Wir begleiten SPD-Neumitglieder bis zur Bundestagswahl

Was ist das für 1 Kanzlerkandidat vong Euphorie her? Seit am 24. Januar verkündet wurde, dass Martin Schulz die SPD in die Bundestagswahl führt, sind Tausende Menschen in die Partei eingetreten. Allein in der ersten Woche füllten mehr als 2800 Menschen das Online-Beitrittsformular aus, fast die Hälfte von ihnen ist jünger als 35.

Was bewegt junge Menschen dazu, in die SPD einzutreten – gerade jetzt? Warum begeistert Martin Schulz sie? Und was haben sie in den kommenden Monaten vor?

Wir begleiten zwei SPD-Neumitglieder auf ihrem Weg bis zur Bundestagswahl im September: Alexander Schilin, 24, studiert den Master "Demokratie und Regieren in Europa" in Tübingen. Linda Schulz, 28, wohnt in Köln und will Anwältin werden. Hier erzählen sie, wie es zu ihrem Beitritt kam und wie ihre Pläne aussehen.

Alexander Schilin, 24, Politik-Student aus Tübingen

(Bild: Claire Marie Vagedes)

Ich habe immer gesagt: Wenn Martin Schulz aufgestellt wird, dann trete ich in die SPD ein. Am Abend nachdem Schulz' Kandidatur verkündet worden war, füllte ich das Beitrittsformular online aus.

Ich habe mich schon früh für Politik interessiert – vor allem wegen meiner Oma. Sie wohnte im gleichen Haus und diskutierte oft mit mir. Zuerst überzeugten mich vor allem liberale Werte: 2009 trat ich in die FDP ein, machte für Guido Westerwelle Wahlkampf und half bei der Gründung des FDP-Ortsverbands in meinem Heimatort Kaub mit.

Ich hatte Politik-Leistungskurs und wollte immer Politikwissenschaft studieren.

Trotzdem entschied ich mich nach dem Abitur erst mal für VWL. Ich dachte, mit Powi kann man ja nicht viel machen. Nach zwei Semestern merkte ich aber, dass mir die tägliche Beschäftigung mit Politik fehlte, also habe ich gewechselt.

Durch mein Politikstudium wurde ich mit den Argumenten der eher linken Studentenszene konfrontiert und entfremdete mich von der FDP: Der Umweltschutz wurde dort in meinen Augen nicht wichtig genug genommen, soziale Gerechtigkeit vernachlässigt. Vor gut einem Jahr trat ich aus der FDP aus. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wählte ich dann die Grünen. Das hätte ich wohl auch bei der Bundestagswahl gemacht – wenn Martin Schulz nicht gekommen wäre.

Seine Kandidatur ist ein wichtiges Zeichen: Mit ihm traut sich die SPD was. Er gibt der Partei das lange vermisste Selbstbewusstsein zurück und vertritt authentisch den Anspruch, der nächste Bundeskanzler zu werden. Ich finde aber, er sollte sich nicht einfach nur irgendeine Mehrheit suchen; die SPD sollte bei den Wahlen vor der CDU liegen und somit die stärkste Partei im deutschen Bundestag werden.

Für mich repräsentiert Martin Schulz zwei Dinge, die mir sehr wichtig sind.

Zum einen hat er im Europäischen Parlament mehrmals gezeigt, dass er ohne Kompromisse gegen Populisten vorgeht. Zum anderen verkörpert er die Idee einer starken Europäischen Union.

Die EU war zwar schon unter Angela Merkel stark, aber oft wirkte es, als würde sie nur aus Gipfeln der Staats- und Regierungschefs bestehen. Schulz hat sich dafür eingesetzt, dass das Parlament mächtiger und damit die EU demokratischer wird.

Ich bin nicht der Typ, der sich in Ämtern hocharbeitet und politische Karriere macht. Darum geht es mir nicht. Mir ist wichtig, dass es in der Politik Menschen gibt, die das Richtige voranbringen – und dass man sie unterstützt.

Das wünschen sich junge Menschen vom SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz
"Ich wünsche mir zum einen eine familiennähere Politik und zum anderen eine bessere EU-Politik. Damit meine ich, dass trotz des Brexits die Beziehungen zu Großbritannien stabil bleiben...
Außerdem wünsche ich mir ein Freihandelsabkommen und ganz allgemein: Dass noch eine Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden wird, obwohl ich finde, dass Deutschland das schon ganz gut gelungen ist."
"Ich wünsche mir vom möglichen Bundeskanzler Martin Schulz neuen und frischen Wind in der Politik als Abwechslung zu Angela Merkel...
Außerdem wünsche ich mir von ihm als ehemaligem EU-Politiker mehr Einsatz für Europa – gegen den Rechtsruck, der derzeit stattfindet...
Auch wenn ich kein SPD’ler bin, wünsche ich mir durch das neue Gesicht mehr Zulauf für die SPD und mehr Abgänge von der AfD."
"Ich wünsche mir, dass Schulz als Bundeskanzler dafür Sorge trägt, dass Deutschland kulturell offen bleibt für Menschen aus der ganzen Welt...
Dabei ist nicht wichtig, aus welchem Grund sie hier sind – sei es weil sie Urlaub machen oder weil sie Asyl suchen."
"Sollte Schulz Bundeskanzler werden, wünschen wir uns ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber Trump. Außerdem hoffen wir, dass die Flüchtlingspolitik so weiterbetrieben wird wie bisher."
"Ich wünsche mir, dass mehr darauf geachtet wird, was das Volk sich wünscht. Ich habe das Gefühl, dass oft etwas gesagt und entschieden wird von einer abgehobenen Stelle...
Mir kommt es vor, dass der Blick für die wahren, wichtigen Dinge im Leben fehlt. Das finde ich schade."
"Ich habe wenig Ahnung von Politik. Ich weiß nur, dass Schulz eine gute Rede gehalten hat beim Lichterfest in Leipzig, wo an den 9. Oktober 1989 erinnert wurde...
Er scheint cool zu sein, denn er macht einen sympathischen Eindruck. Ich mag, dass...
...er einen guten Blick auf die allgemeine europäische Situation hat, also einen Gesamtblick, was Ost und West anbelangt."
"Ich wünsche mir von Martin Schulz, dass er alles schöner und friedlicher macht. Außerdem hoffe ich, dass er sich gegen Trump wendet."
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In den kommenden Monaten möchte ich für Schulz Wahlkampf machen. Deswegen bin ich in die SPD eingetreten: Wahlkampf hat nur Sinn, wenn man es gemeinsam macht – und die Partei ist dafür das beste Netzwerk, so stelle ich mir das zumindest vor. Klar, Social Media wird immer wichtiger, aber gerade die Älteren holt man immer noch auf der Straße oder zu Hause ab. Genau das habe ich vor: auf die Straße gehen und für Martin Schulz Werbung machen.

Auch mit meinen Freunden diskutiere ich so gut wie täglich über Politik – am Telefon, bei Facebook, beim Mittagessen in der Mensa oder abends beim Bier. Glücklicherweise sind meine beiden Mitbewohnerinnen nicht so politisch, so bekomme ich auch mal Pause.


Linda Schulz, 27, Jura-Studentin aus Köln

Nein, ich bin nicht verwandt mit Martin Schulz. Mein Bruder heißt Marwin, er musste sich in den vergangenen Wochen viele Scherze anhören.

Ich bin in der Woche nach der Nominierung von Martin Schulz in die SPD eingetreten. Ich habe allerdings schon immer die SPD gewählt. Ich stehe hinter ihren Werten: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität.

Ohne die SPD hätte ich nicht studieren können, sie hat sich für die Abschaffung der Studiengebühren eingesetzt. Genauso befürworte ich, dass sie sich um die gleiche Bezahlung von Mann und Frau bemüht und sich für den Mindestlohn einsetzt. Auch die Flüchtlingspolitik der SPD unterstütze ich. Bei CDU und CSU sehe ich leider absolut keine Einigkeit.

So wird Martin Schulz im Netz gefeiert:
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Klar, die Asyl-Politik generell und die Integration wird keine leichte Aufgabe, trotzdem sollte jedem Menschen aus dem Ausland nach Möglichkeit eine Chance gegeben und ihm zu jederzeit respektvoll begegnet werden – selbst wenn es sich um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Wir haben das Glück, in einem Land wie Deutschland geboren worden zu sein, man sollte sich aber stetig bewusst machen, dass man auch ebenso gut auf der anderen Seite hätte stehen können.

Martin Schulz hat mich überzeugt, weil er bestimmend und dennoch respektvoll ist. Ich erinnere mich zum Beispiel an die eine Szene, wie er einen Rechten aus dem EU-Parlament geworfen hat – das war gut argumentiert. Außerdem steht er für die europäische Gemeinschaft. Der Brexit hat mich sehr schockiert, deshalb finde ich wichtig, dass jemand Kanzler wird, der sich jahrelang für die EU eingesetzt hat.

Viele werfen Schulz vor, dass er noch keine Ziele für eine mögliche Kanzlerschaft formuliert hat. Das kann er noch zu einem späteren Zeitpunkt machen, zudem ist er in seiner letzten Rede in Bielefeld schon konkreter geworden.

Man sollte eine Partei schließlich nicht nur wegen des Kanzlerkandidaten wählen.

Eine Karriere in der Politik zu machen, fände ich spannend. Meine Priorität liegt allerdings zunächst bei meinem Jura-Studium.Bald gehe ich erst einmal zu einem Treffen in meinem Ortsverein und im April zu dem Neumitgliederseminar. Ich will mich auch beim Straßenwahlkampf engagieren. Ich bin sowieso jemand, der gerne mit anderen über Politik spricht. Zum Beispiel auch mit Bekannten, die nicht wissen, wen sie wählen sollen.

Viele Freunde und Bekannte überlegen selbst, sich in einer Partei zu engagieren. Ich denke, die AfD, der Brexit und Donald Trump haben viele wachgerüttelt.

In Martin Schulz sehen sie eine Hoffnung – so wie ich.


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Das machen die Stars aus "O.C., California" heute

Alle wollten damals leben wie Ryan und Seth aus "O.C., California" – im Poolhaus abhängen, wilde Partys mit Newports High Society feiern und hübsche Mädchen daten. Die Beliebteste von allen war natürlich Marissa mit ihren Sommersprossen, gold schimmernden Haaren und Rehaugen.

Ach, war das herrlich!

Wenn man mal wieder genervt war von Klassenarbeiten im grauen Deutschland, konnte man sich an den Strand von Newport Beach träumen. Nur die ganzen Familiendramen bei den Coopers und den Cohens beneidete man nicht.