Bild: Benjamin Eckert

Am 19. Februar 2020 erschoss ein rechtsextremistischer Attentäter neun ihm unbekannte Menschen, tötete anschließend seine Mutter und beging dann Suizid.  

Die Familien der neun Opfer sind traumatisiert. Die meisten von ihnen suchten noch in der Nacht des Anschlags an den Tatorten nach ihren Kindern, Geschwistern, Cousins und Cousinen. Erst als die Polizei die Namen der Toten in den frühen Morgenstunden bekannt gab, hatte ihr Warten ein Ende. 

Heute, ein halbes Jahr nach dem Anschlag, fürchten die Familien, dass die Verstorbenen in Vergessenheit geraten. Und dass die Tat nie ganz aufgeklärt wird. 

Wir haben mit Angehörigen aus jeder Familie gesprochen. Mit Menschen, die Fragen haben. Menschen, die nach Antworten suchen. 

Manchen war es wichtig zu erklären, warum sie sehr wohl Deutsche sind, auch wenn das Attentat vom 19. Februar etwas anderes suggeriert. Andere fordern, Deutschland müsse endlich wach werden im Umgang mit Rassismus, sie fragen sich, wie viele Menschen noch sterben müssen, bis endlich etwas geschieht. 

Was alle eint, ist der Schmerz. 

Wir haben sie gefragt, wer der Mensch für sie war, der ihnen genommen wurde. Und wir haben sie gefragt, was Deutschland ihrer Meinung nach im Umgang mit Rassisten lernen muss. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören. 

Die jeweils zweistündigen Gespräche haben wir zu Protokollen verdichtet und diese den Familien zur Autorisierung vorgelegt. 

Vom 19. August 2020 an, genau ein halbes Jahr nach dem Anschlag, werden wir jeden Tag eines der Protokolle veröffentlichen – in der Reihenfolge, in der wir die Gespräche geführt haben. 

Der Hanauer Anschlag und seine Opfer sind Teil deutscher Geschichte. Hanau ist ein Mahnmal, nicht nur an den 19. jeden Monats, an den Jahrestagen und Jubiläen. Hanau ist jeden Tag. Es ist die Aufgabe unserer Gesellschaft, das nicht zu vergessen.

Filip Goman über seine Tochter Mercedes Kierpacz:
"Sie wollte doch nur Pizza holen, für die Kinder"

(Bild: Benjamin Eckert)

Emiş und Selahattin Gürbüz über ihren Sohn Sedat Gürbüz: "Wenn ich an seinem Grab stehe, möchte ich die Erde weggraben und den Jungen da rausholen"

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Armin und Dijana Kurtović über ihren Sohn Hamza Kurtović: "Ich glaube, dass vieles anders gelaufen wäre, wenn die Opfer andere Namen hätten"

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Saida und Mir Salam Hashemi über ihren Sohn und Bruder Said Nesar Hashemi: "Ich war froh, als er begraben wurde. Ich wollte, dass seine Leiche nicht mehr herumgereicht wird"

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Hayrettin und Derya Saraçoğlu über ihren Bruder und Schwager Fatih Saraçoğlu: "Warum sollte hinter dem Vorhang nicht jemand sein, der mich töten will?"

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Çetin Gültekin über seinen Bruder Gökhan Gültekin: "In der Hand hielt er das Herz meines Bruders"

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Iulia und Niculescu Păun über ihren Sohn Vili Viorel Păun: "Manchmal denke ich, es ist meine Schuld. Ich habe gesagt, dass es in Deutschland gut ist"

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