Eine bayerische Brauerei wollte ein politisches Statement setzen.

Vor etwa einer Woche hat die Straubinger Röhrl-Brauerei ein Bier auf den Markt gebracht, das so manchem sauer aufstößt. Es nennt sich "Grenzzaun-Halbe", kostet 88 Cent, Verfallsdatum ist der 9. November: Die 88 steht im rechten Milieu für "Heil Hitler", der 9. November ist der Jahrestag der Reichspogromnacht. Nachdem der öffentliche Druck immer größer wurde, nahm Röhrlbräu die "Grenzzaun-Halbe" heute schließlich vom Markt. Das hatte sie zu Beginn der Kontroverse noch abgelehnt.

Glaubt man Frank Sillner, dem Geschäftsführer der Brauerei Röhrl, ist die "Grenzzaun-Halbe" das Produkt von ein "bisschen Provokation" und ein bisschen "Blauäugigkeit". Auf der Rückseite der Flasche steht der Slogan "Beschützen – Verteidigen – Bewahren". Das alles in Frakturschrift, was das Doppel-Z im Wort "Grenzzaun" an das Logo der Waffen-SS erinnern lässt. Direkt daneben: ein Totenkopf.

Der Titel sollte ein politisches Statement sein und ausdrücken, dass man "bei aller Hilfe und Unterstützung für Menschen in Not die Werte und Traditionen, die Bayern ausmachen, nicht vergessen darf". So heißt es in der Erklärung auf der Seite der Brauerei. Damit wird auf die Flüchtlingssituation angespielt. Die 80 Cent + 8 Cent Pfand seien niemandem aufgefallen, das Ablaufdatum würde der Computer selbstständig ausspucken und das Totenkopf-Logo hätten sie schon länger. Das erklärt er im Gespräch mit dem "Münchner Merkur".

Als erstes hat Michael (@funkbo1) das Bier beim Einkaufen entdeckt.
Einen Tag später hat die Aktivisten-Gruppe "Erdlinge" den Bier-Fauxpas bemerkt:

Das vielleicht ekelhafteste #Bier aller Zeiten.Man muss es erst gar nicht probieren!update: In Freising, Regensburg...

Posted by Erdlinge on Mittwoch, 16. März 2016
Dann folgte Kritik auf Kritik:

Am lautesten schrie die Universität Regensburg auf: Die Studierendenvertretung AStA rief zum Boykott von Röhrl-Bieren auf dem Campus auf und drängte beim Studentenwerk Niederbayern/ Oberpfalz darauf, den Exklusivvertrag zu kündigen, den die Brauerei bis dahin mit der Universität hatte. Keine Röhrlbräu-Getränke sollten mehr in den Mensen und Cafeterien der Uni zu finden sein. Mit Erfolg. In der gestrigen Pressemitteilung des Studentenwerks hieß es:

Bei der letzten Vergabe im Juni 2015 erhielt die Firma Labertaler Heil- und Mineralquellen Getränke Hausler GmbH den Zuschlag als wirtschaftlichster Bieter, die alkoholische Getränke der Brauerei Röhrl aus Straubing im Sortiment vertreibt. Das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz bereitet gerade die neue öffentliche Auftragsvergabe vor, die im Juni 2016 erfolgen soll.

Die "Grenzzaun-Halbe" wird innerhalb der Universität Regensburg nicht mehr angeboten und auch sonst werden keine Produkte von Röhrlbräu mehr bezogen. Nur die Lagerbestände werden noch abverkauft. Matthias Ernst, Vorsitzender des Studentischen Konvents der Uni Regensburg, twitterte nach dem Gespräch zwischen der Studierendenvertretung und dem Studentenwerk am Montag:

Im Gespräch mit bento erklärte Ernst: "Der Brauerei-Chef sagt, er möchte ein Signal setzen, die Werte, die auf der Flasche stehen, müssten geschützt werden. Damit suggeriert er, dass die Geflüchteten eine Gefahr für Werte wie Toleranz und Vielfalt sind. Allein diese Aussage halte ich für absolut schäbig."

Damit suggeriert er, dass die Geflüchteten eine Gefahr für Werte wie Toleranz und Vielfalt sind.

Tatsächlich glänzt die "Grenzzaun-Halbe" scheinbar mit starken Absatzzahlen: "Wie geschnitten Brot, besser als jedes andere Bier", verkaufe sich das umstrittene Produkt, sagte Geschäftsführer Frank Sillner im Gespräch mit dem "Münchner Merkur". Die Kunden selbst würden verstehen, wie das Statement gemeint sei. "Der Shitstorm kommt von außerhalb", sagte Sillner. "Das sind Leute, die uns nicht kennen. Das sind Hetzer."

Studentenvertreter Matthias Ernst begrüßt, dass Röhrlbräu das Bier nun doch aus dem Sortiment genommen hat, findet aber: "In der Erklärung der Brauerei wird deutlich, dass sie inhaltlich gar nichts verstanden haben: Dass sie mit dieser Flasche suggeriert haben, dass Geflüchtete eine Gefahr für unsere Gesellschaft sind, davon haben sie sich in keinster Weise distanziert." Eine Zusammenarbeit der Uni Regensburg mit der Brauerei schließt er für die Zukunft aus.

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