Bild: dpa/Screenshot
Am Ende berührt es sogar die Polizisten.

Es wirkt wie der Kampf von David gegen Goliath: Hunderte Polizistinnen und Polizisten aus ganz Deutschland sind seit Tagen im Einsatz, um einige Dutzend Umweltaktivistinnen und -aktivisten aus dem Hambacher Forst bei Köln zu holen. Die Aktivisten haben den Wald besetzt, um seine Abholzung durch den Energiekonzern RWE zu verhindern. 

Die Auseinandersetzung wird mit harten Bandagen geführt. Viele der Umweltschützerinnen haben sich in selbstgebauten Baumhäusern hoch oben zwischen den Gipfeln verbarrikadiert. Etwa 50 davon soll es geben. Die Polizei ist deshalb mit Hubwägen, Räumfahrzeugen und speziell ausgebildeten Kletterern im Einsatz. 

Weil einige der Aktivisten in den Baumhäusern auch ihre Notdurft direkt über den Polizisten verrichtet hatten, sind manche Beamte bei der Räumung inzwischen mit besonderen Anzügen im Einsatz. (SPIEGEL ONLINE)

Mittlerweile wurde viele der Baumbesetzerinnen und -besetzer aus dem Wald gebracht. Manche der Aktivisten lebten mehr als fünf Jahre im Hambacher Forst. Die Besetzung gilt für viele als Symbol des Widerstands gegen den Kohlebergbau, für den Wald abgeholzt werden soll. 

Doch warum leben junge Menschen jahrelang ohne fließendes Wasser oder einen Stromanschluss mitten im Wald?

Ein Video, das sich in den vergangenen Tagen schnell verbreitete, kann diese Frage vielleicht zum Teil beantworten. Darin ist zu sehen, wie eine Aktivistin unter Tränen von ihrem Leben im Hambacher Forst und ihren Motiven für das alternative Lebenskonzept berichtet:

"Sie denken wahrscheinlich, sie haben gewonnen, aber sie brauchen den Wald genauso." Bewegendes Statement einer Aktivistin (eingefangen von Antonia Greco und für uns freigegeben durch die Aktivistin). 😢 #HAMBIBLEIBT 🌳✊#HambiHeldinnen

Posted by Soli für Hambi #keepitintheground on Saturday, September 15, 2018

Ihre Geschichte scheint auch die umstehenden Polizeibeamten nicht unberührt zu lassen. Im dem Clip ist zu sehen, wie sich ein Polizist direkt neben der Frau unsicher zur Seite dreht. Immer wieder blickt er zu Boden, weder er noch sein Kollege unterbrechen die aufgewühlt wirkende Frau.

Das Video entstand vermutlich kurz nach einer Räumung im Hambacher Forst und wurde von der Facebookseite "Soli für Hambi" veröffentlicht, die die Besetzung unterstützt. Mittlerweile wurde der Clip mehrere Hunderttausend Mal angeklickt.

Sechs Zitate aus dem Video:

1. Über die Auseinandersetzung im Hambacher Forst

Die denken wahrscheinlich, sie haben gewonnen. Die können nicht gewinnen, weil sie diesen Wald genauso brauchen.
Hinter diesen Menschen steht ein Konzern ohne Zukunft

2. Über die Motive der Umweltaktivisten

Die haben nicht verstanden, dass wir nicht für uns kämpfen sondern für uns alle.
Ich weiß, dass ich das Richtige mache.


3. Über das Leben in den Baumhäusern

Sie werden nie verstehen, wie es ist auf einem Baumhaus zu sitzen und zu fühlen, dass man auf einem lebenden Wesen wohnt.
Sie werden nie verstehen, wie es ist, mit Menschen zusammenzuleben, denen es scheißegal ist, wie du heißt, wie alt du bist oder was für einen Schulabschluss du hast.

In den Wald zurückkehren will die Aktivistin offenbar nicht. Am Ende des Videos sagt sie, dass für sie zähle, dass sie sich gewehrt habe: "Es war die beste Zeit meines Lebens."


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