Bild: dpa/Alexander Heinl
Die "Süddeutsche" schildert seine Geschichte

Beinahe hätte Horst Seehofer seinen Witz nicht bringen können. Dann hätte Danial M. ihm die Pointe versaut. Der 22-Jährige lebt in Bayern, kommt aber ursprünglich aus Afghanistan.

Vor einer Woche hatte Seehofer seinen "Masterplan Migration" vorgestellt und sich über Abschiebungen lustig gemacht. Ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag sei zum Beispiel eine besonders große Gruppe ins Bürgerkriegsland abgeschoben worden – nämlich 69 ehemalige Asylbewerber. (bento)

Danial hätte der 70. Flüchtling sein sollen – aber er fand gerade noch in einer Kirche Zuflucht.

Die "Süddeutsche Zeitung" hat Danial nun ein Porträt gewidmet. Es zeigt, wie schwierig – oder zynisch – es ist, zu entscheiden, welcher Geflüchtete eine Chance auf eine Zukunft in Deutschland bekommen darf. Und welcher nicht. Längst schimpfen auch Politiker, dass Abschiebungen oft von Willkür geprägt sind, zwischen Straftätern und gut integrierten Menschen wird kaum unterschieden. (bento)

Was die Geschichte von Danial auch zeigt: Nach christlichen Maßstäben handelt Seehofer schon lange nicht. 

Die 5 Fakten zum Fall:

1

Danials Flucht

Afghanistan kennt Danial fast nur aus Erzählungen seiner Familie. Sie gehört der verfolgten Minderheit der Hazara an – und floh daher in den Neunzigern ins Nachbarland Iran. Damals hatten die radikalislamischen Taliban Afghanistan übernommen und ein Terrorregime aufgebaut.

Danial wurde in Iran geboren, 2014 schickte das iranische Regime seine Familie allerdings zurück nach Afghanistan. Dort wurde kurz nach der Rückkehr Danials Onkel von den Taliban ermordet, die Familie floh erneut.

Über Iran und die Türkei kam die Familie an die Mittelmeerküste, schaffte in einem Schlauchboot die Überfahrt nach Griechenland, floh weiter über den Balkan bis nach Deutschland. Seit 2015, Danial ist 19, lebt die Familie in Oberfranken. So erzählt sie es jetzt der "Süddeutsche Zeitung".

2

Danials Integration

  • Innerhalb von drei Jahren lernt Danial Deutsch und macht seinen Schulabschluss. 
  • Im lokalen Fußballverein gehört er zu den Spitzenspielern. Das Team verdanke ihm mit den Aufstieg, sagt der Trainer.
  • Danial sei stets höflich, verstehe sich mit allen gut, sagen Klassenkameraden.
  • Diesen Sommer wollte er eine Ausbildung beginnen.

Danial selbst sagt:

Die Menschen sind in Deutschland meistens freundlich.
Danial M.

3

Danials Religion

Ist der Islam. Aber der spielt kaum eine Rolle bei ihm, sagen die, die ihn kennen. Er lebe ihn nicht anders aus als viele Christen in Deutschland – als private Sache. 

Das trifft eigentlich auf die meisten Flüchtlinge oder muslimischen Deutschen zu. Es sind vor allem Rechtspopulisten, die in jedem Muslim einen potenziellen Terroristen sehen.

4

Danials Problem

Eine Formsache. Um seine Ausbildung zu beginnen, hätte er eine neue Duldung beantragen müssen – unabhängig von seiner Familie. Danial wusste das nicht, seine ehrenamtlichen Betreuer verpassten es, ihm das rechtzeitig zu sagen. 

Das Resultat: Für Danial ist nun der Duldungsschutz erloschen, er kann schutzlos abgeschoben werden. Alles nur, weil er sich um einen Ausbildungsplatz bemühen wollte. Eine Helferin spricht gegenüber der "Süddeutsche Zeitung" von einem "fatalen Fehler". Der Zweite Bürgermeister von Danials Wohnort Neuenmarkt meint, so ein Formfehler hätte auch jedem anderen geschehen können:

Jeden Tag kommen erwachsene Deutsche zu mir, um sich Anträge erklären zu lassen. Und wir erwarten von Neuankömmlingen, dass sie auf Anhieb alle juristischen Forderungen meistern?
Alexander Wunderlich, Zweiter Bürgermeister Neuenmarkt

5

Danials erneute Flucht – vor Seehofer

Danial hätte die Nummer 70 im Abschiebeflug Anfang Juli werden sollen. Für gewöhnlich sollen nicht mehr als 50 Flüchtlinge abgeschoben werden – die afghanischen Behörden sind sonst überfordert. Sie brauchen in Kabul nämlich Zeit, im Bürgerkriegsland für die Abgeschobenen sicherer Zielregionen zu finden. Die Bundesregierung erhöht nun aber die Zahlen.

Als die Polizei Daniel bei seiner Familie abholen wolle, hatte er Glück: Er war bei seiner Freundin. Als er von der Abschiebung erfuhr, bekam er Asyl in der Kirche von Neuenmarkt. Auf dem Gelände der kleinen Gemeinde findet er seither Schutz – und kann von den Beamten nicht abgeholt werden. 

Nun muss er warten, was passieren wird. Er sagt:

Ich versuche, positiv zu denken. Aber abends, wenn ich im Bett liege, kommen schlechte Gedanken, dann kommt Angst.
Danial M.

Gerechtigkeit

Der Kapitän des "Lifeline"-Rettungsschiffs wird ausgezeichnet – von der Bayern-SPD
2 Fragen, 2 Antworten

In Malta vor Gericht, in Deutschland ausgezeichnet: Die SPD im bayerischen Landtag will den Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch, mit dem Europapreis auszeichnen. Dieser ist mit 2500 Euro dotiert und soll ihm schon am 27. Juli überreicht werden.