Bild: Jannis Große
Die Polizei setzte unseren Fotografen fest.

Hand in Hand gehen Fauen und Männer in Richtung des Braunkohlebaggers. Einige klettern über eine Metalltreppe auf das haushohe Ungetüm. Andere setzen sich vor den Bagger. Sie haben Schlafsäcke dabei. "End coal now" steht auf einem Regenschirm.

(Bild: Jannis Große)

Das ist auf Bildern zu sehen, die der Fotojournalist Jannis Große, 21, an einem Morgen im vergangenen Oktober gemacht hat. Sie zeigen Aktivistinnen und Aktivisten von "Ende Gelände". Die jungen Männer und Frauen besetzten an diesem Morgen den Bagger von RWE. Sie waren nur einige wenige von Tausenden Demonstrierenden, die gegen den Kohleabbau von RWE am Hambacher Forst protestieren.

Große ist Journalist, im Auftrag von bento sollte er berichten. Wir wollten wissen, wie der Protest gegen RWE abläuft. Für Journalisten ist in solchen Fällen auch interessant, wie Einsatzkräfte reagieren. Beobachten, was passiert, das ist in solchen Fällen unser Job. Damit sich die Öffentlichkeit unabhängig informieren kann und nicht einer der beiden Seiten glauben muss. Meist respektieren Polizistinnen und Polizisten unseren Job.

Diesmal nicht: Die Polizei setzte Große zusammen mit mehreren Aktivistinnen und Aktivisten fest. 

Mehr als zehn Stunden musste er in einer Gefangenensammelstelle ausharren, obwohl er sich als Journalist zu erkennen gab, mit Presseausweis und Redaktionsauftrag – und obwohl er Abstand von den Aktivistinnen und Aktivisten eingehalten hatte.

Große musste sich nackt ausziehen. Die Polizei nahm ihm Kamera und Speicherkarte ab. Die Bilder sollten als Beweismittel genutzt werden, teilte ihm die Polizei mit. Ein staatlicher Eingriff in die journalistische Arbeit – Große widersprach. (bento)

Erst am Montag, rund vier Monate später, hat Große seine Kamera und die Speicherkarte wieder. Statt einer Entschuldigung gibt es Vorwürfe: Hausfriedensbruch und Nötigung einer RWE-Mitarbeiterin wirft ihm die Polizei vor. Große weist die Vorwürfe entschieden zurück. Er habe das Geschehen lediglich dokumentiert, zu keinem Zeitpunkt eine RWE-Mitarbeiterin gesehen.

"Es ist erstaunlich, dass die Polizei vier Monate gebraucht hat, um mir meine Sachen auszuhändigen", sagt Große.

Sie hätten die Bilder von der Speicherkarte ja auch einfach kopieren können.
Jannis Große

Wir zeigen an dieser Stelle die Bilder, die wir schon im Oktober zeigen wollten:

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Unsere Stellungnahme


Ole Reißmann, Redaktionsleitung bento: "Die Polizei muss sicherstellen, dass Journalistinnen und Journalisten ihrer Arbeit nachkommen können. Das schließt die begleitende Berichterstattung bei öffentlichen Aktionen mit ein. Wir protestieren gegen das Vorgehen gegen unseren freien Mitarbeiter. Die Bilder dienen der Berichterstattung, sie sind von öffentlichem Interesse.


Streaming

Netflix-Serie "The Umbrella Academy": Wie "Gilmore Girls" mit Superkräften
Wir schauen gleich alle Folgen.

Ihr liebt Serien über kaputte Familien, die sich trotzdem liebhaben? Die meisten Superhelden sind euch zu glatt? Ihr mochtet Jessica Jones, konntet danach aber nicht schlafen? Dann ist "The Umbrella Academy" vielleicht was für euch. 

Die neue Netflix-Serie ist auf eine gute Art sehr seltsam und passt in kein einziges Genre: Es gibt actiongeladene Gewaltexzesse mit Tarantino-Anspielungen zu richtig cooler Musik. Es gibt sprechende Affen, Robotermütter und Zeitreisen. Es gibt Mordfälle, Mystery und Mary J. Blige. Aber vor allem geht es um eine Gruppe Menschen, die als Kinder von einem Billionär adoptiert wurden, weil sie besondere Fähigkeiten haben. Er wollte aus ihnen ein Team von Superhelden machen – doch am Ende wurden sie nur eine äußerst unglücklichen Familie.

Der Zuschauer trifft die Geschwister Jahre später, nach dem Tod ihre superreichen Ziehvaters. Sie sind keine Helden, sondern traumatisierte Menschen mit gescheiterten Existenzen. Bei der Trauerfeier sagt nach langer Stille irgendjemand: "Er war ein Monster."