Wer im weiteren Umland von Dresden unterwegs ist, kennt viele Ortschaften aus den abendlichen Nachrichten: Bautzen, Hoyerswerda, Freital, Heidenau. Die Straßenschilder zeigen Namen, bei denen sich der Reisende an Meldungen über Brandanschläge, Hetze und Naziaufmärsche aus den vergangenen Monaten erinnert.

Und man muss nicht mal weit in die Vergangenheit zurückblicken.

Ganz aktuell sind die Meldungen, auf die man gern verzichten würde. Und wieder dabei: Heidenau.

  • Bei einer fremdenfeindlichen Attacke sind dort am Freitagabend drei Flüchtlinge aus Afghanistan verletzt worden. Drei junge Männer im Alter von 17 und 18 Jahren sind aus einer Gruppe von etwa 30 Leuten zunächst beleidigt und dann angegriffen worden.
  • Die Polizei nahm später zwei Männer (18 und 20 Jahre) als Tatverdächtige fest. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Eine Reise durch die Region zeigt, dass die Grenzen zwischen Gegnern und Helfern verwischt sind: Flüchtlingshelfer entpuppen sich als besorgte Bürger, Flüchtlinge schimpfen über andere Asylbewerber und alle haben ähnliche Wünsche an die Politiker in ihrem Dorf, in ihrem Landkreis, in Deutschland, in Europa und weltweit. Und noch etwas haben sie gemein: das Gefühl, keiner hört mehr richtig zu.

Auf halbem Weg zwischen Dresden und Bautzen liegt Bischofswerda.

Anke Rölke ist dort Lehrerin am Goethe Gymnasium und setzt sich für Flüchtlinge ein. Ihr Engagement begann, nachdem sie im Ethikunterricht vor ein paar Jahren rassistische Äußerungen von Schülern gehört hatte. Ein Schock für die Lehrerin. Was tun? Reden, diskutieren, erklären? Das reichte ihr nicht. So knüpfte sie 2013 Kontakte in das örtliche Flüchtlingsheim.

Die Schüler kamen regelmäßig in die Unterkunft, veranstalteten Spielenachmittage, Kinoabende oder Konzerte, verbrachten Zeit mit den Asylbewerbern, der Verein Schüler für Flüchtlinge entstand.

In Bautzen wird Rölke auf der Straße beschimpft, wenn sie mit Flüchtlingen unterwegs ist.

Wenn ihr Verein für einen Ausflug einen Bus mieten will, lehnten die Unternehmen den Auftrag ab, sagt Rölke. Findet sich doch einen Bus, hämmeren an der Ampel schon mal Passanten gegen die Busscheiben, bis die Kinder anfangen zu weinen. Alltagsrassismus nennt Rölke das.

Rölke kontert mit deutschen Tugenden: "Wenn wir mit einer Gruppe von Flüchtlingen, vor allem mit Kindern, an Einheimischen vorbeikommen und im Chor 'Guten Tag!' sagen, freut das die Leute."

Rölke ist eine kluge Frau – und total unprofessionell, wie sie selbst sagt. Ihr Fehler: Sie lasse sich von den Schicksalen der Familien, der jungen und alten Männer, die nach Bischofswerda und Bautzen kommen, berühren.

Zum Beispiel von Ahmad Irshad aus Pakistan.
Ahmad Irshad, 28, aus Pakistan(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Irshad ist der Übersetzer für Rölkes Verein. Der 28-Jährige ist seit Anfang des Jahres in Sachsen, spricht schon recht gut Deutsch, dazu sieben weitere Sprachen. Auch er hat auf dem Bautzener Kornmarkt Ärger mit Deutschen gehabt. "Wenn es hier nur solche Leute geben würde, wäre ich vielleicht schon wieder gegangen." Er erlebe aber auch "so viel Liebe, Fürsorge, Menschlichkeit – das ist wichtiger als die Nazis".

Wenn es hier nur solche Leute geben würde, wäre ich vielleicht schon wieder gegangen.
Irshad Ahmad

Irshad will dem Land, das ihn – vorläufig – aufgenommen hat, etwas zurückgeben. Er hat ein Cricket-Team gegründet, das er jeden Sonntag auf dem Gelände des MSV Bautzen trainiert. Glücklich sieht er auf dem Rasenplatz im Gewerbegebiet der Stadt aus. Die Spieler werfen, schlagen, laufen und sie lachen viel – eine Pause vom Nichtstun im Heim.

Irshad ist höflich, zurückhaltend, gut gekleidet. Er spricht viele Sprachen, engagiert sich für andere, ist interessiert.

Und er hat einen Plan: ein deutsches Cricket-Team in internationale Wettbewerbe führen.

Sollte das nicht klappen, kann er noch mehr: In der Heimat hat er studiert, unter anderem Informatik. Das Problem: Irshad kommt nicht aus Syrien, sondern floh aus Pakistan vor politischer Verfolgung, sein Bruder wurde bereits getötet – seine Asylchancen sind winzig.

(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Arvid Samtleben würde Irshad sicher gerne ausreisen sehen. Auch er ist ordentlich gekleidet, höflich und freundlich, aber er sitzt für die AfD in Arnsdorf im Stadtrat.

Der 46-Jährige hatte zuletzt Bekanntheit erlangt, weil Frauke Petry den demokratisch gewählten Samtleben von der Wahlliste streichen ließ. Im Gespräch äußert er sich zu dem Fall eines psychisch kranken irakischen Flüchtlings, der in einem Supermarkt im kleinen Arnsdorf randaliert hat.

Die Polizei wurde gerufen, die ihn in die örtliche psychiatrische Klinik zurückbrachte – zwei Mal. Als der Flüchtling zum dritten Mal in den Supermarkt kam, griffen drei Bürger ein, die den schmächtigen Mann, der nach ihnen trat, schlugen, vor den Laden zerrten und dort mit Kabelbindern fesselten.

Samtleben vermittelt den Eindruck, er befürworte es, wenn Bürger das Recht auch mal in die eigene Hand nehmen. Später streitet er das ab, allerdings kann er den Wunsch nach einem Bürgerwehrverein verstehen: "Nachts gibt es hier in der Gegend überhaupt keine besetzte Polizeiwache mehr."

Wenn man den Notruf wähle, komme der Streifenwagen – wenn überhaupt – aus einer der näheren Großstädte und brauche dafür bis zu einer Stunde.

Natürlich können wir eine Million Flüchtlinge dauerhaft unterhalten – keine Frage. Aber wollen wir das?
Arvid Samtleben, AfD

Mehr Polizisten sind aber zu teuer – eine unbefriedigende Situation, wenn gleichzeitig Geld für Flüchtlinge da ist. Dabei gehe es gar nicht darum, sagt Samtleben, auch wenn er die Unzufriedenheit der Bürger unter anderem mit den kleinen Renten erklärt.

"Natürlich können wir eine Million Flüchtlinge dauerhaft unterhalten – keine Frage. Aber wollen wir das?"

Gegenfrage: Wollen wir Kriegsflüchtlinge an unseren Grenzen abweisen?

"Nein. Wenn da eine Mutter kommt, mit ihrem Kind im Arm, dann wird auch das Herz des härtesten Neonazis weich."

Aber viele, sagt Samtleben, kämen doch nur aus wirtschaftlichen Gründen. "Und die jungen Männer sollen doch bitte in ihrem eigenen Land in den Krieg ziehen und nicht stattdessen unsere Soldaten und Soldatinnen."

(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Die Meinung des AfD-Mannes unterscheidet sich nicht so sehr von den Ansichten einiger Flüchtlingshelfer, wie die beiden Seiten sich vielleicht wünschen würden.

Bei vielen mischen sich Skepsis und Kritik in die Hilfsbereitschaft.

Viele waren selbst besorgt angesichts der schieren Menge von Menschen auf der Flucht und engagierten sich zuweilen nur, um ein Zeichen zu setzen: gegen die Fremdenfeindlichkeit der Nachbarn.

Der andauernde Konflikt zwischen Willkommensbündnissen und Ablehnung zermürbt Dörfer und Kleinstädte überall in Deutschland und vor allem in Sachsen.

In Freital scheinen die Risse kaum noch zu kitten. In dem Dresdner Vorort hatte eine gut organisierte rechte Gruppe wochenlang Front gemacht gegen ein Erstaufnahmelager. Linke hatten sich dagegengestellt. Lange schaukelten sich beide Gruppen hoch. Im April dieses Jahres rückte die GSG 9 ein und nahm mutmaßliche Rechtsterroristen fest. Seitdem ist mehr oder weniger Ruhe in der 40.000-Einwohner-Stadt.

"Aber das kann jederzeit wieder aufflammen", sagt Stefan Vogl, Geschichtslehrer am örtlichen Gymnasium. Er ist im Willkommensbündnis Freital aktiv, jeden Mittwoch öffnet er die Sporthalle seiner Schule für Flüchtlinge.

(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Seine Stadt ist gespalten: "Hier gibt es seit Langem Parallelgesellschaften. Keiner redet miteinander, aber alle übereinander." Eine Versöhnung hält er für möglich, nur müsse man dann eben miteinander reden.

Während Vogl über die schwierige Lage in Freital spricht, kommen laufend junge Flüchtlinge vorbei, die in die Sporthalle wollen. Jeder grüßt, jeder lächelt, jeder gibt artig jedem die Hand – ein kleines Stück deutscher Leitkultur.

Nicht alle seien so vorbildlich, sagt Vogl: "Einige wollen keinen Deutschkurs machen, andere haben viel zu hohe Ansprüche." Von Anfang an müssten für die Flüchtlinge klare Regeln gelten, findet er, "das würde denen helfen, sich zu orientieren und den Einheimischen Sicherheit geben".

Wenn die demonstrieren, dann sitzen wir zu Hause und haben Angst.
Ramy al Zoubi

Aber auch Flüchtlinge, die sich an die Regeln halten, sind zuweilen enttäuscht: zum Beispiel Ramy al Zoubi. Der 38-jährige Syrer ist seit dem Sommer 2012 in Freital, er hat Deutschkurse besucht, arbeitete sich nach oben. Vom Jobcenter wird er als Dolmetscher für die ankommenden syrischen Flüchtlinge vermittelt.

Ramy al Zoubi, 38, aus Syrien(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Er weiß, dass einige Freitaler gegen Flüchtlinge sind. Wenn die demonstrieren, "dann sitzen wir zu Hause und haben Angst", sagt al Zoubi. Irgendwie hat er aber auch etwas gegen Asylbewerber: "Viele, die hierherkommen, haben keinen Grund zu fliehen. In Algerien, Marokko, Tunesien, Albanien droht keine Gefahr."

Er sei vor dem Krieg aus Syrien geflohen – jetzt ist er zwar sicher, aber irgendwie in einer Sackgasse. In Syrien, sagt al Zoubi, hatte er viel Geld, besaß ein Hotel, hatte viele Angestellte. Jetzt würde er gerne wieder etwas aufbauen, ein Restaurant, ein Café, einen Autohandel. "Aber dafür brauche ich Kapital, das ich nicht bekomme."

Er wirkt ratlos.

Hier kann er sein Leben nicht in die Hand nehmen – in die alte Heimat wird er aber nicht zurückkehren. Seine Kinder gehen in Freital zur Schule, die älteste Tochter ist auf dem Gymnasium. "Für sie ist Syrien ein fremdes Land. Für mich ist Deutschland eine Heimat, genau wie Syrien."

In Freital kommt es immer wieder zu Protesten gegen Flüchtlinge.(Bild: dpa)
Aber passt er wirklich hierher, nach Freital?

Kerstin Mager-Baran kennt Ramy al Zoubi nicht, aber sie dürfte zweifeln. Die 44-Jährige ist selbst eine Zugezogene: Sie kommt aus Thüringen, ihr Mann aus Aachen. Sie äußert Verständnis für die Unterstützer von Pegida und sie glaubt nicht, dass die Flüchtlinge sich ernsthaft integrieren wollen.

Einerseits.

Andererseits ist die Inhaberin eines Tanzstudios Mitglied im Freitaler Willkommensbündnis, hat Integrationsprojekte konzipiert und in ihrem Haus eine syrische Flüchtlingsfamilie eineinhalb Jahre lang aufgenommen.

Sie hat ihre Jugend in der DDR verbracht, ihr Studium im wiedervereinigten Deutschland. Sie kennt das Gefühl, wenn sich eine Welt auflöst und sie glaubt, es zeige sich auch in Freital. Viele fühlten sich hier ungerecht behandelt: "Ungerecht behandelt zu werden, war das latente Gefühl jedes DDR-Bürgers, der in die westdeutsche Gesellschaft gedrückt wurde."

Höchstens 300 Flüchtlinge sind jetzt noch in Freital, eine überschaubare Zahl für eine 40.000-Einwohner-Stadt.

Ist das jetzt zu schaffen?
Ja, hört man in vielen Gruppen und auf der Straße, irgendwann schon.

Mager-Baran glaubt das zwar auch, sagt aber: "Es gibt Grenzen der Integrationsbereitschaft. Die Flüchtlinge sind dazu bereit, Deutsch zu lernen, eine Ausbildung zu machen und eine Arbeit anzunehmen – wirklich integrieren wollen oder können sie sich nicht."

Ihr Beleg für die Schwierigkeiten: die syrische Familie, die sie aufgenommen hatte, ein Ehepaar aus Damaskus mit zwei kleinen Kindern.

Eine Asylbewerberunterkunft in Freital, vor der es tagelang Proteste und sogar gewaltsame Auseinandersetzungen gab.(Bild: Peter Endig/dpa)

Sehr gebildet seien die beiden, freundlich und aufgeschlossen, sagt Mager-Baran. Für den Mann hatte das Ehepaar Mager-Baran sogar eine Ausbildungsstelle als Baumaschinenführer organisiert – die er aber nicht beginnen wird.

Die Ehefrau, laut Mager-Baran die konservativere der beiden, fürchtete offenbar, in Freital nicht heimisch zu werden. Sechs Monate nachdem die Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt war, packten die Syrer ihre Sachen. Sie zogen nach Pforzheim, wo ihre weitverzweigte Familie lebt. "Sie sind in die Parallelgesellschaft abgetaucht", sagt Mager-Baran. Sie ist bitter enttäuscht – im Kreis der syrischen Exilgemeinde ist die Integration beendet, bevor sie richtig begonnen hat.

Schaffen wir das nun noch?

"Nein, wir schaffen es nicht, weil schon die deutsche Gesellschaft gespalten ist – wie sollen wir dann Hunderttausende Flüchtlinge integrieren?" Warum macht sie dann überhaupt noch so viele Integrationsprojekte? "Reine Notwehr!", ruft Mager-Baran und lacht.

Sie muss los, ihre Flüchtlinge warten auf sie.


Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Einfach mal machen? Diese Flüchtlingshelfer berichten, wie sie die Zeit am Hamburger Hauptbahnhof erlebt und die Erfahrungen sie verändert haben:
"Ich habe noch nie so viel geheult wie am Hamburger Hauptbahnhof.
Mit den Flüchtlingen habe ich unter der Treppe gepennt, Flüchtlingsgegner haben mir ins Gesicht gespuckt.
Die Zeit hat mich emotional gefickt. Es war wie im Rausch.
Im Dezember waren auf einmal mehr Helfer als Flüchtlinge da. Seitdem stehen wir nicht mehr am Hauptbahnhof.
Erst dann wurde mir bewusst, dass mich die Flüchtlingshilfe fast meine Existenz gekostet hätte.
Ich habe einen eigenen Friseursalon, wenn der Chef ständig weg ist, gibt es natürlich Probleme.
Kämen wieder viele Flüchtlinge an, würde ich sofort erneut zum Hauptbahnhof gehen."
"Ich bin seit zwei Jahren in Deutschland, die Monate am Hauptbahnhof waren die bisher beste Zeit für mich.
Ich war einer der ersten Helfer, habe nur drei oder vier Stunden pro Nacht geschlafen.
Ich stehe noch immer in Kontakt zu anderen Helfern, jeden Freitag treffen wir uns in einer Shisha-Bar.
Am Hauptbahnhof habe ich Freunde gefunden, die mir auch heute noch wichtig sind.
Ich beginne bald ein FSJ im Krankenhaus. Ohne meine Erfahrung am Hauptbahnhof hätte ich den Platz bestimmt nicht bekommen.
Ich werde in der Notaufnahme arbeiten, einen Probetag hatte ich schon. Die Ärzte haben mich gefragt, ob ich Blut sehen kann.
Was sie nicht wissen: Ich komme aus Syrien, habe aber mit meinen Eltern lange in Libyen gelebt, als dort der Bürgerkrieg schon ausgebrochen war.
Dort sah ich Menschen ohne Kopf auf der Straße liegen, habe Verwundete versorgt.
Was genau ich in Libyen erlebt habe, erzähle ich selbst Freunden nicht. Mit Blut habe ich jedenfalls kein Problem."
"Am Hauptbahnhof habe ich gemerkt, wie einfach es ist zu helfen. Wer sich nur Weltfrieden herbeiwünscht, wird nichts verändern.
Am Hauptbahnhof habe ich auch meinen Freund getroffen. Seit neun Monaten sind Ibrahim und ich nun ein Paar.
Wenn ich mit ihm zusammen bin, lerne ich viel über seine Kultur und er über meine. Er hat mir viele Fotos von seinem Leben in Syrien gezeigt.
Vor rund einem Jahr, mitten in der schlimmsten Phase der Flüchtlingskrise, war ich mit meiner Oma und Freunden von ihr in Sachsen wandern.
Einer dieser Freunde, ein älterer Herr, hat sich Sorgen gemacht, weil seine Nichte mit einem Syrer zusammen ist. So wie ich.
In diesem Moment habe ich gemerkt, dass diese Menschen ein ganz komisches Bild von Ausländern haben.
Ich hoffe und glaube, dass meine Generation anders tickt. In meiner Grundschulklasse hatte die Hälfte der Schüler türkische Wurzeln.
Für mich ist es normal, dass hier Frauen mit Kopftuch und Menschen mit schwarzer Hautfarbe herumlaufen.
Wir sind alle Menschen. Wir sind alle unterschiedlich – und doch gleich."
"Für mich hat die Zeit am Hauptbahnhof alles verändert. Ich habe dort unglaublich schnell Deutsch gelernt, weil ich einfach gelabert habe.
An den Gleisen habe ich auch Mina getroffen, jetzt sind wir seit neun Monaten ein Paar.
Ich habe eine Wohnung, einen Job bei H&M – all das wäre ohne die Monate am Hauptbahnhof nicht möglich gewesen.
Vor ein paar Wochen kam ein Syrer zu mir und sprach mich an: 'Ey, du bist doch derjenige, der mir am Hauptbahnhof geholfen hat!'
Ich hatte für ihn übersetzt und ihn zu seiner Unterkunft außerhalb der Stadt gebracht.
Jetzt wohnt er direkt neben mir, die Begegnung war wunderschön. Ich bin richtig glücklich, dass er sich noch an mich erinnert.
Vor einem Jahr kamen diese Menschen hier an und hatten nichts. Jetzt leben sie in einer Wohnung – so wie ich. Das macht mich stolz."
"Meine Heimfahrt werde ich nie vergessen. Ich saß im Zug von Hamburg nach Aarhus, Dänemark.
Gegenüber von mir saß ein Syrer mit seiner zehn Monate alten Tochter. Dem kleinen Mädchen gaben wir eine Banane und eine Flasche Milch.
Zwei deutsche Frauen hatten noch ein paar Kekse. Das Baby trank alles aus und aß auch fast die ganze Banane, so hungrig war es.
Dann fragten die Deutschen den Syrer, wo die Mutter sei. Sie war gestorben, eine Bombe hatte sie getötet.
In diesen Moment fingen wir an zu weinen. Alle gemeinsam: der Syrer, die deutschen Frauen und ich.
Stumm, um das Baby nicht zu beunruhigen. Das war der vielleicht traurigste Moment meines Lebens.
In den vergangenen Monaten habe ich mich besser kennengelernt. Ich weiß nun, wie hart ich arbeiten und was ich erreichen kann.
Meine Abschlussarbeit in Psychologie schaffte ich in der Hälfte der vorgesehenen Zeit. Jetzt arbeite ich für den dänischen Staat – als Flüchtlingshelferin.
Auf Deutschland werde ich mein Leben lang stolz sein. Angela Merkel sagt: Wir schaffen das – Dänemark hingegen hat die Grenze dichtgemacht.
Aber Merkel hat Recht: Die Flüchtlinge brauchen Hilfe, sie haben alles verloren. Und wir werden es schaffen."
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