In Hongkong ist Aufstand. Hunderttausende, vor allem junge Menschen, gehen seit Wochen auf die Straße. Allen voran: Joshua Wong, 22. Derzeit drohen die Proteste, in Gewalt umzuschlagen.

Wir haben mit Joshua gesprochen, dem Kopf der Demokratiebewegung.

Schon mit 14 Jahren verteilte Joshua Flugblätter an seiner Schule. Ein Jahr später folgten seinem Aufruf mehr als Hunderttausend, vor allem junge Menschen auf die Straße – sie verlangten freie Wahlen. Gemeinsam brachten sie die damalige Regierung zu Fall. (Süddeutsche

Was steckt hinter den Aufständen in Hongkong?

Hong Kong ist eine Sonderverwaltungszone von China. Das bedeutet: Nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme", ist Hongkong bis 2047 autonom – danach fällt es China zu. Viele junge Hongkonger haben Angst, dann in einer Autokratie leben zu müssen und keine ökonomische Perspektive zu haben.

2014 organisierten Wong und einige andere die Besetzung der Innenstadt Hongkongs, die sogenannte "Regenschirmbewegung" verlangte freie Wahlen.

Anlass für die derzeit wieder aufflammenden Demonstrationen ist ein von der Regierungschefin Carrie Lam geplantes Gesetz für die Auslieferung "verdächtiger" Personen nach China. Seit Wochen gehen Menschen dagegen auf die Straße.

Mitte Juni verschob Lam das Inkrafttreten des Gesetzes – die Demonstrationen gehen weiter. Die Aktivisten fordern jetzt freie Wahlen, Lams Rücktritt und die Unabhängigkeit Hongkongs. Auch ältere Hongkonger und Unternehmen reihen sich mittlerweile in die Proteste ein. Die Veranstalter der Demonstrationen sprechen von zwei Millionen Menschen.

Beobachter sagen auch, die Bewegung radikalisiere sich gerade: Am Montag wurde das Parlament gestürmt. (Spiegel Online)

Joshua kam erst vor einigen Wochen aus dem Gefängnis frei. Wegen Missachtung des Gerichts musste er zwei Monate absitzen. Die Vorwürfe stammten noch aus der Zeit der "Regenschirmbewegung".

Seit er frei ist geht Joshua wieder auf die Straße – und gibt Interviews. Etwa Hundert Anfragen bekomme er täglich, sagt Joshua.

Zehn Minuten hat er für das Gespräch mit bento, immer wieder ist zwischendurch die Leitung weg.

bento: Dein Land ist im Umbruch. Gerade lebt ihr relativ frei, wenn du 50 bist, könnte dein Land Teil von China sein. Wie geht es deiner Generation in Hongkong gerade?

Joshua: Junge Menschen sind deprimiert. Die Präsidentin spricht nicht zur neuen Generation. Aber Millenials, und auch High-School-Schülerinnen und Schüler, die noch jünger sind als ich, werden weiterkämpfen, mit Würde, bis die Präsidentin merkt, dass es Zeit ist, auf unsere Stimmen zu hören.

Hast du Angst, nach China abgeschoben zu werden?

Es ist für jeden in Hongkong gerade schwer, für die eigene Sicherheit zu sorgen. Gleichzeitig ist es vorstellbar, dass am Ende einige unserer Kollegen und Freunde nach China abgeschoben werden. Dort kämen furchtbare Prozesse auf sie zu: ohne juristische Unabhängigkeit und ohne Rechtsstaat.

Erst vor einigen Wochen kamst du selbst aus dem Gefängnis frei. Wie war das?

Im Gefängnis ohne Freiheit und Hoffnung auf Recht, ist es schwer, ein Gefühl für Zeit zu haben. Es ist auch schwer zu beschreiben, was ich dort erlebt habe. Aber es wird mich stärker machen.

Als du freikamst, hattest du einen Stapel Bücher unter dem Arm.

Das waren Bücher von Nelson Mandela: Die Regierung sollte vor den Menschen Angst haben – nicht die Menschen vor der Regierung. Die Bücher haben mir Mut gemacht, denn es ist nicht einfach, so etwas durchzustehen.

Die Regierung hat das Auslieferungsgesetz , das euch Aktivisten bedrohte, schon aufgeschoben. Was fordert ihr noch?

Wir fordern, dass das Auslieferungsgesetz ganz zurückgenommen wird und dass freie Wahlen stattfinden.

Manche der Proteste sind am Anfang des Monats in Gewalt umgeschlagen, als Demonstranten das Parlament, den sogenannten Legislativrat stürmten. (SPIEGEL ONLINE) Was sagst du dazu?

Ich bin mit dieser Wortwahl nicht einverstanden. Niemand hat die Belegschaft des Gebäudes physisch angegriffen und niemand hat irgendwelche Polizisten angegriffen. Der Grund, warum Menschen in das Gebäude eingedrungen sind ist, dass der Legislativrat nicht mehr die Stimme des Volkes vertritt.

Es gab ein gewaltsames Eindringen in das Gebäude. Eine Glaswand wurde mit einem Rammbock eingeschlagen. Das stand im Gegensatz zu den sehr friedlichen Protesten zuvor.

Ich glaube nicht, dass es Gewalt gab. Wenn zwei von sieben Millionen Menschen sich an den Protesten beteiligen, um ein Gesetz zu verhindern, sind das 30 Prozent der Bevölkerung. Das bedeutet, die Regierung vertritt nicht mehr die Stimme der Menschen. Auch wenn Menschen mit der Erstürmung des Gebäudes nicht einverstanden waren, müssen sie die Gründe verstehen. Menschen haben ihr Leben riskiert, um dieses Gebäude zu stürmen. 

2047 wird Hongkong chinesisch. Du bist dann 48. Hast du überlegt, was du dann machst?

Die Zukunft der Hongkonger sollte in den Händen der Hongkonger liegen, nicht in der von Peking. Wir werden keinen Schritt zurückweichen. Wir hoffen, wir werden dann Meister im eigenen Haus sein.

Aber wenn der Aufstand nicht glückt – würdest du das Land verlassen?

Das hängt davon ab, was passiert. Vor einem halben Jahr hätte niemand erwartet, dass zwei Millionen Menschen auf die Straße gehen. Wir haben uns verpflichtet, mit all unserer Entschlossenheit dafür zu sorgen, dass Hongkong ein Land mit nur einem System wird.

Du würdest also nicht gehen?

Ich wiederhole mich noch einmal. Wir versuchen gerade, zu verhindern, dass irgendein Aktivist Hong Kong überhaupt verlassen muss.

Du hast jung angefangen, dich politisch zu engagieren. Als du Flyer an deiner Schule verteilt hast, warst du 14. Was hat dich so jung politisiert?

Ich war gar nicht politisch. Durch Peking gleicht unsere Schulbildung einer Gehirnwäsche. Kritisches und freies Denken der neuen Generation soll verhindert werden. Aber ich bin Hongkonger, hier geboren, habe hier gelebt und diesen Ort geliebt, immer mit einem Zugehörigkeitsgefühl. Ich will eine Zukunft haben.

Warum tragt ihr auf den Demos Masken?

Wenn die Polizei Pfefferspray benutzt, wie sollte ich keine tragen?

Die Menschen auf den Protesten halten Bilder von deinem Gesicht hoch. Bist du der Anführer?

Ich bin nicht der Anführer. Wir sind eine Bewegung ohne Anführer.

Würdest du nochmal für die Bewegung ins Gefängnis gehen?

Es sind bereits viele im Gefängnis. Und ich erwarte bald weitere Massenverhaftungen.

Wie wird es weitergehen?

Es gibt immer mehr Unterstützung, auch von Unternehmen. Politische und ökonomische Freiheit hängen eng zusammen.

Fühlst du dich eigentlich als Chinese?

Ich bin ethnisch Chinese, und kulturell. Aber kein chinesischer Bürger: Ich kann dort nicht einmal hinreisen, warum also sollte ich mich als Chinese fühlen?


Fühlen

Brustverkleinerung mit 18: "Was mehr schmerzte als mein Rücken waren die Blicke und Sprüche"

Große Brüste gelten als DAS Symbol für Weiblichkeit. Seit meinem 16. Lebensjahr wollte ich allerdings nichts mehr, als meine 80 DD-großen Brüste zu schrumpfen – und zwei Jahre später habe ich mir diesen Wunsch mit einer Brustverkleinerung auch erfüllt.

Lange war es mir peinlich, über die Operation zu sprechen. Niemand sollte wissen, dass und vor allem warum ich mich in so jungem Alter unters Messer gelegt hatte. Dabei geht es unglaublich vielen Frauen wie mir. 

Brustverkleinerungen sind eine der häufigsten Schönheitsoperationen.

Im Jahr 2017 ließen sich laut International Survey on Aesthetic Procedures (ISAPS) etwa 16.000 Frauen in Deutschland die Brüste verkleinern, damit ist der Eingriff unter den Top Ten der häufigsten Schönheitsoperationen – wobei man dabei von einer reinen Schönheitsoperation wohl kaum reden kann.

Zu Beginn meiner Pubertät war ich zwar noch stolz darauf, dass meine Oberweite größer war als die aller meiner Freundinnen. Ich bemerkte aber schon bald, wie sie mich zunehmend in meinem Alltag einschränkte. Hatte ich mich früher im Sportunterricht noch stark engagiert, fielen mir die Sportübungen immer schwerer. Ich schämte mich plötzlich für meinen Körper. Wenn ich nur an die Blicke der anderen, vor allem der Jungs, dachte, hätte ich mich am liebsten jedes Mal krank gemeldet. Das tat ich zum ersten Mal, als ich am Abend vor der Sportstunde bemerkte, dass mir mein Sport-BH nicht mehr passte. Ohne ihn Turnübungen machen oder Fußball spielen? Unmöglich.

Auch meine Garderobe machte in der Zeit einen starken Wandel durch. 

Ich war es leid, dass mir Männer auf der Straße auf die Brüste starrten und mir ab und zu Sprüche hinterherriefen, die ich am liebsten sofort vergessen wollte. 

Deshalb tauschte ich enge Sweatshirts gegen Oversize Pullover – mein Sport-BH begleitete mich jetzt auch im Alltag. In den Sommerferien traute ich mich kaum noch, im Bikini ins Meer zu springen – der Weg über den Strand war für mich unerträglich. 

Als ich mir einmal gemeinsam mit meiner Mutter im Bikini ein Eis kaufen wollte, rief mir ein alter Mann etwas hinterher. Ich hatte nicht verstanden, was er gesagt hatte, aber meine Mutter lief ihm nach und schrie ihn an. Ich wusste deshalb, dass es etwas Schlimmes gewesen sein musste, wollte aber nicht, dass sie es mir erzählte. Diese Situation ließ mich noch Wochen später nicht los.

Je mehr meine Brüste weiter wuchsen, desto mehr schmerzte auch mein Rücken. Ich gewöhnte mir eine ungesunde, nach vorn gebeugte Haltung an – nicht nur um meine Oberweite etwas zu verstecken, sondern auch wegen ihres Gewichts. Aus demselben Grund begannen auch irgendwann die Träger meiner BHs in meine Haut einzuschneiden.

Als es im Alter von 16 für mich immer unerträglicher wurde, suchte ich im Internet nach Lösungen für mein Doppel-D-Problem und fand: die Brustverkleinerung.

Die Reaktion meiner Mutter darauf, dass sich ihre Teenager-Tochter operieren lassen möchte, hatte ich mir nicht gerade positiv vorgestellt. Tatsächlich lautete ihre Antwort aber in etwa: Wenn du das wirklich willst, unterstütze ich dich dabei. 

Von meiner Hausärztin, die mich in meinem Vorhaben unterstützte, ging ich zum Orthopäden, der mir Krankengymnastik verschrieb, und schließlich zu meiner Frauenärztin.

Da mir die beiden Ärzte zuvor sehr zu der Operation geraten hatten, war ich positiv gestimmt.

Aber meine Frauenärztin hatte eine andere Meinung. 

"Sie wissen schon, dass dadurch wahrscheinlich Ihre Fähigkeit, Kinder zu stillen, wegfällt? Warten Sie damit bis nach Ende Ihrer Familienplanung." In diesem Moment fiel für mich eine Welt in sich zusammen. Ich hatte mich so sehr auf mein Leben nach der Operation gefreut – und das rückte jetzt 30 Jahre nach hinten.

Zufällig hatte meine Mutter am gleichen Tag einen Termin bei einem anderen Frauenarzt und nahm mich dahin mit, um eine zweite Meinung einzuholen. Er sagte, dass es nur in sehr seltenen Fällen dazu kam, dass eine an der Brust operierte Frau überhaupt nicht mehr stillen konnte.

Dies bestätigt auf Nachfrage auch Torsten Kantelhardt, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

"Mütter müssen in vielen Fällen zwar zufüttern, die Stillfähigkeit bleibt aber in den allermeisten Fällen zumindest teilweise erhalten", so Kantelhardt.