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Wir haben bei der Verbraucherzentrale nachgefragt.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat am Freitag vorerst die Rodung des Hambacher Forsts gestoppt. (bento) Drei Wochen lang hatte die Polizei für den Energiekonzern RWE den Wald geräumt. Am Samstag kamen nun rund 50.000 Menschen im Forst zusammen, um den Stopp zu feiern und erneut zu protestieren. (bento war mit der Kamera dabei)

Aber Menschen halten aus Protest nicht nur Schilder hoch: Seit dem Beginn der Räumungen kündigen zahlreiche Menschen ihre Verträge bei RWE, E.ON, Innogy und anderen Energieanbietern und wechseln zu Ökostromanbietern.

bento hat bei den Unternehmen nachgefragt:

  • Greenpeace Energy gibt an, dass sie im Räumungszeitraum mehr als 2.000 Neukunden gewonnen hätten. Das sei fast vier mal so viel wie üblich. Mehr als ein Drittel der Kunden seien vorher bei RWE oder Anbietern, die zu RWE gehören gewesen.
  • Naturstrom gibt ebenfalls an, dass sie mehr Neukunden gewonnen hätten. In den letzten beiden Wochen hätten sie doppelt so viele Neukundenverträge bekommen, wie im bisheringen Jahresverlauf. Jeder Dritte von ihnen käme aus einem Umkreis von 50 Kilometern um den Hambacher Forst.
  • Auch die Bürgerwerke, ein Zusammenschluss von mehr als 85 Bürger-Energie-Genossenschaften, melden einen starken Anstieg bei Neukunden. In der ersten Woche seien fünf Mal so viele Menschen zu ihnen gewechselt, wie sonst.

In einer Pressemitteilung gibt Bürgerwerke-Vorstand Kai Hock an, dass viele Menschen sie kontaktieren würden, weil sie unzufrieden mit der Situation im Hambacher Forst seien. Über die Hälfte seien von RWE und RWE-Tochterfirmen gewechselt.

Die Zahlen und Aussagen lassen vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Protest gegen die Braunkohleförderung und den Neukunden gibt. Welche Gründe am Ende bei den Kunden und Kundinnen für einen Wechsel ausschlaggebend waren, könnte aber nur mit Hilfe einer direkten Befragung herausgefunden werden.

Wie effektiv ist diese Form des Protests?

Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW findet ihn nicht besonders effektiv. "Ich finde es überzogen von Ökostromanbietern, den Kunden das Gefühl zu geben, sie könnten mit einem Wechsel RWE wehtun. Das ist zu kurz gedacht." Er geht davon aus, dass die geringe Anzahl an Kündigungen RWE am Ende nicht viel ausmache.

Des Weiteren wirft er den Ökostromanbietern vor, mit grünem Strom zu werben – letztlich bezögen sie dieses aber vor allem aus dem Ausland (zum Beispiel Schweden und Österreich) und nicht aus Deutschland. Das machten Greenpeace und Co. ihren Kundinnen und Kunden aber nicht klar. 

"Diese Importe kosten Ökostromanbieter nicht viel. Erst, wenn sie ihren Gewinn benutzen, um Umweltprojekte für die Energiewende zu fördern, wird das Ganze wirkungsvoll", sagt Sieverding. Deshalb solle man sich vor dem Wechsel genau über die Unternehmen informieren.

Die lokalen Stadtwerke können laut Sieverding eine gute Option sein, denn die seien am Ende für den Netzwerkausbau und damit für die Energiewende direkt vor Ort verantwortlich.

Sieverding erklärt, die Politik fördere den Ausbau erneuerbarerer Energien nicht genug. Für eine erfolgreiche Energiewende helfe kein Anbieterwechsel, sondern nur eines: erneuerbare Energien müssten ausgebaut, Energie gespart und Windkraftwerke in die Landschaften gebaut werden.

Zusammengefasst heißt das: Die Erzeugung von Ökostrom in Deutschland werde laut Sieverding nicht genug vorangetrieben. Der Import von Grünstrom bringt die heimische Ökostromversorgung und damit den Ausbau Erneuerbarer Energien nicht voran.

Wie geht es weiter?

Für die Bürgerwerke ist die aktuelle Wechselwelle die größte seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima, gaben sie in einer Pressemitteilung bekannt.

Sieverding findet den Vergleich allerdings überzogen. "Ich will die Zahlen gar nicht klein reden, aber bei Fukushima haben sich die Kundenzahlen bei Ökostromanbietern in kürzester Zeit verdoppelt."

Er schätzt, dass der Trend in den nächsten Wochen weiter anhalten wird, die Zahl der Wechselnden aber bald zurückgehen wird.


Grün

Die Öko-Suchmaschine Ecosia bietet RWE eine Million Euro für den Hambacher Forst
Warum das trotzdem nichts bringen wird. Drei Fragen und drei Antworten zu dem Angebot.

Die Rodung des Hambacher Forsts ist vorerst gestoppt (bento). Damit RWE den Braunkohleabbau nicht irgendwann doch fortsetzt, legen die Betreiber der umweltfreundlichen Suchmaschine Ecosia nun ein Angebot vor.

Wer ist Ecosia und was ist das für ein Angebot an RWE?

Die Suchmaschine Ecosia hat nach eigenen Angaben acht Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen verwende Ecosia die Einnahmen von Anzeigenkunden dafür, Bäume zu pflanzen. 

Außerdem würden dank der Gewinne Rücklagen gebildet. Génica Schäfgen von Ecosia teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, dass aus diesen Rücklagen der Hambacher Forst gekauft werden sollte, falls RWE dem zustimme.