiven Land, der Gruß "Wakanda Forever" wird an Unis und in Sportstadien gerufen. Trevor Noah tat es in seiner Rede gleich – und tat so, als sei er gebürtig aus dem nicht existenten Wakanda: