Frauen heimlich unterm Rock fotografieren? Eine Britin kämpft für ein Gesetz dagegen. Mit Erfolg.

Eine 27-jährige Britin hat die Regierung Großbritanniens dazu gebracht, ein Gesetz gegen "Upskirting" zu entwerfen. Damit sollen Menschen bestraft werden, die heimlich Frauen unter den Rock fotografieren. Dank Gina Martins Beharrlichkeit und ihrer persönlichen Geschichte könnte ein solches Gesetz bald verabschiedet werden.

(Bild: Gina Martin/Facebook)

Diese persönliche Geschichte begann auf einem Festival. Gina war gerade dabei, sich "The Killers" anzuschauen, schreibt sie in einem Artikel (BBC). Dann aber hätten sich zwei Kerle an sie rangeschmissen. Immer wieder habe sie ihnen gesagt, sie wolle ihre Ruhe. 

Was wirklich abging, habe sie erst bemerkt, als es zu spät gewesen sei. Die Männer hatten heimlich unter ihren Rock fotografiert, schreibt Gina, und das Bild per WhatsApp verschickt. Gina wurde Opfer von "Upskirting".

Sie habe dem Kerl das Handy aus der Hand gerissen und sei zum Sicherheitspersonal gerannt. Doch weder dort noch bei der Polizei habe man ihr helfen können. Denn: Sie habe Unterwäsche getragen. 

Das Bild, dass die Männer von ihr gemacht hatten, war damit nicht explizit genug, als dass die Aktion als Straftat hätte gelten können. Also passierte nichts. 

Ginas Geschichte ereignete sich im vergangenen Jahr. Damals habe sie nicht fassen können, dass die Kerle einfach so davongekommen seien und es kein Gesetz in Großbritannien gegen "Upskirting" gab (Mashable). Auf Twitter rief sie den Hashtag #stopskirtingtheissue ins Leben, um darauf aufmerksam zu machen. Zahlreiche Frauen erzählten ihr daraufhin von ihren Erfahrungen. Gina legte nach – und startete eine Petition.

Der Zuspruch war riesig, über 100.000 Menschen unterschrieben und sprachen sich damit für ein "Upskirting"-Gesetz in Großbritannien aus. Gina nahm Kontakt mit Politikern auf, engagierte einen Anwalt, der sie beriet. Und tatsächlich: Sie wurde gehört. 

Mittlerweile gibt es einen Gesetzesentwurf: Auf ihrer Internetseite hat die britische Regierung bekannt gegeben, dass "Upskirting" eine Straftat werden soll, die mit bis zu zwei Jahren Gefängnisstrafe geahndet werden kann. 

In Frankreich ist "Upskirting" bereits verboten. In Belgien ebenso. Wie sieht es in Deutschland aus?

Henning Hartmann ist Fachanwalt für Straf- und Verkehrsrecht. Er spricht von einer Gesetzeslücke in Deutschland. Der Gesetzgeber habe "Upskirting" unverständlicherweise nicht als eine Form der sexuellen Belästigung definiert. Für diese brauche es eine körperliche Berührung, und die sei bei "Upskirting" nicht vorhanden. 

Es handele sich auch nicht um eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, was in § 201a Strafgesetzbuch festgelegt ist. Dieser Paragraf sei nur bei Aufnahmen innerhalb der Wohnung anwendbar, aber eben nicht in der Öffentlichkeit.

Ein Gesetz, das vielleicht noch auf "Upskirting" angewendet werden könnte, sei das Kunsturhebergesetz, das Recht am eigenen Bild. Dadurch können Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche geltend gemacht werden – allerdings nur, insofern die betroffene Person beweisen kann, dass es tatsächlich sie ist, die auf den Bildern zu sehen ist.

Vor fünf Jahren gab es einen konkreten Fall in Deutschland: Damals hatte ein bayrischer Bürgermeister Frauen, die auf einer Rolltreppe standen, unter den Rock fotografiert ("Augsburger Allgemeine"). Die Polizei fand auf seinem Handy über 100 Fotos und Videos. 

Der Mann musste am Ende ein Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit zahlen: insgesamt 5250 Euro. Als Täter habe der Bürgermeister sich herabwürdigend verhalten und die Frauen zu reinen Objekten degradiert, begründete der Richter ("Welt"). 

Doch: "Beleidigungsdelikte wie diese sind nicht dazu da, Gesetzeslücken zu schließen", sagt Anwalt Henning Hartmann. Für "Upskirting"-Delikte müsse ein eindeutiges Gesetz her.

Man sieht wieder einmal, dass Gesetze regelmäßig an die gesellschaftlichen Wandlungen angepasst werden müssen.
Henning Hartmann, Anwalt

Aber selbst dann sei es noch immer eine Herausforderung, nachzuweisen, wer wirklich auf dem Bild zu sehen ist.

Hätte Gina Martin sich nicht für ein Gesetz in Großbritannien starkgemacht, wäre dort wohl auch nichts passiert. 

Im Juli schrieb sie auf Twitter: "Vor einem Jahr hat ein Mann Fotos unter meinem Rock gemacht. Vor einem Jahr habe ich mich entschieden, es nicht mehr zu ignorieren. Vor einem Jahr habe ich eine Kampagne gestartet, um 'Upskirting' zu einer Straftat zu machen. Morgen geht mein Gesetzesentwurf ins Komitee. Akzeptiert Belästigung nicht als einen Teil des Lebens einer Frau."


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