Hamburg: Blumen und Kerzen und ein Schild mit der Aufschrift "Er suchte Hilfe im UKE" stehen und liegen auf dem Gelände des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) vor der Psychiatrie.
Bild: Daniel Bockwoldt / dpa
Was wir bisher wissen.

Auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) ist am 26. April der 34-jährige Kameruner William T. verstorben – nach einer fünf Tage zuvor geschehenen, gewaltsamen Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst der Klinik . 

Die genauen Umstände des Todes sind bisher noch unklar. Klinik, Polizei und Interessengruppen kämpfen um die Deutung. Es ist eine gesellschaftliche Diskussion entbrannt, dem Sicherheitsdienst und dem Klinikum werden struktureller Rassismus und grundlos ausufernde Gewalt vorgeworfen. 

Was bisher über den Tod von William T. bekannt ist: 

  • Der 34-Jährige hat sich ersten Berichten zufolge selbst in Behandlung an der Psychiatrischen Klinik des UKE begeben (SPIEGEL ONLINE). Der Grund hierfür ist öffentlich nicht bekannt.
  • Auch, wie lange er an diesem Zeitpunkt bereits in Behandlung war, ist aktuell nicht bekannt. Medienberichten zufolge war er aber nicht in der geschlossenen Psychiatrie, sondern in der Tagesklinik untergebracht – hatte demnach also die Freiheit, das Gelände zu verlassen. (Zeit)
  • Weil sich sein Zustand verschlechtert habe, soll die die diensthabende Ärztin die "Unterbringung" beim zuständigen Gericht beantragt haben, also einen durch mögliche Selbst- oder Fremdgefährdung begründeten Freiheitsentzug. Bevor der dafür nötige Beschluss vorlag, soll T. am 21. April versucht haben, das Gebäude des Klinikums zu verlasse. (Polizei Hamburg). Laut §12 des "Hamburgischen Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten" haben Ärztinnen und Ärzte allerdings das Recht, kurzfristig auch ohne richterlichen Beschluss eine "Unterbringung" durchzusetzen, etwa bei akuten Gefahren für Leib und Leben wie Suizidversuchen.
  • Nach bisher ungeklärten Umständen war es vor dem Gebäude der Psychiatrie zur körperlichen Auseinandersetzung zwischen T. und drei Angestellten des Klinik-Sicherheitsdiensts gekommen, die ihn am Boden fixierten. 
  • Augenzeugen zufolge habe T. vor dem Gebäude eine Zigarette geraucht, als er von den Sicherheitsleiten angegangen wurde. Sie beschrieben das Vorgehen der drei Männer als überaus brutal, außerdem sei T. während des Kampfs von den Sicherheitsleuten rassistisch beleidigt worden. Die Augenzeugen riefen schon während des Kampfes die Polizei. (taz)
  • Eine Ärztin soll dem Mann an diesem Punkt Beruhigungsmittel verabreicht haben. 
  • Kurz darauf lag der Kameruner im Koma. (taz)
  • Am 26. April starb T. im UKE. (UKE)
  • Am 29. April wurde das vorläufige Obduktionsergebnis veröffentlicht: Todesursache war demnach Herzversagen. (NDR)

Was sagt die Klinik zum dem Vorfall? 

In einer ersten Pressemeldung teilt das UKE mit: "Der Patient hatte sich der Anordnung der Unterbringung widersetzt und musste von dem zwischenzeitlich hinzugerufenen Sicherheitsdienst des UKE fixiert werden, als er aus bisher ungeklärten Umständen zusätzliche medizinische Hilfe benötigte. Das begleitende ärztliche und pflegerische Personal hat umgehend die medizinische Versorgung vor Ort eingeleitet und weitere Hilfe angefordert. Der Patient ist am 26. April auf der Intensivstation des UKE verstorben."

Am Nachmittag des 29. April legte das UKE nach und ging auf die Vorwürfe ein: “Wir sind zutiefst bestürzt über den Tod unseres Patienten. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und unterstützen die vorbehaltlose Aufklärung der Ereignisse mit allen Kräften. Rassismus hat im UKE keinen Platz. Wir stehen im UKE konsequent für Toleranz und eine weltoffene Gesellschaft.”

Was sagen die Interessengruppen? 

Der Interessenverband "Black History Month Hamburg" spricht von einem "rassistischen, menschenverachtenden, brutalen und tödlichen Übergriff" und organsierte am vergangenen Sonntag eine Mahnwache vor der Psychiatrie des UKE. Zudem wurde ein von zahlreichen Gruppen unterzeichneter, offener Brief an das UKE veröffentlicht. 

Darin steht unter anderem: "Solche Begegnungen finden viel zu oft statt und spiegeln die rassistische und menschenverachtende Wahrnehmung gegenüber Schwarzen Menschen als aggressiv und gewalttätig wider, denen unabhängig von äußeren Umständen oder persönlichen Situationen eher mit tödlicher Gewalt als mit Mitgefühl begegnet werden muss." 

Damit spielen sie auf den Fall Achidi John an: 2001 war der Nigerianer im UKE nach polizeilich angeordneter Verabreichung eines Brechmittels verstorben. Der Todesfall sorgte in einigen Bundesländern für das Ende der umstrittenen Praxis, hatte aber keinerlei strafrechtliche Konsequenzen. (taz)

Was sagt die Politik zum Fall? 

Bisher macht vor allem die Fraktion der Linken in der Hamburger Bürgerschaft auf den Fall aufmerksam. Christiane Schneider, Fachfrau für Menschenrechte und Geflüchtete bei den Hamburger Linken, forderte "restlose Aufklärung". 

Ihr Parteikollege Deniz Celik stellt infrage, ob der Sicherheitsdienst überhaupt Gewalt hätte anwenden dürfen: 

Der Hamburger Senat und die Wissenschaftsbehörde teilten am Montag eine umfassende Aufklärung an. (NDR)

Was weiß man über den Sicherheitsdienst des UKE? 

Die Mitarbeiter gehören alle zur UKE-Tochtergesellschaft "KLE Klinik Logistik & Engineering GmbH". Branchenkenner kritisieren, dass Angestellte aus dem Türsteher-Milieu stammen sollen. 2017 sei dem UKE bereits ein 17-seitiger Bericht über das "hohe Maß an Gewaltbereitschaft innerhalb ihres Sicherheitsteams" vorgelegt worden. (MOPO

Patienten des UKE sollen die Sicherheitsleute laut dem offenen Brief als "eskalativ" beschrieben haben.

Eine Mitarbeiterin* des UKE hingegen erklärt gegenüber bento, dass das Sicherheitspersonal ihrer Erfahrung nach grundsätzlich eher deeskalierend auftrete. Gerade in der geschlossen psychiatrischen Abteilung, den Entzugsstationen und der Zentralen Notaufnahme würden die Sicherheitsleute vor allem einschreiten, wenn Patienten drohten, sich selbst oder andere zu verletzen. Gerade, wenn bei akut aggressiv auftretenden Patienten kein Sicherheitspersonal vor Ort sei, fühle sie sich bei der Arbeit eher bedroht: "Schon die Anwesenheit sorgt für eine ruhigere Stimmung." Und: "Die sind definitiv nicht rassistisch." 

Das Aufgabengebiet des Dienstes wird in einer Stellenausschreibung der Klinik wie folgt beschrieben: 

"Bei Bedrohungssituationen des Personals, insbesondere in der Notaufnahme, müssen Sie auf aggressive Patienten/innen oder Besucher/innen beruhigend einwirken, diese bei Bedarf bewachen oder ggf. vom Gelände verweisen."

Für die Einstellung sind laut Ausschreibung aber keine besonderen Kenntnisse um Umgang mit psychisch kranken Menschen notwendig. (UKE)

Wie reagiert die Polizei? 

Das LKA ermittelt nun gegen die drei Sicherheitsleute und die Ärztin, zunächst wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge. (Polizei Hamburg)

*Name ist der Redaktion bekannt. 


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