Ihre zwei stärksten Zitate

Eine junge Schwedin hat einen Abschiebeflug nach Afghanistan verhindert. Elin Ersson war am Montagabend an Bord einer Maschine vom schwedischen Göteborg in die Türkei – von dort sollten zwei Insassen weiter in eine Maschine nach Kabul gesteckt werden. 

Aber Elin weigerte sich, sich hinzusetzen – so konnte die Maschine nicht abheben.

Die Schwedin hat ihre mutige Aktion mit einem Livevideo auf Facebook dokumentiert. Ein Flughafensprecher bestätigte später, dass tatsächlich ein 52-jähriger Afghane, der abgeschoben werden sollte, aus der Maschine gebracht wurde.

Im Video ist Elin sichtbar aufgeregt. Mehr als 13 Minuten filmt sie sich dabei, wie sie Widerstand leistet. Im Flugzeug sitzen viele Menschen, die sich auf einen Urlaub freuen, ganz hinten soll der Afghane untergebracht sein. Nach nur 20 Stunden hat das Video bereits knapp 800.000 Aufrufe. Mehr als 1000 Menschen haben kommentiert – die meisten schicken Herzchen und machen Elin Mut.

Elin gehört laut der schwedischen Nachrichtenseite ETC einer Gruppe von Aktivisten an, die sich gegen Abschiebungen engagieren. Demnach sollten ursprünglich zwei Flüchtlinge abgeschoben werden, ein junger Afghane und der 52-Jährige. Im Flugzeug selbst war dann nur der ältere Flüchtling. Elin sagt in die Kamera:

Ich werde mich nicht hinsetzen, bis der Flug verhindert wird. Denn er wird in Afghanistan mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet!

Ihr Ziel: Der Pilot soll erwirken, dass der Flug nicht mit dem Afghanen startet. Das ist tatsächlich rechtlich möglich. Abschiebeflüge werden entweder komplett mit Flüchtlingen besetzt – dann chartert ein Staat eine ganze Maschine. Oder aber einzelne Flüchtlinge werden auf normale Passagiermaschinen verteilt. 

Der Pilot hat aber das letzte Wort – so laufen Abschiebeflüge konkret ab:

Flüchtlinge können in Deutschland Asyl beantragen – wird es ihnen verwehrt, sind sie wieder ausreisepflichtig. Bis Ende Juli waren 229.000 Ausländer ausreisepflichtig.
Einige Ausländer kehren freiwillig in ihre Heimatländer zurück, andere müssen abgeschoben werden. Die Bundesländer organisieren dann Abschiebeflüge.
Es gibt zwei Arten von Flügen: Bei Sammelabschiebungen werden ganze Maschinen gechartert, bei Einzelabschiebungen nur einzelne Plätze in normalen Fliegern.
Und es gibt auch zwei Möglichkeiten, die Flüchtlinge abzuschieben – entweder fliegen sie alleine oder sie werden von Polizisten begleitet.
Der zweite Fall tritt ein, wenn Flüchtlinge "reiseunwillig sind" – wenn sie sich also vor der Abschiebung wehren oder traumatisiert sind.
Die Flüchtlinge werden vor allen anderen Passagieren ins Flugzeug gebracht, meist sitzen sie in der hintersten Reihe. Die Piloten werden kurz zuvor über ihre Anwesenheit informiert.
Beim Boarding können sie die Flüchtlinge kennenlernen, meist bleibt es bei einem kurzen "Hallo", erzählen Piloten bento. Sollten sie bei einem Passagier allerdings ein ungutes Gefühl haben, können sie die Mitnahme verweigern.
Abschiebeflüge gehen nicht nur von Deutschland in Heimatländer – sondern finden auch innerhalb Europas statt. Oft werden Flüchtlinge so zunächst in die EU-Länder geflogen, in denen sie zuerst registriert wurden.
1/12

Genau so eine Reaktion will Elin provozieren. 

Sie hofft, wenn sie lange genug im Gang stehen bleibt, wird der Pilot nachgeben – und den Afghanen von Bord holen lassen.

Im Laufe des Videos wird die Schwedin zunehmend angespannter. Immer mehr Menschen schreien sie an. "Setz dich hin! Wir wollen los, setz dich hin!", ruft einer. Andere sind aufgelöst, verwirrt. Elin filmt immer nur sich, zeigt keine anderen Gesichter.

Je länger sie standhaft bleibt, desto mehr steigt ihr die Röte in die Wangen. 

Am Ende rollen ihr Tränen übers Gesicht, in einer Szene bedroht sie ein Mann mit englischem Akzent. 

Er will ihr das Handy aus der Hand schlagen. Was sei ihr wichtiger, fragt er indirekt, das Leben des Abzuschiebenden oder die Interessen der Gäste.

Ich tue alles was ich kann, um hier ein Menschenleben zu retten.

Irgendwann schlägt die Stimmung um. Immer mehr Menschen stehen auf, wobei nicht klar ist, ob sie Elin damit unterstützen wollen. Am Ende kommt ein Steward, nur seine Stimme ist zu hören. Er sagt, der Afghane dürfe das Flugzeug verlassen. Die letzte Szene zeigt Elin, wie sie aus der Maschine tritt.

Hier kannst du das Video von Elin sehen:

Falls sich das Video bei dir nicht öffnet, findest du hier einen Direktlink.

Stimmt, was Elin im Video behauptet?

Ob sich alles so zugetragen hat, ist unklar. bento hat am Dienstag versucht, Elin zu erreichen – sie hat auf Nachfragen zunächst nicht geantwortet. Allerdings teilte Elin Links zu schwedischen Medien, mit denen sie sich unterhalten hatte.

Mehrere dieser Medien hatten auch unabhängig voneinander überprüft, was am verhinderten Abschiebeflug dran ist. Hans Uhrus, Pressesprecher des Flughafens bestätigte gegenüber ETC, dass das Flugzeug ungefähr zwei Stunden stehenblieb. Dann habe eine Person, die abgewiesen werden sollte, das Flugzeug verlassen – außerdem eine "Person, die sich geweigert hat, sich hinzusetzen, als das Flugzeug starten sollte". 

Gemeint sind wohl der 52-jährige Afghane und Elin. Ihre Aktion war geglückt.


Gerechtigkeit

Aktivisten zeigen Özil-Bild am Bundestag
Die Geschichte in drei Bildern

Mesut Özil gehört zu Deutschland – und Rassismus hat in unserem Land nichts zu suchen. Diese Botschaft hat die selbsternannte "Anti-Troll-Armee Reconquista Internet" am Montagabend mit riesigen Lichtinstallationen an mehreren Wahrzeichen in Berlin deutlich gemacht. (Pressemitteilung)

Die von Jan Böhmermann ins Leben gerufene Aktion projizierte dreimal das Konterfei von Özil mit dem Hashtag #neverwalkalone an den Bundestag, das Brandenburger Tor – und abgewandelt an eine Figur vor dem Axel-Springer-Verlagsgebäude.

Die Bilder seien nach eigenen Angaben jeweils für einige Minuten zwischen zwei und drei Uhr zu sehen gewesen, teilte die Organisation dem rbb mit.