Bild: dpa/Maurizio Gambarini
Das ist ziemlich daneben.

Rund 60 zum Teil Vermummte haben das Haus eines Polizisten im niedersächsischen Wendland belagert. Dort sollen sie bereits am Freitagabend versucht haben, die Familie des Beamten einzuschüchtern. Die Polizei spricht in ihrer Pressemitteilung von einer "neuen Qualität der Gewalt".

Demnach handelte es sich bei den Demonstranten um Mitglieder der linken Szene. Viele sollen vorher an einer friedlichen Protest in Gorleben teilgenommen haben, dann tauchten sie vor dem Privatgrundstück des Polizisten auf, sangen Lieder und brachten eine kurdische Flagge am Carport des Polizisten an. Die Personalien der Demonstranten wurden aufgenommen, zwei Männer kamen in Gewahrsam.

Der Polizist war nicht vor Ort – nur seine Familie war allein zuhause.

Eine Videoaufnahme zeigt einen Teil der Aktion:

Am Samstagabend verurteilte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius die Aktion. "Ich bin absolut davon entsetzt", schrieb der SPD-Politiker auf Facebook, die Aktion sei eine "unfassbare Grenzüberschreitung".

"Wenn der Name und die Adresse dieses Beamten [...] auf einschlägigen Seiten der linksautonomen Szene veröffentlicht werden und er dann zuhause mit seiner Familie Opfer einer solchen Bedrohungslage wird, können wir das nicht hinnehmen und müssen reagieren." 

Auch Politiker von CDU, FDP, der AfD und den Grünen verurteilten den Aufmarsch. 

"Dieser Angriff zeigt deutlich, wie weit mittlerweile die Gewalttaten gegen Polizeibeamte vorangeschritten sind und dass es Gruppen in dieser Bevölkerung gibt, die überhaupt keine Skrupel mehr haben, gegen Polizisten auch persönlich vorzugehen", hatte der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft DPolG, Alexander Zimbehl, gesagt und "eine eindeutige Reaktion seitens der Politik" gefordert. 

Wieso versammelten sich Autonomen vor dem Haus des Beamten?

Die Demonstranten sollen laut Pistorius Linksautonome sein, die Privatadressen von Polizisten im Netz öffentlich machen.

Der Vorfall könnte möglicherweise etwas mit einem Polizeieinsatz Anfang des Jahres zu tun haben. Eine Hundertschaft der Polizei hatte im Februar an einem linken Szenetreffpunkt in Meuchefitz ein Transparent mit Werbung für kurdische YPG-Kämpfer in Syrien beschlagnahmt. (bento)

Der Polizeibeamte, der am Freitag eingeschüchtert werden sollte, war laut NDR-Recherchen an dem Einsatz in Meuchefitz beteiligt. Auf einer linksautonomen Internetseite seien der Name des Polizeibeamten und seine Wohnadresse veröffentlicht worden. Dies könnte nun eine Racheaktion gewesen sein.

Mit Material von dpa

Anmerkung der Redaktion, 22. Mai 2018: Polizei und Politiker sprechen von einem "Angriff". In einer ursprünglichen Version hatten wir diesen Begriff übernommen.


Gerechtigkeit

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