Bild: Imago/Hollandse Hoogte
1. Er ist das einzige Mitglied seiner "Partei für die Freiheit"

Geert Wilders, 53, ist die Partei. Allein er bestimmt, die Positionen der "Partij voor de Vrijheid". Die Kandidaten für die Parlamentswahlen sucht er selbst aus, sie können über das Parteiprogramm nicht abstimmen. Ein Konstrukt, das in Deutschland rechtlich gar nicht möglich wäre. Für Wilders hat es aber gleich mehrere Vorteile: Neben der absoluten Kontrolle muss er auch so keine Parteifinanzen offenlegen. Seit Jahren gilt es als offenes Geheimnis, dass er von reichen und rechten US-Amerikanern große Spenden erhält. (Politico)

2. Er ist verurteilt – wegen Hassrede und Beleidigung

Im März 2014 hatte Wilders, der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit, auf einer Wahlparty in Den Haag seine Zuhörer gefragt: "Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner in dieser Stadt und in den Niederlanden?" Das Publikum antwortete mit "Weniger, weniger"-Rufen – und Wilders sagte mit einem Lächeln: "Dann werden wir das regeln."

Ein Gericht verurteilte Wilders deshalb wegen Hassrede und Beleidigung. Die Staatsanwaltschaft sah in seinen Aussagen eine pauschale Diskriminierung der rund 380.000 Menschen mit marokkanischen Wurzeln, die in den Niederlanden leben. Wilders habe die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten. Allerdings verhängten die Richter keine Strafe. (bento)

3. Er hat Henk und Ingrid erfunden

Die beiden Niederländer aus der unteren Mittelklasse existieren nicht wirklich, sie sind ein rhetorisches Mittel Wilders, bei jeder Gelegenheit spricht er von den beiden. Mittlerweile haben sie sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia.

Henk und Ingrid haben ihr Leben lang hart gearbeitet, die Elite des Landes jedoch tut nichts für sie. Sie fühlen sich von ihr betrogen, auch weil Niederlande vermeintlich islamisiert werde. So jedenfalls stellt Wilders die beiden Figuren da. Einst sagte er, dass er für die beiden Politik betreibe. "Nicht für Ali und Fatima." (Zeit Online)

4. Er bereiste als junger Mann den Nahen Osten

Mit 18 reiste Wilders auf eigene Faust nach Israel und von dort aus weiter nach Ägypten. Später besuchte er zahlreiche weitere Länder der Region. Die Reisen scheinen ihm zwei Dinge nahegebracht zu haben, die seine Politik noch heute prägen, wie er selbst sagt: Die Angst vor "islamischen Herrschern" und die "Liebe zu Israel". Im Gegensatz zu vielen rechtsextremen Politikern gilt Wilders als großer Unterstützer Israels und sieht das Land sogar als Vorbild für Europa. (Muslimsdebate via web.archive.org)

Der Islam stiehlt den Muslimen die Freiheit
Geert Wilders (Quelle)
5. Er steht seit Jahren unter Polizeischutz

Wilders steht durchgehend unter Polizeischutz, seitdem der rechte Regisseur Theo van Gogh 2004 von einem islamistischen Attentäter ermordet wurde. Auch heute noch erhält er regelmäßig Morddrohungen. Als im aktuellen Wahlkampf ein Polizist verdächtigt wurde, Details über Wilders Bewachung an eine marokkanische Bande verraten zu haben, stoppte er mehrere Tage lang alle öffentlichen Auftritte. Ob die Gefahr real war oder nur von Wilders geschickt überspitzt wurde, ist bislang unklar. (FAZ)

Das sind die wichtigsten Parteien:
Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) – 40 Sitze, rechtsliberal, stellt den Premierminister
Partei der Arbeit (PvdA) – 35 Sitze, sozialdemokratisch, bildet zusammen mit der VVD die Regierung
Sozialistische Partei (SP) – 15 Sitze, linksgerichtet
Christlich-Demokratischer Aufruf (CDA) – 13 Sitze, christdemokratisch
Partei für die Freiheit (PVV) – 12 Sitze, rechtspopulistisch, ging aus dem Parlamentswahlen noch als drittstärkste Kraft mit 15 Sitzen hervor, seitdem haben sich drei Mitglieder abgespaltet
Insgesamt sitzen derzeit 17 Fraktionen im niederländischen Parlament – darunter zum Beispiel auch die Migrantenpartei Denk und 50plus, eine Partei, die die Belange alter Menschen vertritt.
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6. Bei Pegida in Dresden hetzte er auf Deutsch

Für den Rechtspopulisten ist der Kampf gegen Muslime eine weltweite Angelegenheit, die weit über die Grenzen der Niederlande hinausgeht. Deshalb preist er regelmäßig US-Präsident Donald Trump als Vorbild und hofft, nach seinem möglichen Wahlsieg eine rechte Welle in ganz Europa loszutreten. In Frankreich unterstützt er dabei seit langem den Front National von Marine Le Pen, in Deutschland unterstützte er bereits immer wieder die AfD. Bei einem Besuch in Dresden hielt er für Pegida eine Rede auf Deutsch und bezeichnete die rechten Demonstranten als Helden gegen die Islamisierung. ("Tagesspiegel")

7. Sein eigener Bruder nennt ihn öffentlich eine "Plage"

Nicht nur bei seinen Landsleuten steht Wilders in der Kritik – auch innerhalb seiner Familie sorgt sein Auftreten für Kritik. "Er ist sozial isoliert, entfremdet sich vom normalen Alltagsleben." sagte Paul Wilders in einem Interview über die Lebensbedingungen seines Bruders – und warnte davor, dass die rechten Parolen schnell zu Gewalt führen könnten: "Geert will keine Gewalt, doch er nimmt die möglichen Folgen solcher Botschaften in Kauf." (SPIEGEL ONLINE)

8. Mit anderen Themen ist er grandios gefloppt

Zwischenzeitlich versuchte sich Wilders auch als Euro-Kritiker und rechtspopulistischer EU-Gegner – allerdings mit eher bescheidenem Erfolg. Bei den vergangenen drei Wahlen 2012, 2014 und 2015 verlor seine Partei jedes Mal Stimmen. Deshalb ist Wilders zum Wahlkampfendspurt wieder auf sein Lieblingsthema Islam umgeschwenkt und redet lieber nicht mehr darüber, dass er Donald Trump als Vorbild für die Niederlande sieht. (Tagesschau)

9. Am Ende könnte er gewinnen – und dennoch verlieren

In den Umfragen liegt die Partij voor de Vrijheid derzeit auf dem zweiten Platz. Wilders erklärtes Ziel ist es, dass sie bis zur Wahl stärkste Kraft wird. Kritiker halten das durchaus für möglich und verweisen auf den Erfolg Donald Trumps, den viele Beobachter vorher nicht für möglich gehalten hatten.

Kleiner Unterschied: Im nächsten niederländischen Parlament begegnen sich nicht zwei, sondern schätzungsweise bis zu 15 unterschiedliche Fraktionen. Die Parteienlandschaft des kleinen Landes ist extrem zersplittert. Und bis auf zwei Splittergruppen will niemand mit Wilders regieren. Selbst wenn er gewinnt, wird er in absehbarer Zeit nicht Premierminister werden.

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Sport

Bist du besonders sportlich – oder eher so Durchschnitt?

Für manche ist der Weg zum Supermarkt schon eine sportliche Leistung, andere joggen noch vor dem Frühstück ihre zehn Kilometer durch den Park.

Ob man Deutschland im Durchschnitt als sportliche Nation bezeichnen kann, ist eher fraglich. Eine repräsentative Umfrage des Institut für Demoskopie Allensbach hat ergeben, dass nur etwa 10 Prozent der Befragten in ihrer Freizeit gerne ins Fitnessstudio gehen. Fast 17 Prozent gaben dagegen an, dass sie in ihrer Freizeit gerne Rätsel lösen. Rätsel. lösen. Wandern, joggen und sonstige sportliche Betätigungen liegen abgeschlagen auf den einstelligen Prozent-Plätzen.

Und du so?