Bild: Steffen Voss
"Dieser Politikstil macht mich traurig."

Sie haben gerungen, gestritten und die Bundesrepublik verdammt lange warten lassen: Endlich steht der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD. Jetzt kommt die Stunde der Beobachter, Analysten und, klar, der SPD-Parteimitglieder. Denn die dürfen ab dem 20. Februar abstimmen, ob die SPD das Bündnis wirklich eingehen soll. 

Besonders wichtig: Die Meinung der Jusos. Die haben seit Wochen Stimmung gegen die Große Koalition gemacht – und sind damit die prominentesten GroKo-Gegner. Die Zukunft Deutschlands hängt nun auch von den Jungsozialisten ab. Aber wollen sie die Regierungsbildung wirklich in Gefahr bringen, vielleicht gar die Parteispitze stürzen? Oder finden sie in dem Koalitionsvertrag genug Zugeständnisse, um ihre Kritik abzuschwächen?

Wir haben nachgefragt bei Delara Burkhardt, 25. Sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos.

(Bild: Delara Burkhardt)

Delara, 177 Seiten voller Details, sogar die Wolfsjagd will die GroKo neu regeln – wie zufrieden sind die Jusos mit dem Koalitionsvertrag?

Ich habe den Vertrag bisher nur überflogen. Aber eines ist schon klar: Uns fehlt ein neuer Politikentwurf. Die wirklich wichtigen Zukunftsfragen werden im Koalitionsvertrag nicht behandelt. Statt einen Digitalminister bekommen wir so etwas absurdes wie ein Heimatministerium. Wir wollen einen Aufbruch in Europa und kein heimeliges Ministerium, in dem sich die CSU wohl fühlt.

Unsere Generation kennt nichts anderes, als von Merkel regiert zu werden.
Delara Burkhardt

Die Bafög-Reform und eine Mindestvergütung für Auszubildende – das sind zwei Juso-Forderungen. Die SPD hat sie durchgesetzt, darauf hat Martin Schulz extra hingewiesen. Zählt das nichts?

Doch, das sind natürlich wahnsinnig wichtige Reformen. Und es ist auch schön, dass Martin Schulz uns  wahrnimmt. Aber unsere Bedenken sind grundsätzlicher: Unsere Generation kennt nichts anderes, als von Merkel regiert zu werden. Die GroKo bringt nicht den Politikwechsel, den unsere Generation braucht. Das reicht nicht, um die SPD glaubwürdig zu erneuern.

Dieser Politikstil macht mich traurig.
Delara Burkhardt

Also geht die No-GroKo-Tour weiter?

Ja. Wir werden jetzt alles tun, um die Abstimmung zu gewinnen. Kevin Kühnert geht auf Tour und wird für unsere Position werben. Ich fahre auch in diverse Städte, wir werden bis zum Ende diskutieren und streiten.

Wie seht ihr eure Chancen, die GroKo zu verhindern?  

Gut, auch weil wir ganz offensichtlich Tausende Menschen dazu bewegen konnten, in die Partei einzutreten. Eine genaue Zahl kenne ich nicht, aber rund 30 Prozent der rund 24.000 Neumitglieder sollen Jusos sein.

Mit der No-GroKo-Kampagne habt ihr Martin Schulz in Bedrängnis gebracht. Nun will er den Parteivorsitz wohl an Andrea Nahles abgeben. Eine gute Idee?

Jetzt sollte es um die Inhalte gehen, stattdessen redet jeder über Posten! Dieser Politikstil macht mich traurig, er widerspricht den Vorstellungen der Jusos. Der Parteitag entscheidet über die Personalien, er hat Martin Schulz gerade gewählt, jetzt bekommen wir vielleicht wieder eine neue Parteivorsitzende – ohne dass die Mitglieder mitentscheiden. Das ist doch irrwitzig.


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