Bild: Chantal Barlow

Es gab Momente in ihrem Leben, da konnten sie nicht lachen. Jetzt blicken sie in die Kamera, als wollten sie sagen: "Ich bin stark, ich fühle mich wohl so wie ich bin." Ihre Blicke zweifeln nicht, sie schenken Zuversicht.

Die Künstlerin Chantal Barlow, 29, hat junge Frauen fotografiert, die häusliche Gewalt erlebt haben. Herausgekommen sind Porträts selbstbewusster Frauen.

Sie wollen Mut machen und offen über das reden, was passiert ist.
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Da ist Brittanie, die Gewalt von jemanden erlebt hat, der oft betrunken war. Oder Susan, die sexuell missbraucht wurde; ihr Peiniger hat ihr vorgeworfen, Ereignisse erfunden und gelogen zu haben – Gaslighting heißt der Fachbegriff. Da ist Misty, die Gewalt von ihrer Freundin erfahren hat, eine führende Angestellte beim Militär.

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Sie alle eint der Schmerz von früher, aber auch die Kraft, wieder positiv zu denken.

Familie und Freunde haben vielen dabei geholfen – und auch das Fotoprojekt. Joquesse Eugenia leidet körperlich noch heute unter den Schmerzen. Es war ihr wichtig ihre Geschichte zu erzählen, um zu zeigen: Häusliche Gewalt hat kein typisches Gesicht, es kann jeden treffen.

Das Projekt "Unconventional Apology" der Fotografin Chantal Barlow hängt mit ihrer eigenen Familiengeschichte zusammen: Ihr Großvater erschoss seine Frau vor den Augen seines damals 16-jährigen Sohnes, dem Vater von Chantal Barlow. Zwei Tage zuvor hatten ihre Großeltern sich scheiden lassen. Barlows Großmutter war da gerade einmal 36 und hinterließ sieben Kinder.

Hier findest du mehr über Chantal Barlow

Erst mit 16 erfuhr Barlow davon, sie hatte ihren Großvater immer als einen liebevollen Menschen kennengelernt – sehr religiös und besonnen. Für seine Tat musste er nie büßen. Er habe gute Verbindungen zu korrupten Behörden gepflegt, sagt Barlow. In die Familie sei er erst wieder aufgenommen worden, nachdem er seine Alkoholabhängigkeit unter Kontrolle hatte.

Als der Großvater 2013 starb, hinterließ er ihr eine Fotokamera. Diese nutzt sie jetzt, um Porträts der Überlebenden von häuslicher Gewalt zu machen und von Familienmitgliedern derer, die es nicht überlebten. Genau 36 Fotos sind es – so viele wie das Alter ihrer Großmutter als sie starb.

Wir wollen durch die Kunst zu Liebe aufrufen.

Nun arbeitet Barlow an einer Dokumentation und Ausstellung, das Projekt soll nicht enden: "Wir wollen durch die Kunst zu Liebe aufrufen", sagt Barlow zu bento.

Eine der Frauen, die auf den Bildern lacht, ist die Künstlerin selbst.

Eine Ex-Freundin habe sie emotional und physisch missbraucht, erzählt Barlow. "Immer als sie trank, kam ihre Unsicherheit und ihre Leidenschaft zum Vorschein, Macht und Kontrolle auszuführen."

Die Künstlerin stört es, dass die Überlebenden bei der Berichterstattung über häusliche Gewalt meist nicht im Fokus stehen. Dabei solle man gerade ihnen zuhören und nicht den Tätern, sagt Barlow. Mit "Unconventional Apology" will sie das ändern.

Es zeigt unglaubliche Stärke

Auch wenn es auf den Bildern nicht so wirkt: Manchmal weinen die Frauen, wenn sie Barlow ihre Geschichte erzählen. "Ich kann nicht sagen, dass das ein Zeichen von Schwäche ist, wenn Tränen über ihr Gesicht kullern. Es zeigt unglaubliche Stärke und Selbstreflexion", sagt Barlow.

Für einige sei es einfach zu reden, andere sprechen zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Aber nur wenn man die Gewalt konkret benenne, könne man sie auch verarbeiten, sagt Barlow. Und nicht nur das helfe: "Bei den Aufnahmen habe ich gelernt, dass der Weg zur Heilung oft über die Verwirklichung und das Feiern ihres Selbstwertgefühls führt."


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