Wir haben sie vor der Parlamentswahl noch einmal gefragt

Am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament. Eigentlich wäre es noch gar nicht Zeit gewesen für eine Wahl, die letzte fand schließlich erst vor zwei Jahren statt. Aber Premierministerin Theresa May wollte es so: Sie hofft auf eine große Mehrheit für ihre konservative Partei – und damit eine starke Machtposition für die anstehenden Brexit-Verhandlungen.

Tatsächlich sah es erst so aus, als würden Mays Tories haushoch gewinnen. Doch in den vergangenen Wochen hat die Labour-Partei unter Jeremy Corbyn aufgeholt, vor allem junge Wähler unterstützen den Linken (bento). 

Der Brexit wurde im Wahlkampf immer unwichtiger; innenpolitische Themen wie Gesundheit, Bildung und zuletzt vor allem Sicherheit rückten in den Vordergrund.

Kurz nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 haben wir mit jungen Briten über das Ergebnis gesprochen. 

Jetzt haben wir sie noch mal gefragt: Was hat sich im vergangenen Jahr verändert? Was erhofft ihr euch von der Wahl, und wovor fürchtet ihr euch?
Jasmine, 27, Redakteurin aus Chester
(Bild: privat)

"Der Brexit wird kommen und wir müssen dafür sorgen, dass die richtige Partei an der Macht ist, um für Großbritannien den besten Deal auszuhandeln – und gleichzeitig die EU-Bürger zu schützen, die hier leben. 

Man spürt immer noch eine Spaltung zwischen Remain- und Leave-Wählern im Land. Bis jetzt hat sich für mich noch nicht viel geändert. Überhaupt ist es schwer zu sagen, was sich ändern wird, bevor wir wissen, welche Beziehung Großbritannien in Zukunft zur EU haben wird.

​Theresa May hat eine sehr taktische Entscheidung getroffen.
Jasmine

Theresa May hat eine sehr taktische Entscheidung getroffen, als sie die Neuwahlen ansetzte: Die Opposition ist gerade eher chaotisch aufgestellt. May hat das rechteste Kabinett geformt, das wir seit dem Krieg hatten. Sie schlug vor, die freien Mittagessen für Schüler zu streichen. Und sie will die Fuchsjagd wiedereinführen. Ich möchte sie und die Tories mit der Wahl aus der Regierung ausscheiden sehen. 

Ich bin Mitglied der Labour-Partei und werde natürlich auch Labour wählen. Vor drei Wochen sah es noch so aus, als würde die Konservativen gewinnen. Inzwischen hat die Labour-Partei in den Umfragen aufgeholt. Die Menschen realisieren langsam, wie wichtig diese Wahl für uns ist."

Paul, 26, Makler aus Chester
(Bild: privat)

"Ich habe meine Meinung nicht geändert und glaube weiterhin, dass der Austritt die richtige Entscheidung ist. Ich lasse mich nicht beeinflussen von den Leuten, die das Referendum immer noch nicht anerkennen wollen. Ich habe mich vorher sorgfältig informiert und aufgrund der Faktenlage entschieden. Ich glaube, wir sollten zurückkehren zu individuellen Währungen und einem wirtschaftlichen Bündnis zwischen den Ländern. 

Wir brauchen eine starke Regierung
Paul

Wir brauchen eine starke Regierung – vor allem nach so schrecklichen Ereignissen wie den Anschlägen in Manchester und London. Europa muss geschlossen gegen Extremismus kämpfen. Ansonsten sind wir womöglich nur zwei oder drei Schreckenstaten davon entfernt, dass extreme Rechte in ganz Europa in die Regierungen kommen. 

Ich werde wahrscheinlich die Konservativen wählen, allein deswegen, weil ich Jeremy Corbyn oder John McDonnell nicht traue. Wir brauchen eine Partei an der Spitze, die ein Gleichgewicht herstellen kann zwischen wirtschaftlichem Wachstum und sozialstaatlichen Reformen. Ich habe aber ein gutes Gefühl, was die kommenden Jahre angeht. Ich glaube, dass es aufwärts gehen wird."

So soll der Ausstieg Großbritanniens aus der EU ablaufen:
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Jonathan, 22, Student aus Preston
(Bild: privat)

"Theresa May hat einen 12-Punkte-Plan entworfen: Großbritannien soll nach dem Brexit immer noch enge Wirtschaftsbündnisse haben, Vorreiter in Sachen Technologie bleiben, Kooperationen zur Terrorbekämpfung schließen. All diese Ziele könnten am besten erfüllt werden, wenn Großbritannien in der EU bliebe. 

Zwei Sachen sind mir besonders wichtig: Dass wir Teil des freien Marktes bleiben und dass Großbritannien nicht als Verlierer dasteht. So gerne ich die 52 Prozent auch auslachen und ihnen sagen würde 'Seht ihr, ihr hattet unrecht' – ein schlechter Deal für Großbritannien wäre eine Katastrophe.

Ein schlechter Deal für Großbritannien wäre eine Katastrophe.
Jonathan

Die Anschläge in Manchester und London haben Großbritannien zusammenrücken lassen. Nur wenige ziehen rassistische Schlüsse daraus. Muslime hatten den Attentäter von Manchester bei den Behörden gemeldet – wer kann da noch sagen, Muslime wären schuld an den Anschlägen, wenn sie ihn doch verhindern wollten?  

Theresa May ist eine furchtbare Person, die den Ärmsten unter uns einfach nicht helfen will. Ihre Politik bevorzugt die an der Spitze und ist scheiße für alle anderen. Wenn du eine Behinderung hast oder keinen Job, hast du mit dieser Regierung verloren. Ich fürchte aber, dass sie trotzdem gewinnen wird. 

Ich werde natürlich die Labour-Partei wählen. Ihr Wahlprogramm ist durchdacht und schlüssig. Jeremy Corbyn ist ehrlich, er meint, was er sagt. Er wird die Reichen besteuern, um Sozialhilfen zu schaffen. Meiner Meinung nach der einzig richtige Weg."

Tom, 28, Lehrer aus Manchester
(Bild: privat)

"Ich bin immer noch der Meinung, dass der EU-Austritt ein Fehler ist. Eine Menge Leute haben es satt, über den Brexit zu sprechen, aber wir müssen noch fast zwei Jahre durchhalten, bis alle Verhandlungen abgeschlossen sind. Ich hoffe nur, dass der Ausstieg – wer auch immer dafür zuständig sein wird – relativ glatt ablaufen wird. 

In dem Jahr seit dem Brexit-Referendum wurde viel polarisiert. Nach der Abstimmung gab es definitiv mehr offene Fremdenfeindlichkeit. Und dann kam der Anschlag in Manchester, wo ich seit Ende 2016 lebe. Schüler aus meiner Schule waren bei dem Konzert, die Arena ist ganz in der Nähe von meinem Zuhause.

Niemand gewinnt in so einer Situation, alle sind Verlierer.
Tom

Es ist alles etwas unwirklich. Niemand gewinnt in so einer Situation, alle sind Verlierer. Im Augenblick denke ich ernsthaft darüber nach, Großbritannien zu verlassen. Vielleicht ziehe ich zurück nach Deutschland, dort habe ich schon mal ein Jahr gelebt. 

Unser Land braucht eine Veränderung und ich ertrage nicht nochmal fünf Jahr unter einer Tory-Regierung. Ich habe nicht ein gutes Wort für die Konservativen übrig, vor allem nicht für Theresa May. Je weniger über sie geredet wird, desto besser.  

Ich war sicher, der Brexit würde nicht kommen. Ich war sicher, Clinton würde gewinnen. Ich hoffe, dass Labour gewinnt. Aber ich möchte mir keine großen Hoffnungen machen."


Musik

Schoki und Schmusesongs: Endlich ist Ed Sheeran beim Carpool Karaoke

James Corden hat schon viele Stars in sein Auto geholt – gemeinsam grölen sie dann im "Carpool Karaoke" berühmte Hits aus dem Radio nach. Von Adele über JLo und Gwen Stefani bis zu den Red Hot Chili Peppers – ach, und der Chewbacca Mom – waren schon viele dabei.

Einer fehlte beim Carpool Karaoke jedoch bislang: Ed Sheeran. 

Nun hat das Warten ein Ende. In der aktuellen Folge der "Late Late Show" hat James Corden den Sänger endlich im Auto. Und es ist großartig – Ed Sheeran spielt auf dem Beifahrersitz seine eigene Version von "Bridget Jones".