Bild: Privat

Während Deutschland über den nächsten SPD-Vorsitzenden spekuliert und Menschen sich auf den Sommer freuen, eskaliert die Gewalt im Sudan. Das Militär geht gewaltsam gegen Proteste vor, friedliche Demonstranten werden erschossen. 

Für viele Deutsche scheint das weit weg. Der Sudan ist bei weitem nicht der einzige Krisenherd, irgendwo auf der Welt herrscht immer Krieg. 

Aber für Faris ist die Situation im Sudan ganz nah dran an seinem Leben. Er ist 22, lebt und studiert in Berlin.

Dort ist er auch geboren. Aber die Familie seines Vaters lebt im Sudan – seine Cousins und Cousinen, Onkels und Tanten. Via Whatsapp bleiben sie in Kontakt.  

Faris hat bento erzählt, wie er die Entwicklungen erlebt und welchen Einfluss sie auf seinen Alltag haben.

"Mein Vater kommt aus dem Sudan, er ist als Student nach Deutschland gekommen. Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Ein Großteil der Familie meines Vaters lebt noch im Sudan, ich habe ungefähr 20 Cousins und Cousinen dort.

Ich war bisher viermal selbst im Sudan. Ich bin sehr gerne dort. Es ist zwar nicht so modern wie in Deutschland, die Infrastruktur ist nicht so gut, es gibt viel Armut. Aber die Menschen dort sind sehr herzlich und achten aufeinander. Ich habe zum Beispiel erlebt, wie in einer ganzen Nachbarschaft das Wasser ausgefallen ist, nur einer hatte noch eine funktionierende Leitung. Wie selbstverständlich hat er sein Wasser mit allen geteilt. Ich glaube, dass das in Deutschland anders gelaufen wäre.

Das letzte Mal war ich 2016 in Khartum. Auch da hat man die Unzufriedenheit schon mitbekommen. Brot und Benzin waren immer teurer geworden, jede Tankstelle wurde aus Angst vor Unruhen von Soldaten bewacht. Meine Verwandten erzählten mir, dass die Politiker an der Macht zu nichts zu gebrauchen seien. Es gab schon vereinzelte Proteste damals, aber das Militär ist mit Hunderten Wagen durch die Stadt gefahren, um die Leute einzuschüchtern.

Wirklich überrascht war ich deshalb nicht, als die Proteste im letzten Dezember richtig losgingen. Ich bin in einer WhatsApp-Gruppe mit der Verwandtschaft aus dem Sudan, insgesamt etwa 20 Leute. Dort wird zwar meistens auf Arabisch geschrieben, was ich leider nicht verstehe. Aber dort habe ich die ersten Bilder und Videos der Demonstrationen gesehen, auch meine Cousins waren mit Flaggen auf der Straße unterwegs. Es gibt ein Video in dem zwei von ihnen ein Protestlied singen, viele andere Menschen stimmen mit ein. In diesen Videos wirken die Menschen sehr gut gelaunt und optimistisch, aber auch sehr entschlossen.

Ich habe mich gefreut, dass die Proteste wieder losgingen und war stolz auf meine Verwandten, die für Demokratie und Freiheit protestieren.

Um mich solidarisch zu zeigen und wenigstens ein bisschen was tun zu können, bin ich auf zwei Demonstrationen in Berlin gegangen, vor der sudanesischen Botschaft und vor dem Brandenburger Tor.

Als Diktator al-Bashir im April dann gestürzt wurde, war ich gerade bei einem Freund und seiner Familie in Bristol. Sein Vater stammt auch aus dem Sudan. Als ich aufgewacht bin, hat der Vater mir gleich euphorisch erzählt: "Al-Bashir ist weg!“ Meine Mutter hatte mir auch schon geschrieben, wir haben uns sehr gefreut.

Die Freude hielt aber nur ein paar Stunden. Bis klar wurde, dass jetzt das Militär an der Macht ist und damit Generäle, die schon unter al-Bashir Kriegsverbrechen begangen haben. Die sind auch nicht besser.

In den Tagen darauf habe ich meinen Verwandten Nachrichten geschrieben und gefragt, ob sie noch protestieren. Sie haben erzählt, dass sie im großen Protestlager vor dem Hauptquartier des Militärs sind und nicht mehr weggehen, bis es eine demokratische Regierung gibt.

Als die Situation dann Anfang Juni eskaliert ist und das Militär angefangen hat, friedliche Demonstranten zu erschießen, war ich schockiert. Ich habe dann gleich in die WhatsApp-Gruppe geschaut, um zu checken, ob es allen gut geht – was zum Glück der Fall war.

Besonders ekelhaft fand ich, dass die Attacken auf die Demonstranten einen Tag vor dem Ende des Ramadan begannen. Eigentlich bereitet man in dieser Zeit das Zuckerfest Eid vor und feiert am nächsten Tag mit seiner Familie. 

Statt zu feiern mussten Menschen Beerdigungen abhalten.

Jetzt schaue ich täglich in die Gruppe, ob es was Neues gibt.

Weil das Internet im Sudan größtenteils abgeschaltet wurde, kommen aber nur sehr vereinzelt Nachrichten durch. Die Videos und Bilder zeigen nicht mehr meine Verwandten, sondern sind von anderen weitergeleitet. Darin sieht man Menschen, die vor den Schüssen der Soldaten fliehen und Angst haben.

Screenshot aus der WhatsApp-Gruppe

Das Thema beschäftigt mich in meinem Alltag sehr. Wenn ich Zeit habe, suche ich stundenlang nach neuen Informationen zur aktuellen Lage, meistens über Instagram. Das wirkt sich auch auf meine Laune aus. Eigentlich bin ich ein positiver Mensch. 

Es ist aber schwer, hier mit einem Lachen durch die Gegend zu rennen, während dort Menschen erschossen werden, die für Demokratie kämpfen.

Neulich habe ich mir meine Insta-Story angeschaut. Da war erst ein Bild von mir, gut gelaunt und entspannt auf dem Karneval der Kulturen. Zwei Bilder weiter dann neue Schreckensnachrichten aus dem Sudan.

Obwohl ich weiß, dass ich nichts für das Leid dort kann: In dem Moment habe ich mich schuldig gefühlt. Dafür, dass ich hier Spaß haben kann und die Menschen dort um ihr Leben fürchten müssen.

Ich finde, dass westliche Medien nicht ausführlich genug über die Lage im Sudan berichten. Deshalb versuche ich, mein Umfeld auf die Situation aufmerksam zu machen und poste viel auf Instagram darüber. Ich habe in den letzten Tagen viele solidarische Nachrichten von deutschen Freunden bekommen, viele haben meine Posts geteilt.

Ich finde es wichtig, dass die Leute hier Bescheid wissen – auch, wenn das an der Situation dort erstmal nichts ändern kann.

Ich weiß gerade nicht, ob ich hoffnungsvoll in die Zukunft des Sudan blicken soll oder nicht. Auf der einen Seite bin ich stolz, dass die Bevölkerung für ihre Freiheit kämpft. Bei meinen Verwandten verspüre ich immer noch eine Aufbruchsstimmung, daran hat sich nichts geändert. Auf der anderen Seite wird es verdammt schwer werden, diese Machthaber loszuwerden.

In erster Linie bin ich wütend gerade. Ich kann einfach nicht verstehen, wie jemand es als richtig empfinden kann, auf friedliche Demonstranten zu schießen.


Future

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