Hochzeit in Trümmern

An der Grenze von Syrien zur Türkei liegt die kleine Stadt Kobane. Kurdische Kämpfer haben die Stadt im vergangenen Jahr gegen IS-Terroristen verteidigt.

Bei den heftigen Kämpfen wurden weite Teile von Kobane zerstört. Die Stadt liegt an einer wichtigen Versorgungsroute innerhalb von Rojava, dem autonomen kurdischen Gebiet im Norden Syriens.

Was überhaupt noch von Kobane übrig ist, zeigt ein Drohnen-Video von CNN International.

Ein Journalisten-Paar hat jetzt genau dort, mitten im zerstörten Kobane, Hochzeit gefeiert. Wir haben mit dem frisch vermähltem Ehepaar, Redwan Bezar und Viyan Eyub, gesprochen.

(Bild: Redman Bear)

Natürlich wünscht sich jeder seine Hochzeit schön und in einem großen Saal zu feiern, aber hier in Kobani ist alles zerstört. Es ist einfach nichts ist übrig.

Kobani ist die kurdische Bezeichnung für Ain al Arab.

Ehrlich gesagt war das ein hervorragendes aber gleichzeitig auch ein zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite fühlten wir die Freude und auf der anderen Seite die Trauer in uns.
Durch diese unkonventionelle Hochzeit mitten in Trümmern wollten wir ein Zeichen setzen. Wir wollten damit ein neues Leben in Kobani schaffen. Unsere Geschichte ist eine Hommage an Kobani, die Wunderstadt.
Wir haben alle Angst vor der Zukunft. Unsere Stadt ist bedroht durch die Islamisten oder aber auch durch die türkische Regierung, die in den Konflikt eingreift. Das ist eine große Bedrohung für uns. Aber ich habe noch die Hoffnung, dass Kobani sich bald erholen wird. Der Widerstand der jungen Menschen gibt uns Hoffnung.

(Bild: Redman Bear)
Wir haben noch den Glauben daran, dass Kobani irgendwann wieder aufgebaut wird. Und es wird dann nicht nur schön, sondern besser als es früher mal war. Wir sind ein Volk, das das Leben liebt, und sehnen uns nach einer Wende und nach Freiheit.

Kobane gehört aktuell wieder zu Rojava, dem von den syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierten Gebiet im Norden Syriens. Anfang Januar war der IS mit Hilfe von internationalen Luftangriffen zurückgedrängt worden. Noch im Juni versuchte der IS, die Stadt mit einem Überraschungsangriff einzunehmen. Bei den erneuten Kämpfen starben mehr als 170 Zivilisten.