Bild: dpa/Paul Zinken
Das haben Freiburger Forscher bei einem Selbstversuch herausgefunden. Lasst die Haare wachsen!
Was ist denn los?

Bisher mussten sich Cannabis-Konsumenten vor Haaranalysen fürchten. Das könnte bald vorbei sein. Eine neue Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Demnach lässt sich durch eine Haaranalyse nicht zweifelsfrei nachweisen, dass jemand Cannabis zu sich genommen hat.

Der Grund: Die Cannabisreste könnten zum Beispiel auch durch Körperkontakt mit Konsumenten in die Haare gelangt sein. Die Ergebnisse sind im renommierten Fachmagazin "Scientific Reports" erschienen.

Consequently, THC findings in hair cannot be regarded as a proof of cannabis consumption.
Warum ist das wichtig?

Die Haaranalysen werden zum Beispiel bei Fahreignungsprüfungen eingesetzt. Mit der Analyse soll bewiesen werden, dass ein Autofahrer längere Zeit keine Drogen genommen hat. Folgt man der Studie, beweist auch ein positiver Haartest nichts. Man könnte also versuchen, die Entscheidung der Behörde zumindest anzufechten. Allerdings gibt es die Möglichkeit bei einem positiven Ergebnis, zusätzlich auf einen Urintest zu bestehen. Insofern besteht wohl wenig Hoffnung.

Auch einige Arbeitnehmer – vor allem in den USA – müssen sich regelmäßig Drogentests unterziehen. Gerade in solchen Fällen könnte eine Fehlinterpretation den Jobverlust bedeuten. Professor Volker Auwärter, einer der Autoren der Studie, hält deshalb berechtigte Schadenersatzklagen in den USA für möglich.

Zudem werden Haaranalysen auch in Sorgerechtsfragen oft eingesetzt. Speziell hier könne es leicht zur Übertragung von Erwachsenen auf Kinder kommen, obwohl die Kinder beispielsweise nie dem Rauch eines Joints ausgesetzt waren.

Wie genau funktioniert das?

THC ist der Hauptwirkstoff von Cannabis. Den Forschern am Universitätsklinikum Freiburg zufolge kann ein Abbauprodukt von THC auch anders als über das Blut in die Haare gelangen. Zum Beispiel über die Hände, Rauch, Schweiß oder Talg. Genau das Abbauprodukt galt bisher aber als sicherer Nachweis von Graskonsum.

Ein Beispiel: Die Forscher haben einige Studenten an fünf aufeinander folgenden Tagen einen Joint drehen lassen. Der wurde dann nicht geraucht sondern vernichtet. Beim Test im Anschluss wurden dann Werte festgestellt, die normalerweise für einen erheblichen Cannabiskonsum sprechen würden.

Wie haben die Forscher das rausgefunden?

Klar, der Klassiker: Selbstversuch. Zwei der Forscher haben einen Monat lang halbsynthetisch hergestelltes THC eingenommen. Was für ein Job!

Das Fazit der Forscher

Volker Auwärter, einer der Autoren der Studie, fast zusammen:

"Die Haaranalyse hat für viele Fragestellungen weiterhin ihre Berechtigung, sie darf aber nicht falsch interpretiert werden. Einen sicheren Beweis für Cannabis-Konsum kann sie jedenfalls nicht liefern. Der Großteil der THC-Abbaustoffe, die in Haaranalysen gefunden werden, wird über Schweiß und Talg eingelagert.“
Unser Fazit