Bild: 12th Memorise

Eine Fußgängerzone in Essen. Zwei in Schwarz gekleidete Männer marschieren auf, einer mit Pistole, der andere mit Schwert. Sie treiben zwei Männer in orangen Overalls vor sich her, eine schwarze Flagge, die an das Logo des "Islamischen Staats" erinnert, haben sie auch dabei.

Dann müssen sich die Gefangenen niederknien. Ringsherum versammeln sich Fußgänger, bleiben stehen, blicken verwundert auf das Schauspiel. 

Aus der Pistole, sie ist aus Plastik, ertönt ein Schuss. Der erste Gefangene kippt vornüber. Das Schwert, ebenfalls unecht, wetzt am Hals des zweiten entlang – auch er sackt in sich zusammen. "Ihr könnt jetzt wieder weitergehen", ruft Hassan in die Runde. "Aber was ist mit ihnen?", fragt er dann und zeigt sowohl auf Opfer wie Täter. Wer beschützt die einen und verhindert die anderen?

Die Hinrichtungen waren gespielt – das ist die Methode von Hassan und seinem Team.

Hassan Geuad ist 26 Jahre alt und engagiert sich mit der Gruppe "12th Memorise" gegen Islamisten. Gemeinsam inszenieren sie regelmäßig Attentate und Hinrichtungen in der Öffentlichkeit, um damit zu provozieren. Seht her: So hässlich kann der Islam sein, wenn er von Radikalen missbraucht wird.

"Glaubenskrieger"

Der WDR hat "12th Memorise" längere Zeit begleitet. Die Doku "Glaubenskrieger" über Hassan und seine Mitstreiter läuft am Mittwoch, dem 19. Juli um 22.45 Uhr in der ARD.

Die Aktion in Essen war ihr erster Auftritt, im Oktober 2014, rund drei Monate, nachdem der IS ein "Kalifat" in Irak und Syrien ausgerufen hatte. Sie sorgte sofort für Aufsehen, knapp 200.000 Mal wurde das Video dazu bereits angesehen:

"Wir hatten viel Wut in uns und das Gefühl, endlich was tun zu müssen", sagt Hassan heute. Er kommt selbst aus dem Irak, mit seiner Familie lebt er bereits seit 2000 in Deutschland. 

Als die Horrormeldungen um den IS im Sommer 2014 immer mehr wurden, wollten er und zwei Freunde sich selbst engagieren. "Eines nachmittags hörten wir von einem Massenmord im Irak, bei dem IS-Terroristen 1700 Jugendliche getötet hatten, darunter waren auch Cousins von uns." 

So hat sich der IS zur gefürchteten Terrormiliz entwickelt:
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Das sei der Startschuss gewesen. Das und die Erkenntnis, dass vielen Muslimen in Deutschland der IS ziemlich egal war.

"Die Gemeinden hier repräsentieren nicht, was wir junge Muslime fühlen", sagt Hassan. "Sie versuchen nur, politische Ideologien aus der Türkei oder Saudi-Arabien weiterzutragen." Soll heißen: Das, was radikale Muslime im Namen der Religion tun, wird stillschweigend hingenommen – öffentlich kritisiert hingegen kaum.

Das gilt so nicht für alle Gemeinden. Es gibt viele liberale und unabhängige Moscheen in Deutschland. 

Aber eben auch jene, die über Verbände wie die aus der Türkei finanzierte Ditib organisiert sind. Dort treten oft eingereiste Imame, also Vorbeter auf, die sich nur schlecht mit den Alltagsproblemen von deutschen Muslimen auskennen, aber umso mehr ideologische Parolen aus ihrer Heimat.

Schnell wurde "12th Memorise" größer. Zwischen 40 und 50 Aktivisten würden bei Aktionen mitmachen, die Kerngruppe bestünde aus neun Mitgliedern, sagt Hassan. Im Team seien Muslime, Christen, ein Buddhist, manche sind deutsch, andere haben Wurzeln im Nahen Osten und in Asien. 

Hassan Geuad(Bild: 12th Memorise)

Die Zwölf im Namen sei daher bewusst gewählt, sagt Hassan: "Sie spielt in allen großen Weltreligionen eine wichtige Rolle."

Aber nicht allen gefällt, was die Gruppe macht: Radikale und Prediger aus aller Welt schicken Morddrohungen.

In islamistischen Netzwerken werden die Aktionen von "12th Memorise" verurteilt, in islamischen Gemeinden in Deutschland kritisiert. "Irgendwann wurde es so schlimm, dass wir tatsächlich auseinander gefallen sind", sagt Hassan. Die Mitglieder hatten Angst um ihr eigenes Leben und das ihrer Familien, die Aktionen hörten auf. 

Dann kam das Attentat von Nizza, ein Terrorist fuhr mit einem Lkw in eine Menschenmenge, er tötete mehr als 80 Personen (bento). Es wurde zu einem erneuten Erweckungsmoment für Hassan. "Das hat uns wieder zusammengeschweißt", sagt er heute. 

Die Gruppe merkte, wie wichtig es ist, für einen friedlichen Islam zu kämpfen, den Gewalttätern etwas entgegenzusetzen. 

Auch wenn sie von Gemeinden argwöhnisch betrachtet werden – die jüngeren Muslime in Deutschland würden ihre Aktionen gut finden, sagt Hassan. "Viele fühlen sich hier zuerst als Deutsche, nicht mehr als Türke oder Araber." Entsprechend unabhängig sei ihr Denken – von einem Vorbeter würde sich keiner mehr einen politischen Islam vorschreiben lassen.

Bei uns steht nicht mehr die Religion im Vordergrund, sondern die Menschlichkeit.
Hassan Geuad

Ganz richtig ist das nicht: Es gibt auch viele junge Muslime, Deutsche wie Geflüchtete, die sich immer noch von islamistischen Predigern verführen lassen. Die Zahl der als Gefährder eingestuften Islamisten steigt seit Jahren. 680 sind es laut Bundeskriminalamt aktuell.

Aber gerade da setze "12th Memorise" an, sagt Hassan. Damit eben Jugendliche nicht von Radikalen verführt werden, will seine Gruppe um so radikaler auf die Ideologie von Islamisten aufmerksam machen. 

"Es bringt nichts, wenn sich Muslime nach einem neuen Anschlag mal wieder distanzieren", sagt er, "dann müssten sie das ja jeden Tag tun." 

Viel wichtiger sei, dass die gesamte muslimische Gemeinschaft lerne, umzudenken. Die Gemeinden müssten von türkischen oder saudischen Dachverbänden unabhängig werden, islamistische Literatur dürfe nicht mehr verbreitet werden. 

Bisher sehe es aber leider düster aus, sagt Hassan: "Die Gelehrten haben gar keine Strategie gegen Extremismus."

Für viele Muslime in Deutschland sind Gemeinden daher gar nicht mehr so wichtig. Zum Beten braucht man nicht unbedingt eine Moschee, zum eigenen Engagement keinen Imam, der sagt, wo es langgeht. 

Viele deutsche Muslime holen sich ihre Religion zurück. Auch die Pädagogin Lamya Kaddor engagiert sich:


Haha

Das ist das absurdeste Video, das du heute sehen wirst

Bestimmt hast du das früher auf dem Familienfest auch versucht: Weiße Tischdecke wegziehen, ohne dass das Geschirr umfällt. Wie das funktioniert hat? Meist nicht so gut.

Bei diesem Japaner klappt es ganz ausgezeichnet. Bonus: Er macht diesen Trick im Liegen, Tischdecke und Kaffeetasse drapiert er auf sich selbst, während er nackt ist.

Wie? Was? Das klingt absurd – und genauso sieht es auch aus.

Keine Sorge, das Video ist jugendfrei. Es gibt nichts zu sehen.