Bild: Axel Heimken / dpa
Und was die Hamburger Grünen und die "Fridays for Future"-Bewegung der Stadt verbindet.

Am Sonntag wird in Hamburg die Bürgerschaft neu gewählt, und schon vor Wochen hat "Fridays for Future" die einzige Landtagswahl des Jahres zur Klimawahl erklärt. Passenderweise wird die spannendste Frage des Wahlabends die nach dem Machtzuwachs der Grünen sein. Aber was bedeutet das eigentlich für die Bewegung? Profitieren Grüne und "Fridays for Future" in Hamburg voneinander?

Durchaus, sagt zumindest Ivy May Müller von den Grünen. Die 23-Jährige wird wahrscheinlich bald in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzen. Sie fühlt sich "Fridays for Future" verbunden, geht regelmäßig zu den Klimastreiks in Hamburg. Sie sieht einen gewissen Einfluss der Bewegung auf das Programm der Grünen. "Sie verschieben den Frame", sagt sie. "Sie haben einen gesamtgesellschaftlichen Druck aufgebaut, der auch innerparteilich dazu führt, dass man durch neuen Mut und Rückenwind für das Thema seine Forderungen verschärft." Und weil nun auch andere Parteien beim Klimaschutz aktiv werden, könnte man bei den Grünen radikalere Forderungen aufstellen, die vor "Fridays for Future" noch undenkbar gewesen wären. 

Ivys Profilbild auf Instagram ziert ein Demoaufruf für diesen Freitag in Hamburg. "Fridays for Future" mobilisierte deutschlandweit dafür, man rechnet mit 30.000 Teilnehmenden. Stargast Greta Thunberg hat sich angekündigt. Den Grünen dürfte das nützen, so kurz vor den Wahlen. Auch sonst sind die Voraussetzungen gut für die Partei. Hamburg ist mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Bürgerinnen und Bürger das jüngste Bundesland der Republik, bei der Europawahl 2019 waren die Grünen hier der klare Wahlsieger.

Obwohl die Demo der Partei entgegenkommen dürfte, sehen nicht alle bei den Grünen die Verbindung zu "Fridays for Future" so positiv wie Ivy. Man sei nicht der parlamentarische Arm der Bewegung, heißt es etwa. Und die Aktivistinnen und Aktivisten wiederholen, parteiunabhängig zu sein, auch wenn natürlich eine gewisse Nähe zu den Grünen naturgegeben sei. Dass viele von ihnen, auch in den vorderen Reihen, Mitglied der Grünen oder ihrer Jugendorganisation sind, ist kein Geheimnis.

Nicht immer einig, trotz gemeinsamer Parteizugehörigkeit: "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer (l.) und Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Fegebank.

(Bild: Georg Wendt / dpa)

So zum Beispiel auch der 17-jährige Jan Niemand. Er ist Sprecher der Grünen Jugend in Pinneberg, organisiert aber auch bei "Fridays for Future" in Hamburg mit. Die Forderungen in der Klimapolitik seiner Mutterpartei findet er teilweise zu unambitioniert. "In manchen Bereichen merkt man, dass die Ziele der Grünen nicht konsequent genug sind, um das einzuhalten, was ich verfolge, und was auch 'Fridays for Future' verfolgt", sagt er. Seiner Mutterpartei wirft er vor, zu vorsichtig zu agieren, aus Angst, Wählerstimmen zu verlieren. "Dabei erkennen sie gar nicht, wie offen die Hamburgerinnen und Hamburger für konsequente Klimapolitik sind." So würde sich eine Mehrheit eine autofreie Innenstadt wünschen – eine Forderung, die die Grünen nicht mittragen.

In den vergangenen Wochen haben die Klimaschützer so aktiv im Wahlkampf mitgewirkt, wie wohl bei keiner Wahl zuvor. Sie haben Forderungen aufgestellt, wie Hamburg eine Vorreiterrolle einnehmen könnte, um als erste deutsche Millionenstadt Klimaneutralität zu erreichen. Und sie haben versucht, diese Forderungen in die Parteien zu tragen: In den drei Wochen vor der Wahl trafen sie sich mit dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank von den Grünen und forderten ein Bekenntnis von ihnen zu mehr Ehrgeiz beim Kampf gegen den Klimawandel.

Bei der SPD prallte das jedoch eher ab. Zwar betont der amtierende Erste Bürgermeister immer wieder, wie wichtig ihm Klimaschutz sei, er beharrt allerdings auch auf dem aktuellen Klimaplan, den der Senat erst kürzlich vorgelegt hat. Dieser soll den Stadtstaat bis 2050 klimaneutral machen. Viel zu spät, sagt "Fridays for Future". 

Die Grünen schlagen sich hingegen auf die Seite der Aktivistinnen. Klimaneutralität bis 2035, das wollen beide Gruppen als Ziel, Differenzen gibt es in erster Linie bei der Art und Weise, wie man das erreichen will. So erteilten die Grünen der Forderung, alle Hamburger Kohlekraftwerke bis 2025 abzuschalten, bereits eine Absage.

Trotz der Verbundenheit zwischen der Bewegung und Partei, die nicht zuletzt in Personen wie Ivy May Müller oder Jan Niemand besteht, gibt es auch jetzt schon Abgrenzungs-Gedankenspiele bei manchen "Fridays for Future"-Mitgliedern, beispielsweise in Form einer Parteigründung. Auf einem Kongress der Bewegung Anfang Januar ging es einem kleinen Panel genau darum, wenn auch nicht unter dem "Fridays for Future"-Label.

Die vorderen Reihen der Bewegung sind zur Zeit nicht daran interessiert. Sie setzen darauf, Druck auf das bestehende System auszuüben. In Hamburg könnte dann, in wenigen Jahren, der Realitätscheck erfolgen. Die Grünen sind vor 40 Jahren aus der Umweltbewegung entstanden. Es könnte sich schon bald zeigen, ob diese Grünen auch auf die junge Klimabewegung zählen können – oder ob "Fridays for Future" eine eigene politische Heimat benötigt. 


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