Bild: picture alliance/Rolf Haid
Nicht nur dort gibt es Burkini-Diskussionen.

Sommertage im Schwimmbad können so schön sein. Ein wenig planschen, Eis und Pommes essen, gemütlich auf der Picknickdecke liegen. Das dachte sich auch die 28-jährige Güler D. Sie wollte mit ihrer Tochter und ihrer Schwägerin am vergangenen Donnerstag einen entspannten Nachmittag im Aquadrom in Hockenheim verbringen. Da sie ein Kopftuch trägt und alles außer ihrem Gesicht, ihre Hände und Füßen bedeckt, trug sie an dem Tag einen Burkini. Sie erzählt bento: 

"Ich hatte meinen Burkini schon an und wollte an der Kasse fragen, ob ich so ins Wasser darf. Die Frau dort war sehr nett und meinte, dass das kein Problem sei."

Über eine Stunde lang war das auch kein Problem. Als sie dann aber nach einer kurzen Pause wieder ins Wasser wollte, sei der Bademeister schreiend und pfeifend zu ihr gekommen. 

Güler erzählt:

"Er sagte mir, dass ich so nicht ins Wasser könne, weil der Burkini nicht seinen Vorstellungen entspreche."

Güler habe versucht, sich zu erklären. Sie habe gesagt, dass ihr Burkini extra fürs Schwimmen hergestellt worden und wasserabweisend sei. Der Bademeister habe das nicht glauben wollen und permanent versucht, den Ganzkörperanzug anzufassen. Die Diskussion um den Burkini sei immer lauter geworden. 

Am Ende habe der Bademeister sie aus dem Schwimmbad verwiesen. Er habe gelacht, als sie gesagt habe, dass sie sich beschweren werde.

Güler stört am meisten, dass der Bademeister nicht versuchte, in normalem Ton mit ihr zu sprechen. Den lauten Streit vor allen Leuten wegen ihres Burkinis empfand sie als diskriminierend und rassistisch.

"Der geschilderte Vorgang macht uns sehr betroffen. Wir und auch unser Freizeitbad Aquadrom distanzieren uns klar von rassistischem Verhalten", sagt der Pressesprecher der Stadt Hockenheim Christian Stalf auf Anfrage von bento. Noch sei aus Sicht der Stadt nicht klar, wie sich der Vorfall genau abspielte, da sich der Bademeister noch nicht geäußert habe. 

Es sei aber klar, dass Güler nicht als erste Frau mit einem Burkini im Aquadrom schwimmen war:

"In der Vergangenheit sind auch schon andere Frauen mit einem Burkini in unserem Schwimmbad schwimmen gegangen. Dabei gab es unserer Kenntnis nach keine Beanstandungen."

Die Diskussion um den Ganzkörper-Schwimmanzug ist nicht neu. Im August 2016 machte ein Vorfall aus Frankreich Schlagzeilen: Polizisten kontrollierten am Strand verschleierte Frauen und verhängten Bußgelder, weil Burkinis dort verboten waren (bento). Das sorgte europaweit für Aufregung, ein französisches Gericht stoppte das Verbot wieder. (bento)

Nicht nur in Frankreich, auch in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen um den Burkini. Aktuell in Essen: Wie die WAZ berichtete, soll ein Besucher eines Schwimmbades dem Gesundheitsamt Hygieneprobleme gemeldet haben, weil er muslimische Frauen gesehen habe, die mit Straßenkleidung ins Wasser gingen (Der Westen). Der Badeleiter lehnt diesen Vorwurf ab, sein Bad sei sauber. Ein CDU Politiker fordert ein komplettes Burkini-Verbot.

Der Vorfall ereignete sich im Oststadtbad in Essen, einer Stadt mit einem Migrantenanteil von etwa 24 Prozent (Mikrozensus 2011). Der Badeleiter Michael Bach nennt sein Schwimmbad deshalb auch "Multikultibad": An manchen Tagen seien 60 Prozent der Besucher Migranten. Viele muslimische Frauen könnten sich keinen Ganzkörper-Schwimmanzug leisten. Der Badeleiter erlaube deshalb synthetische Leggings, Radlerhosen und T-Shirts, die einem Burkini ähneln. (Der Westen

Und genau das wird kritisiert: Ein Besucher des Oststadtbads soll die Hygieneprobleme gemeldet haben, als er muslimische Frauen mit einem "selbstgemachten" Burkini sah. Laut der Badeordnung der Stadt Essen ist das Benutzen des Schwimmbeckens nur in Badekleidung erlaubt. Das Bäderpersonal müsse darüber entscheiden, ob eine Badebekleidung diesen Anforderungen entspricht.

Dirk Kalweit ist stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Essen und findet, dass es bei der Burkini-Diskussion nicht nur um Hygieneprobleme geht. Zu bento sagte er: 

"Ich denke, dass es für den sozialen Frieden und für die Gleichbehandlung zielführend ist, wenn man eine Badeordnung hat, die für alle gilt und das bedeutet auch, keine Ausnahmen zu machen."

Öffentliche Bäder sollten seiner Meinung nach ein säkularer Bereich sein. 

Meint: religionsneutral.

Religionsneutral? Der Islam gehört zu Essen: Laut der Brost-Stiftung gab es 2015 schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Muslime in der Stadt. Das sind zwischen sieben und neun Prozent der Einwohner. Außerdem gibt es etwa 25 Moscheevereine. (Brost-Stiftung). 

Mit bento wollte der Badeleiter des Oststadtbads nicht sprechen. Wie die Pressestelle der Stadt mitteilte, habe er Hassnachrichten erhalten und wolle jetzt lieber etwas Ruhe in die ganze Sache bringen. 

Um die Wasserqualität des Schwimmbads muss sich in Essen trotzdem niemand Gedanken machen: Die wird einmal im Monat im Oststadtbad überprüft. Bis jetzt gab es dem Amt zufolge keine Beanstandungen (Der Westen). 


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